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Am liebsten ehrlich und direkt

(Wittlich) Die Schlossgalerie sei hässlich und Ex-Bürgermeister Ralf Bußmer ein Kulturbanause. Wenn Ulrike Möhn über Wittlich spricht, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Lange Zeit stand sie als Büttenrednerin auf der Bühne der Wittlicher Narrenzunft.
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Wittlich. Ein bisschen rebellisch war Ulrike Möhn wohl schon immer. Im Religionsunterricht setzte der Pastor sie vor die Tür, weil sie ihm kritische Fragen gestellt hatte. Auf ihrem Schulranzen standen damals mit rotem Lippenstift die Buchstaben LVP. Wenn die Lehrer sie fragten, was das bedeute, sagte sie ihnen ins Gericht: "Lehrervernichtungspartei". Das war in den wilden 60ern. Ulrike Möhn ist heute 61 Jahre alt. Seit ihrer Schulzeit ist viel passiert; sie ist Mutter, hat ein Berufsleben im Wittlicher Einzelhandel hinter sich - doch ihre direkte Art hat sie sich bewahrt.

Gern mit dem Hund unterwegs


Bis vor wenigen Jahren stand sie bei den Kappensitzungen der Wittlicher Narrenzunft auf der Bühne. Ihre Büttenreden nutzte sie zur humorvollen Kritik: "Das hatte immer was mit der Stadt zu tun, entweder mit Persönlichkeiten aus der Stadt oder mit Stadtrat und -verwaltung." Büttenreden mit viel Klamauk ohne brisanten Inhalt? "Das war nie mein Ding." Ulrike Möhn ist eine freundliche Frau mit kurzen grauen Haaren und runder Brille. In ihrer Freizeit liest sie gerne Zeitung und skandinavische Krimis. "Und ich bin schrecklich gern mit dem Hund draußen." Sie habe schon immer Hunde gehabt, erzählt sie. Zurzeit ist es eine Hündin, Maja heißt sie. Mit ihr geht Ulrike Möhn jeden Tag spazieren. Dabei sieht sie die Stadt - inklusive ihrer Mankos. "Die Entwicklung, die Wittlich in den letzten Jahren gemacht hat, gefällt mir überhaupt nicht. Das macht mich richtig traurig." Zwar erkenne sie, dass die Stadtverwaltung sich bemühe, die "grässlichen Fehler" wiedergutzumachen, die gemacht wurden. "Ich fürchte nur, es ist zu spät."
Von welchen Fehlern sie spricht? Ulrike Möhn hat eine ganze Liste im Kopf: "Die Neustraße hätte nie zugemacht werden dürfen. Die Flächen, die außerhalb der Stadt großen Ketten zur Verfügung gestellt wurden, sind zu groß für eine Stadt wie Wittlich. Die Verkehrsführung hätte anders gemacht werden müssen. Die Schlossgalerie finde ich hässlich. Die könnte ich mir nicht mal schön trinken!"
Noch was? Ja, auch kulturell sei in Wittlich einiges schiefgelaufen: "Bußmer war der worst case für Wittlich, ein Kulturbanause!" Die Schlossgalerie hässlich, Ralf Bußmer ein Kulturbanause - Ulrike Möhn scheut sich nicht, ihre Meinung zu sagen: "Ich bin mit Sicherheit ein sehr direkter Mensch. Ich muss nicht everybody\'s Darling sein."
Manche Leute sagen ihr, sie solle wegziehen, wenn sie so schlecht über die Stadt denke. "Ich will aber nicht weg." Wittlich bleibt ihre Heimat: "Ich sehe die Stadt als mein Zuhause wie ich meine vier Wände als Zuhause sehe." Fast alle ihre Freunde wohnen hier. Und dann gibt es da ja noch die Säubrennerkirmes. "Ein wunderbar geselliges Fest", findet Ulrike Möhn. Wittlich ist keine schlechte Stadt, das weiß sie: "Ich sage auch, wenn mir etwas gefällt, wenn ich etwas gut finde." Beispiel: Elke Scheid als Kulturamtsleiterin sei ein guter Griff gewesen.
Ulrike Möhn ist kein Miesepeter, der alles schlechtredet. Nein, ganz und gar nicht. Sie ist einfach nur ehrlich und direkt.
Extra
Ulrike Möhn Alter: 61 Jahre Beruf: Einzelhandelskauffrau im Ruhestand Hobbys: Spaziergänge mit dem Hund, lesen Wittlich ist für mich: mein Zuhause


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