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Bauernprotest in Wittlich: Viehhalter fordern Landwirtschaftsminister auf, in den Milchmarkt einzugreifen

(Wittlich) Eine Rückkehr zur Milchquote wird es nicht geben. Dies hat Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) am Rande eines Bauernprotests in Wittlich gesagt. Der Bund Deutscher Milchviehhalter fordert, mit einer Deckelung wieder dafür zu sorgen, dass weniger Milch auf dem Markt ist und die Preise steigen.

03.03.2016
Katharina de Mos
Mit hupenden Traktoren, Reden und Transparenten haben mehrere Dutzend deutsche und belgische Bauern am Donnerstag in Wittlich auf ihre schwierige Situation aufmerksam gemacht. Angesichts des niedrigen Milchpreises fordern sie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zum Handeln auf. Dieser war an Donnerstag mit seinem parlamentarischen Staatssekretär Peter Bleser (CDU) und mehreren CDU-Landtagsabgeordneten in der Region unterwegs.

Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) fordert eine Deckelung der Milchmengen. "Man muss das Angebot der Nachfrage anpassen", sagt Rainer Hoffmann aus Ellwerath bei Prüm. Doch die Molkereien unterböten sich in der Preisschlacht gegenseitig.

Hochwald Foods sagt dazu: "Der Preis bildet sich durch die Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage". Am Milchmarkt wirkten sich seit dem Ende der Quote verstärkt globale Einflüsse wie die schwächere Nachfrage aus China aus.

Das gehe Betrieben an die Substanz. BDM-Mitglied Hoffmann betont: "Meine 90 Kühe sind im Moment ein Hobby". Denn Geld verdiene er mit ihnen nicht. Auch so manchem seiner belgischen Berufskollegen wäre es am liebsten, wenn die Milchquote, die Ende März 2015 abgeschafft wurde, wiederbelebt würde.

Schmidt macht im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund jedoch deutlich, dass er eine Rückkehr zur Milchquote ausschließt. "Es gibt keinen Hebel, den man umlegen kann, um die Probleme zu lösen", sagt der Minister. Die Milcherzeuger seien irritiert darüber, dass sie die Einzigen sind, die in der Wertschöpfungskette das Risiko tragen. "Das trifft einen wichtigen Punkt", sagt Schmidt. Leider habe man den Eindruck, dass der Unterbietungswettbewerb im Preis bei den Molkereien, der unmittelbar auf die Betriebe zurückwirke, auch eines der Probleme sei.

Schmidts Vorschlag: "Die Wirtschaft kann selbst wirkungsvolle Maßnahmen zur Angebotssteuerung ergreifen, wie das Beispiel der Molkerei FrieslandCampina zeigt". Diese zahlte Bauern, die weniger Milch liefern, zeitweise zwei Cent mehr - eine Maßnahme die laut Hochwald jedoch keinen Effekt auf den Markt hatte. Eine intensivere Marktbeobachtung - wie man sie auf EU-Ebene etablieren wolle - würde den Molkereien laut Schmidt helfen, besser auf Marktveränderungen zu reagieren.

Anders als der BDM glaubt der Bauern- und Winzerverband nicht, dass eine Mengendrosselung die Situation verbessern würde. Man brauche neue Konzepte, wie die Molkereien ihre Handlungsposition gegenüber den Konzernen des Lebensmittelhandels stärken können, heißt es in einer Resolution, die Manfred Zelder, Chef des Kreisverbands Bernkastel-Wittlich, dem Minister überreicht.

In der Region spielt die Milchwirtschaft eine große Rolle: 60 Prozent der Milch, die in Rheinland-Pfalz erzeugt wird, kommt aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Trier. Am 31. März, also am Tag, als die Milchquote abgeschafft wurde, gab es dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) zufolge regionweit 1026 Lieferanten. Ein halbes Jahr später waren es noch 950, also 76 weniger. 55 von denen, die aufgaben, leben im Eifelkreis Bitburg-Prüm, der bei der Milcherzeugung Spitzenreiter ist. Seit 1996 ist die Zahl der Milchviehbetriebe um mehr als 60 Prozent gesunken: von 2467 auf 950.

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