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Binsfelder Angler wollen chemieverseuchten See aufgeben und suchen nach Ersatz

Binsfelder Angler wollen chemieverseuchten See aufgeben und suchen nach Ersatz

(Binsfeld) Der Angelsportverein Salmfischer aus Binsfeld will an seinem mit Löschmittelrückständen verunreinigten See nicht festhalten. Der Verein beabsichtigt, die Pacht zu kündigen und sucht nach einem Ersatzgewässer. Geplant ist auch ein Schadensersatzverfahren gegen den Bund.

23.10.2014
Friedhelm Knopp
Binsfeld. Für die Binsfelder Freizeitfischer ist die Welt seit Jahresbeginn nicht mehr in Ordnung: Damals wurde bekannt, dass bei Feuerlöschübungen auf dem benachbarten US-Flugplatz Spangdahlem über Jahre hinweg im Löschschaum enthaltene Chemikalien im Boden versickert und in den "Märchen" genannten See geraten waren. Diese Perfluorierten Tenside (PFT) stehen unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. Sie sind biologisch nicht abbaubar und haben sich inzwischen im vereinseigenen Fischbestand angereichert. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord warnte zunächst vor dem Verzehr der Fische. Inzwischen empfiehlt die SGD, pro Monat nicht mehr als 500 Gramm Fisch aus dem See zu konsumieren, was letztlich das Aus für das Angelgewässer bedeutet (der TV berichtete).
Eigentümerin des Märchens ist die Ortsgemeinde Binsfeld, Pächter und Bewirtschafter bisher der ASV Salmfischer. Schon mehrfach hatte die Vereinsspitze in den vergangenen Monaten angedeutet, dass der Pachtvertrag unter diesen Umständen nicht mehr tragbar sei und der Verein ein Ersatzgewässer benötige.
Anfang dieser Woche zog der ASV in einer internen Sitzung eine Zwischenbilanz aus dem Desaster. Außerdem wurde das weitere Vorgehen besprochen. An dem Gespräch nahmen der Vorstand, einige Mitglieder und Beigeordneter Werner Pitsch für die Ortsgemeinde teil.
"Die Pacht wird aufgelöst. Ich arbeite gerade an einem entsprechenden Antragsentwurf an die Gemeinde", erklärt auf Anfrage der ASV-Vorsitzende Dieter Faber. Ein entsprechender Beschluss sei aber noch nicht gefasst worden. Weiter offen bleibe die Frage des Ersatzgewässers. Eine konkrete Lösung zeichne sich noch nicht ab.

Wird Gewässer angelegt


Befischbare Gewässer in umliegenden Gemeinden seien für den Verein nicht frei. Es komme also nur ein extra neu angelegtes Gewässer auf der Gemarkung Binsfeld in Betracht. In diesem Fall müsse zunächst in Zusammenarbeit mit der SGD Nord geklärt werden, ob am neuen Standort keine PFT-Belastung im Grundwasser bestehe und dort auch künftig nicht zu erwarten sei. Außerdem stelle sich damit die Kostenfrage.
Ebenfalls noch offen ist laut Faber die Frage nach dem Schadensersatz. Als die Verunreinigung vor Monaten bekannt wurde, hatten Verein und Gemeinde vorsorglich Ersatzansprüche beim Bund als Eigentümer des Flugplatzgeländes geltend gemacht.
Faber: "Wir haben aber noch keinen Überblick, wie hoch der Schaden an unserem eingesetzten und ungenießbar gewordenen Fischbestand tatsächlich ist." Dazu sei noch eine genaue Aufstellung des Bestandes erforderlich, was vereinsintern besprochen werden solle. Zudem sei dem Verein klar, dass er ohne juristischen Beistand wenig Chancen bei der für Schadensersatzforderungen zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) habe. Solche Hilfe könnte über den Bezirks-Sportfischer-Verband kommen.
"Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen mehr wissen und von der Gemeinde sowie vom Sportfischer-Verband die nötige Unterstützung erhalten."
Meinung
Binsfeld kann überall sein

Die Binsfelder Angelsportler haben ein Problem, und das heißt PFT und befindet sich in ihrem Weiher. Wenn die Angler keinen Ersatz für ihr Gewässer finden, ist der Bestand des Vereins gefährdet. Das ist die eine Sache. Doch das PFT-Problem betrifft nicht nur einen Fischteich, sondern das gesamte Grundwasser in der Gemarkung Binsfeld bis hin zur Kläranlage. Binsfeld ein tragischer Einzelfall durch seine Nähe zum US-Flugplatz? Leider nein, denn Binsfeld kann überall sein, wo Feuerwehren jahrelang mit PFT-haltigen Löschschäumen übten. Und zwar nicht in böser Absicht, sondern im guten Glauben, dass die Mittel ungefährlich seien. Was aber haben die Hersteller gewusst, die PFT zur besseren Effektivität ihren Produkten beimischten? mosel@volksfreund.de
Extra
Mitte 2013 stellen die Verbandsgemeindewerke in ihrer Sammelkläranlage Kailbachtal eine erhöhte Belastung durch Perfluorierte Tenside (PFT) fest, die weit über den zulässigen Grenzwerten liegt. Die Suche nach der Ursache endet zunächst im Binsfelder Märchen. Die SGD Nord empfiehlt, die Fische aus dem Weiher vorsichtshalber nicht zu verzehren. Der ASV Salmfischer erlässt als Pächter des Teichs ein Angelverbot. Der Verdacht fällt auf die angrenzende US Airbase, wo jahrelang Feuerwehrübungen mit PFT-haltigen Löschschäumen stattgefunden hatten. Die Amerikaner räumen dies ein - auch, dass es ein PFT-Problem auf dem Flugplatz gibt. Man sei auf der Suche nach potenziellen Verschmutzungen. Die SGD Nord hat ein Labor mit den Proben beauftragt. Im Juni kommen die Ergebnisse: Der PFT-Gehalt im See liegt weit über den zulässigen Grenzwerten. Bestätigt wird dies durch eine Analyse von Fischen aus dem Teich, die der ASV auf eigene Kosten bei einem anderen Institut in Auftrag gegeben hat. f.k.

 

 

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