Bombenentschärfung in Wittlich: 2700 Menschen müssen ihr Zuhause verlassen
Wegen der Fünf-Zentner-Bombe, die in Wittlichs Zentrum gefunden wurde, muss am Sonntag, 5. August, ein Gebiet im Umkreis von 500 Metern Luftlinie evakuiert werden. 2700 Menschen sind betroffen. Die Entschärfung ist für 12 Uhr geplant.
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Ein Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg sorgt in Wittlich am Sonntag, 5. August, für einen Ausnahmezustand: Die am Donnerstag bei Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Kohlenhandlung Petri in der Feldstraße gefundene 250-Kilo-Bombe muss entschärft werden.
Im Umkreis von 500 Metern zur Fundstelle wird die Stadt geräumt: Ab 10 Uhr soll am Sonntag dieser Bereich menschenleer sein – bis auf die Profis vom Kampfmittelräumdienst. Die Freiwillige Feuerwehr hat deshalb am gestrigen Freitag, im Gebiet zwischen Schlossplatz, Himmeroder Straße, Gerberstraße, Trierer Landstraße und Rommelsbach Handzettel verteilt, um die Bevölkerung zu informieren und die Menschen aufzufordern, ihre Wohnungen am Sonntag bis spätestens 10 Uhr zu verlassen. Wer kein Ausweichquartier hat, kann zur Feuerwache in der Gutenbergstraße kommen.
Am Sonntag selbst werden Lauftrupps der freiwilligen Feuerwehr die Räumung der Stadt kontrollieren, sagt Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Warum diese Sicherheitsmaßnahmen zwingend sind, dazu erklärte Dietmar Schmid vom Kampfmittelräumdienst auf TV-Nachfrage: In der näheren Umgebung könnten bei einer Detonation Dächer abgedeckt und Fassaden erheblich beschädigt werden, Fensterscheiben gingen durch die Druckwelle zu Bruch und das auch in der weiteren Umgebung. Wie schnell der Zünder der Bombe von den Spezialisten entfernt werden kann, lässt sich nicht sagen, da sie stark verformt ist.
Per Lautsprecher soll dann nach der Entschärfung das Ende der Evakuierung bekanntgegeben werden.
Die Meldung vom Bombenfund weckt bei vielen Wittlichern Erinnerungen an die Bombenangriffe an Heiligabend 1944 und am 1. und 8. Januar 1945. Roman Eisele war damals viereinhalb Jahre: „Wir haben in der Gerberstraße gewohnt, ganz nah, wo jetzt die Bombe gefunden wurde. Die wollten damals unter anderem die Lieserbrücke treffen. Die ist aber geblieben. Es war das einzige Mal, dass meine Mutter mit mir und meiner Schwester in den Luftschutzbunker gegangen ist. Das war unser Glück. Draußen war alles dem Erdboden gleichgemacht und dann wurde viel geplündert. Ich war damals erst viereinhalb. Das vergesse ich nie. Es ist, als wäre es gestern gewesen.“
Folgen der Evakuierung
Umleitungen: Der gesamte Verkehr durch die Innenstadt wird gesperrt. Polizei und Feuerwehr kümmern sich um die Umleitungen.
Altenzentrum St. Wendelinus: 140 Menschen im Wohnheim und Altenzentrum sind betroffen. Ein Teil wird zu Angehörigen gehen können, alle anderen sollen ins Atrium des Cusanus-Gymnasiums gebracht werden. Leiter Manfred Kappes: „Malteser, DRK und Feuerwehr werden uns helfen. Die Versorgung der 20 bis 25 Bettlägerigen muss noch geklärt werden. Ab 8 Uhr müssen wir anfangen, um 10 Uhr müssen wir raus sein. Alles in allem wird das sieben, acht Stunden dauern. Wir rechnen mit 140 Essen, die dann vom Altenzentrum Mittelmosel ins Gymnasium gebracht werden.“ Die Bewohner werden teils „zeitnah“ informiert, um möglichst wenig Ängste zu schüren.
Gottesdienste: Das Hochamt in St. Markus, 11 Uhr, fällt aus. Nur der Gottesdienst um 8 Uhr findet statt. Die für 14.30 Uhr geplante Taufe zweier Kinder wird in die Pfarrkirche St. Maria Magdalena, Lüxem verlegt. In der evangelischen Christuskirche fällt ebenfalls der Gottesdienst um 9.30 Uhr aus. Ein Bus fährt zum 10 Uhr-Gottesdienst nach Manderscheid.
Moschee (Schlossstraße): Im Freitagsgebet und beim Fastenbrechen werden die muslimischen Bürger informiert, dass die Moschee tagsüber geschlossen sei, sagt Ali Sabun: „Es wird gesagt, dass alle darauf achten sollen, sich in Sicherheit zu bringen.“ Viele Muslime leben in der Evakuierungszone.
Hotels: Die bislang 19 Gäste im Hotel Well wird Rene Fritzen informieren, dass sie um 10 Uhr das Haus verlassen müssen. Normalerweise wird bis 11 Uhr ausgecheckt. Für den Wittlicher Hof mit 30 Gästen gilt dasselbe.
Restaurants: Im Restaurant Daus wäre es normalerweise sonntags „voll wie immer“, sagt Maria Daus. Allein 80 Reservierungen werden jetzt telefonisch abgesagt. Fürs Gasthaus Schneck sagt Friedhelm Schneck: „Es ist Monatsanfang, da haben alle Geld, das wären 20 bis 30 Mittagessen. Aber wir haben geschlossen.“ Dasselbe gilt für die Innenstadtkneipen: Der Frühschoppen fällt aus. Unmittelbar nach der Entwarnung können die Betriebe jedoch wieder öffnen.
Gefängnis: Von der Jugendstrafanstalt steht das Freigängerhaus im Radius. Otto Schmid sagt: „Es gibt keine besonderen Vorkehrungen. Die drei Betroffenen kommen dann einfach etwas später zurück.“ Für den Erwachsenenvollzug sagt Otmar Fillmann: „Betroffen ist der offene Vollzug mit 52 Gefangenen. Die Hälfte ist in Urlaub, die andere Hälfte unternimmt eine Wanderung.“
Einsatzzentrale: Sie ist bei der Feuerwache Stadtmitte in der Gutenbergstraße. Dort können sich während der Evakuierungsphase auch die Menschen aufhalten, die sonst keine Alternative haben (Telefon 6571/97400).
Einsatzkräfte: Wohl mehr als 100 Helfer werden dafür sorgen, dass Räumung und Absicherung reibungslos verlaufen. Im Einsatz sind unter anderem der Malteser Hilfsdienst und das Rote Kreuz. Schon am Donnerstagabend kümmerte sich das Technische Hilfswerk um die Absicherung des Blindgängers. Am Freitagabend verteilten rund 35 Mitglieder der Feuerwehr Wittlich die Handzettel an die Haushalte innerhalb der Räumungszone. Am Sonntag sollen nach Auskunft des stellvertretenden Wehrleiters Martin Schmidt bis zu 50 Aktive im Einsatz sein.
Das Flugblatt zur Evakuierung: Ulrich Jacoby, Stadtverwaltung, zeigt die Information, die die Feuerwehr seit gestern Nachmittag in der Stadt verteilt, um über die Folgen des Bombenfunds aufzuklären.
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