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Chemikalien im Fischteich: Behörde erklärt Weiher neben US-Airbase zum Gesundheitsrisiko

(BInsfeld) In einem Binsfelder Fischteich in Nähe der US-Airbase Spangdahlem ist eine giftige Substanz entdeckt worden. Das Ausmaß des Gewässerschadens wird noch untersucht. Experten raten, keine Fische aus dem Teich zu verzehren.

26.02.2014
Friedhelm Knopp
Eine womöglich krebserregende Substanz in einem Fischteich beunruhigt die Eifelgemeinde Binsfeld (VG Wittlich-Land). Der von einem Angelsportverein bewirtschaftete Weiher ist Eigentum der Ortsgemeinde. Das Gewässer war in den Fokus geraten, nachdem die Verbandsgemeindewerke Wittlich-Land Bestandteile eines Löschmittels in ihrer örtlichen Sammelkläranlage gefunden hatten. „Nach mühsamer Suche sind wir dann auf den Binsfelder Teich gestoßen“, erklärt auf Anfrage Bürgermeister Christoph Holkenbrink von der Verbandsgemeinde.

Vom Fischverzehr abgeraten

Nach einer Wasser- und Bodenuntersuchung am Teich riet nun die Trierer Regionalstelle der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord vom Verzehr der dort eingesetzten Fische ab. Ihr Fleisch könnte mit Perfluorierten Tensiden (PFT) angereichert sein – einer künstlichen Substanz, die früher besonders in Löschschaumzusätzen für Feuerwehren verwendet wurde. Die Chemikalie steht in dem Verdacht, in größeren Dosen und über längere Zeit krebserregend zu sein. Aus den Feuerlöschmitteln wurde sie daher schon vor Jahren bis auf einen minimalen Restanteil verbannt. PFT ist nach Expertenangaben nicht biologisch abbaubar, also im Erdreich von unbegrenzter Haltbarkeit und verteilt sich leicht im Wasser.

Dazu Manfred Weber von der SGD-Regionalstelle Trier auf Anfrage: „Die unmittelbare Nähe des Teichs zur Airbase Spangdahlem legt die Vermutung nahe, dass PFT-Altlasten im Erdreich des Flugplatzes für die Verunreinigung infrage kommen.“ Früher habe es dort einen Übungsplatz für die Flugplatzfeuerwehr gegeben. Auch auf amerikanischer Seite werde die Sache eingehend untersucht. Weber: „Die Amerikaner zeigen sich sehr kooperativ – wir wissen inzwischen, dass auch in Regenrückhaltebecken auf der Airbase PFT nachgewiesen wurde.“

Nach Angaben von Alfred Weinandy, dem Trierer Leiter der SGD-Regionalstelle, steht derzeit noch nicht fest, wie hoch die Gefährdung durch die PFT-Verunreinigung in Binsfeld ist. Weinandy: „Es gibt für diesen Stoff bisher keine verbindlichen toxischen Grenzwerte, ab denen eine konkrete Gesundheitsgefährdung beginnt.“ Die im Binsfelder Teich gesammelten Wasser- und Bodenproben würden derzeit in der Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Speyer untersucht. Das genaue Ergebnis dürfte erst in einigen Wochen vorliegen. Bis dahin gelte die Empfehlung, keine Fische aus dem Teich zu verzehren. Dieter Faber, Vorsitzender des Angelvereins, sagt: „Untersucht worden sind die Fische, die wir teils im Herbst noch eingesetzt haben, nicht. Die müssen wir erst mal rausfangen. Darum wird sich unser Gewässerwart kümmern.“ Zur Frage, ob der Weiher einen Überlauf habe, sagt er: „Ja. Der müsste an die Kanalisation angeschlossen sein.“

Obwohl der Verursacher noch nicht konkret feststeht, haben die Gemeinde Binsfeld, die Angelsportler sowie die Verbandsgemeinde Wittlich-Land vorbeugend Schadenersatzanträge an die Bundesrepublik Deutschland als Eigentümerin des Flugplatzgeländes gestellt.

Eine TV-Anfrage bei der Pressestelle der Airbase blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. 
 
Kommentar: Binsfeld kann überall sein
Im Binsfelder Weiher ist eine Chemikalie drin, die zwar zum Feuerlöschen taugt, aber nicht als Beifutter für Süßwasserfische. Doch wie schädlich die Substanz PFT genau ist, kann bisher niemand genau sagen. Auf jeden Fall hat eine biologisch nicht abbaubare Substanz nichts in Fischteichen und ihren schuppigen Bewohnern zu suchen. 

Noch fehlt der Beweis, dass die Verschmutzung in Binsfeld von der nahen Airbase ausging, doch vieles spricht dafür. Wenn dem so sein sollte, wäre es kein spezifisches Problem dieses Flugplatzes. Es wäre deutschlandweit das Problem aller Orte, wo jahrzehntelang mit dem bedenklichen Schaumlöschmittel hantiert wurde. Und das könnte eine größere Sache werden. Von Friedhelm Knopp 
mosel@volksfreund.de

 

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