Liegen unter dem Parkplatz Karrstraße Überreste des Franziskanerklosters aus dem 17. Jahrhundert? Um das zu klären, investiert der Förderverein Wittlicher Kulturgüter 5000 Euro in eine Bodenradar-Untersuchung. Bürgermeister Joachim Rodenkirch hat die Spurensuche gestattet.
Podcast
Fotostrecke
Der Parkplatz wird demnächst mittels Bodenradar untersucht. TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling
Wittlich. "Wieder wurde etwas Einmaliges in Wittlich zerstört. Das darf nicht noch einmal passieren." - Das sagte Elisabeth von den Hoff, Förderverein Wittlicher Kulturgüter (FWK), vor knapp zwei Jahren. Zerstört worden waren damals Mauerreste der Burg Ottenstein für den Bau der Schlossgalerie. Die vom Rheinischen Landesmuseum als "spektakuläres" und "außergewöhnliches Zeugnis spätmittelalterlicher Ingenieurskunst" bezeichneten Funde waren 2009 bei Arbeiten für Kellerräume des Einkaufszentrums entdeckt worden, die der Investor kurzfristig ohne Genehmigung hatte ausschachten lassen. Die Baupläne, die dem Landesmuseum als zuständiger Denkmalfachbehörde 2008 vorlagen, sahen keinen Keller vor. Den gibt es jetzt. Die Reste der Burg gibt es nur noch auf Papier dokumentiert. Sie wurden vor Ort kleingeschreddert.
Oberfläche wird nicht beschädigt
Das will der Förderverein Wittlicher Kulturgüter bei den vermuteten Überresten des Franziskanerklosters (siehe Extra) unter dem provisorischen Parkplatz Karrstraße vermeiden. "So etwas wie mit Burg Ottenstein darf nie wieder passieren", greift FWK-Vorsitzender Ortwin Eich bei der aktuellen Jahreshauptversammlung das Thema auf. Beschlossen ist daher, darüber Klarheit zu schaffen, was noch an archäologisch und stadtgeschichtlich Interessantem unter dem Karrstraßen-Platz schlummert, bevor der womöglich bebaut wird. "Erst baggern, dann fragen: So etwas soll vermieden werden", sagt Ortwin Eich. Der Verein hat ein Angebot der Marburger Firma Posselt&Zickgraf Prospektionen für die Untersuchung der zweieinhalbtausend Quadratmeter großen Fläche vorliegen.
Bürgermeister Joachim Rodenkirch unterstützt die Initiative, Licht ins Dunkel der Vorgeschichte des Geländes zu bringen. "Es bestehen unsererseits keine Bedenken", hat der Stadtchef geschrieben.
Rund 5000 Euro, das ist die Hälfte seines Vermögens, will der Verein in die Untersuchung investieren. "Dabei wird die Oberfläche nicht beschädigt. Das Gelände wird mit einem Gerät, das aussieht wie ein großer Staubsauger, abgeschritten. Dabei entsteht ein Bild des Untergrunds ähnlich einer Röntgenaufnahme", sagt Ortwin Eich zur Bodenradar-Technik, die eingesetzt wird. Ob tatsächlich Kirche, Kreuzgang, Klostermauern sichtbar werden, weiß keiner. Die Wahrscheinlichkeit ist groß. Der Wittlicher Historiker Klaus Petry sagt: "Es ist der geschichtsträchtigste Platz Wittlichs." Auch er ist dafür, als ersten Schritt zu prüfen, was im Wittlicher Boden noch liegt, bevor Bebauungspläne gemacht werden: "Die Chancen auf eine positive Gestaltung des Platzes sind besser, wenn wir Bescheid wissen." Immerhin gilt der Parkplatz als Provisorium. Seit Jahren ist eine Bebauung in der Stadtpolitik Thema, bislang sind Investoren-Projekte gescheitert (der TV berichtete/ siehe Extra). Ein Ergebnis der Radar-Untersuchung kann auch sein, dass nichts Historisches mehr zu finden ist. Ortwin Eich rechnet damit, dass noch dieses Jahr bekannt wird, was der Parkplatz überdeckt.
Meinung
Erbe würdigen
Aus den Augen, aus dem Sinn. So ist das bei der Wittlicher Stadtgeschichte nicht. Dafür sorgen Einzelkämpfer und der Förderverein. Er rückt fast vergessene, weil unsichtbare Historie in der Karrstraße ins öffentliche Bewusstsein. Das Ergebnis der Bodenuntersuchung sollte in eine künftige Platzgestaltung einbezogen werden. Stadtgeschichte ist nämlich nicht primär ein Investitionshemmnis, sondern - entsprechend gewürdigt - ein Erbe und ein Pfund, mit dem man wuchern kann. s.suennen@volksfreund.de
Extra
Zuletzt stand auf dem Grundstück die Markus-Schule, die ab 1983 leer stand und 2001 abgerissen wurde. Seither sind Pläne, das städtische Grundstück zu bebauen und/oder zu verkaufen, gescheitert. Schon früh sollte dort ein Rathaus errichtet werden, oder ein "Markus-Center". Ende 2003 wurde einer Saarbrücker Firma eine Option auf das Grundstück erteilt. Sie wollte eine Seniorenresidenz errichten. 24 Wohneinheiten in einem viergeschossigen Gebäude plus Tiefgarage nebst Parkdeck sah das Konzept vor. Dann folgten wieder Rathaus-Neubau-Pläne, die später in die Kurfürstenstraße verlegt wurden. Im Januar 2012 sagte Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung: "Es gab und gibt keine Verkaufsverhandlungen mit der GBT über den Parkplatz Karrstraße." Die GBT habe lediglich einen Entwurf für eine mögliche Bebauung vorgelegt. Die Meinungsfindung im Stadtrat und der Verwaltung sei noch nicht abgeschlossen. Ein neuer Sachstand ist nicht bekannt. sos
Extra
Ab 1641 war der Bettelorden der Franziskaner in Wittlich aktiv. 1652 bezogen die Mönche das Kloster, das dort stand, wo heute der Parkplatz Karrstraße liegt. 1662 bis 1669 bauten die Franziskaner eine Kirche, die 1689 teilweise zerstört und 1700 wieder aufgebaut wurde. 1804 vertrieben die Franzosen den Orden. 1858 entstand dort die Markus-Schule, die ab 1970 die Stadtverwaltung beherbergte, die dann in Container am Talweg umzog.sys/sos
Kohlgemüse liefert so viele Vorteile auf einmal wie kaum ein anderes Gemüse. Kohl ist vielseitig einsetzbar und besonders in der kalten Jahreszeit ein wichtiger Vitaminlieferant. mehr...
Finden Sie uns auf Facebook und auf Twitter | Kommentare: Kommentar schreiben