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Der SV Wittlich hält viel mehr aus als die Titanic

(Wittlich) Der SV Wittlich hat Höhen und Tiefen erlebt: den Aufstieg in die damals dritthöchste deutsche Spielklasse und den Abstieg bis in die A-Klasse. Doch der Fußballverein besteht nach 100 Jahren immer noch. Zeugnis der Jahre liefert die umfangreiche Chronik.
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Wittlich. "Knapp vier Monate vor Gründung des SV Wittlich kollidierte die Titanic am 14. April 1912 mit einem Eisberg und sank knapp drei Stunden später im Nordatlantik. Im Gegensatz zu dem weltberühmten Schiff sollte sich unser Verein als unsinkbar erweisen", heißt es auf einer der ersten Seiten der Chronik des SV Wittlich (SVW). Vieles hat sich seither in der Welt getan. Vieles war nicht gut. Beim SVW habe es gute Zeiten gegeben und schlechte Zeiten, die den Verein in seiner Existenz bedrohten. "Immer wieder haben es die Wittlicher Fußballer geschafft, sich zusammenzuraufen und den Verein zu retten", heißt es weiter.
Fast 300 Seiten umfasst die Chronik über die Jahre 1912 bis 2012 (siehe Extra) . Macht bei aktuell 296 Mitgliedern fast eine Seite pro Mitglied. Es ist eine gewaltige Mischung aus Berichten, Dokumenten, Tabellen und natürlich auch Anzeigen, die die finanzielle Basis für ein solches Werk bilden. Fast jedem Jahrzehnt ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Der Blick richtet sich auch auf die Jugendarbeit, den Damenfußball, die Vorstände und Verwaltungsräte, die Mannschaften und Trainer. Das Kapitel "Buntes" wird gespeist mit Anekdoten, Personen und Persönlichkeiten. Jede Menge Grußworte gibt es. Eines kommt sogar von Wolfgang Niersbach, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes.
Der SVW ist ein reiner Fußballverein. Drei Seniorenmannschaften, in Spielgemeinschaft mit dem SV Lüxem, gehen auf Punkte- und Torejagd. Die Jugendspielgemeinschaft Wittlich/Lüxem/Hupperath/Minderlittgen verfügt über 20 Teams - von den Bambini bis zur A-Jugend. Dazu kommen eine Alte-Herren-Mannschaft und ein Damenteam.
1992 gelang der ersten Mannschaft der Aufstieg in die Oberliga, damals die dritthöchste Spielklasse in Deutschland. Das Stadion war oft gut gefüllt. 600 Zuschauer waren die Regel, es kamen auch schon mal 1000 Fans. Am Ende der Saison 1996/97 ging es wieder eine Klasse tiefer. Dass es bis in die A-Klasse runter ging, auch wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls, war nicht geplant. Ab der Saison 2011/2012 geht die Spielgemeinschaft Lüxem für die Kreisstadt mit drei Teams ins Rennen. Kurz- beziehungsweise mittelfristiges Ziel ist der Aufstieg in die Rheinlandliga. "Dort wollen wir uns etablieren. Mit der guten Jugend muss dies das Ziel sein", sagt Zwang. Derzeit führt der Verein die Bezirksliga souverän an. Die Voraussetzungen scheinen, vor allem wegen des 2010 fertiggestellten Kunstrasenplatzes und des Jugendspielfeldes, so gut wie bei kaum einem anderen Verein der Region. cb
Extra
Eineinhalb Jahre haben die Chronisten Jupp Eichhorn und Dieter Heiderich, zwei rüstige Rentner, in den Archiven gekramt. Hauptquelle war das Kreisarchiv. Sie fotografierten Artikel und Fotos aus den Zeitungen und scannten sie dann zuhause ein. Was sie beim Stöbern entdeckten, hat Geschäftsführerin Michaela Etscheid dann in vielen Stunden in Form gebracht. Jacki Eichhorn machte sich auf die Suche nach Sponsoren, die Anzeigen schalteten. Ursprünglich, so Franko Zwang, waren 100 Seiten geplant. Doch es kam immer mehr Material zusammen. Aus 100 wurden 200 Seiten und schließlich 300. 750 Chroniken wurden gedruckt. Die Gesamtkosten von etwa 10.000 Euro seien durch die Anzeigenerlöse gedeckt, berichtet Zwang. cb


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