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Der Tatort war der Ritterschlag

(Wittlich) In der Reihe „Erfolgreiche Wittlicher erzählen“ ist zum ersten Mal eine Frau zu Gast gewesen. Und die kennt, spätestens seit ihren Rollen im Fernsehkrimi „Tatort“, die ganze Republik: die Schauspielerin Barbara Philipp. Nach und nach hat sich ihre Schauspielkarriere entwickelt. Ihren Weg hat sie vor 80 Besuchern im Casino erzählt.

28.09.2015
Christina Bents
Woran es genau gelegen hat, dass Barbara Philipp eine beeindruckende Schauspielkarriere gemacht hat, kann sie selbst nicht ganz genau erklären. Vielleicht waren es die guten Gene, vielleicht war es auch der Untere Sehlemet, wo sie aufgewachsen ist, und aus der mehrere international renommierte Künstler wie der Jazzmusiker Christoph Adams kommen – mutmaßt sie mit einem Augenzwinkern.

Möglich ist aber auch, dass sie es einfach kann, das Schauspielern. Denn ohne das wären wohl kaum Regisseure wie Detlev Buck oder die Schauspieler Ben Becker und Ulrich Tukur auf sie aufmerksam geworden und hätten mit ihr gearbeitet. Ihr schauspielerisches Talent konnte sie auch im Casino bei ihrem Vortrag nicht verbergen. Selbstverständlich sprach sie frei, suchte Augenkontakt zum Publikum, unterstrich ihre Aussagen gestisch und mimisch, so dass die fast zweistündige Veranstaltung schnell verging. Ihre Wandlungsfähigkeit konnten die Besucher – unter anderem waren Familie, Freunde und Bekannte gekommen – in einigen Filmausschnitten sehen.

Am Anfang ihrer Karriere spielte sie oft Frauen aus dem Osten, die es nicht leicht hatten, dann hatte sie Rollen in kleineren Berliner Produktionen, und so kam eines zum anderen, bis schließlich der schauspielerische Ritterschlag mit dem berühmten Fernseh-krimi „Tatort“ folgte. „Ich habe festgestellt, dass zu viel Ehrgeiz in meinem Beruf nicht immer ans Ziel führt.“ Weiter berichtet sie: „Manchmal ist es wichtig, den Druck rauszunehmen, und auch mal Sachen nicht weiterzumachen, die gar nicht zu einem passen, sich treiben zu lassen. Und dann kommt das nächste Angebot.“ Wichtig war ihr in der ersten Zeit auch, dass ihre Familie ihr den Raum und die Zeit gegeben hat, sich zu entfalten, und sie nicht gedrängt habe, mit 30 Jahren den Karriereplan bis zur Rente vorzulegen. Dafür gab’s ein dickes Dankeschön an ihre Eltern, die noch immer in Wittlich leben.

Nette Anekdoten

Als dann die ersten Fernsehproduktionen zu sehen waren, wurde man auch in Wittlich auf sie aufmerksam. Rolf Kaienburg beispielsweise verstand nicht auf Anhieb, dass man sie nach ihrer ersten Rolle nicht gleich regelmäßig im Fernsehen sah. Dass die Wittlicher stolz und neugierig auf den Star aus dem Säubrennerstädtchen sind, zeigen die Besucherzahlen im Casino, denn wenn sonst erfolgreiche Wittlicher dort erzählen, sind meist zwischen 40 und 60 Zuhörer da. Bei Barbara Philipp waren es 80. Neben Anekdoten aus ihrer Karriere, beispielsweise hat sie den Autor des Buchs „Der Vorleser“, Bernhard Schlink, bei der Verfilmung nicht erkannt und ihn für einen vorlauten Statisten gehalten.

Neben den berühmten Kollegen und dem Ruhm der Leinwand ließ sie aber auch anklingen, dass für den Schauspielberuf eine gute und manchmal auch harte Ausbildung wichtig ist. „Für labile Typen ist das nichts, denn die Emotionen müssen schon aus einem selbst kommen, und dazu muss man auch an seine persönlichen Grenzen gehen, sonst kann man das nicht überzeugend spielen“, erklärt die fast 50-Jährige. Besonders stolz ist sie darauf, dass sie schon bei einer Oscar-Verleihung auf der Leinwand zu sehen war. Zwar nur für einen Augenblick mit Schnittchenplatte, aber die Resonanz darauf war riesig. Und vielleicht war es nicht das letzte Mal, dass man sie im Dolby-Theater in Los Angeles gesehen hat.


Extra Die Biografie von Barbara Philipp

Nach ihrem Abitur in Wittlich war Barbara Philipp in Berlin, Düsseldorf und New York. Dort hat sie in verschiedenen Kursen und an Schauspielschulen gelernt. Am Theater in Stendal hatte sie ihr erstes Engagement, es folgte die erste Produktion fürs ZDF, „Nah am Wasser“. Sie arbeitet hauptsächlich für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Im Film „Liebesluder“ von Detlev Buck hat sie mitgespielt, schließlich kam der Tatort, indem sie die Assistentin von Ulrich Tukur, Magda Wächter, spielt. Ausgezeichnet wurde sie 2015 mit der goldenen Kamera in der Kategorie „Bester Deutscher Fernsehfilm“ für den Tatort „Im Schmerz geboren“. 2013 bekam sie den Preis der deutschen Filmkritik als „Bester Spielfilm“ für „Die andere Heimat“ von Edgar Reitz. chb









 

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