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Eifelklinik wird größer

Rentenkasse investiert 20 Millionen Euro am Manderscheider Standort - Zahl der psychosomatisch Erkrankten nimmt zu

(Manderscheid) Auch wenn es auf den ersten Blick dramatisch aussieht - die Bäume um die Manderscheider Eifelklinik mussten fallen, um eine Investition möglich zu machen. Die Reha-Einrichtung erhält ein neues Bettenhaus. Deshalb musste Platz für Baufahrzeuge geschaffen werden. Außerdem waren viele der Bäume umsturzgefährdet.

04.05.2014
Hans-Peter Linz
Manderscheid. Es ist das Manderscheider Großprojekt in diesem Jahr: Die Eifelklinik soll um ein zusätzliches Bettenhaus erweitert werden. 20 Millionen Euro investiert die Deutsche Rentenkasse in den Standort in der Eifel, an dem Menschen mit psychosomatischen Beschwerden behandelt werden. Bereits im vergangenen Jahr startete die umfangreiche Baumaßnahme mit einer Sanierung des Hallenbads der Klinik. Das ist inzwischen fertig geworden. Von der alten Einrichtung ist die kunstvolle Kachelfassade an der Stirnwand der Schwimmhalle übriggeblieben. Bodenbeläge und Technik sind überholt worden. Außerdem sind die Umkleidekabinen erneuert, ein Saunabereich und ein Raum für medizinisches Funktionstraining ergänzen diesen Bereich. Damit sind bereits zwei Millionen Euro investiert, wie Klinik-Direktor Thomas Kaut erklärt. Der größte Teil des 20-Millionen-Euro-Invests kommt erst noch. Denn die übrigen 18 Millionen Euro sind für die Errichtung eines zusätzlichen Bettenhauses geplant. "Da sind wir noch in der Feinplanung. Wir ermitteln den Raumbedarf, die Belegung. Dann folgt der Bauantrag, der bei der Kreisverwaltung eingereicht werden wird," sagt Kaut. In diesem Jahr sind daher erst die Vorarbeiten geplant, so etwa Ausschachtungen. Auch der über die Jahre zu dicht gewordene Baumbestand um die Klinik wurde gelichtet, wobei sich herausstellte, dass viele Bäume faul waren. Kaut: "Wir forsten aber wieder auf und nehmen auch dafür Geld in die Hand." Das zusätzliche Bettenhaus, das als Querriegel des bestehenden Gebäudes geplant ist, soll den Zimmerstandard der Klinik auf den aktuellen Stand bringen. Bislang gibt es teilweise noch Zweibettzimmer. In Zukunft werden dann moderne Einbettzimmer der Standard sein. Dann werde die Eifelklinik Einzelzimmer für 215 Patienten haben. Bislang sind es 205 Plätze, teilweise in Doppelzimmern.
Während der Arbeiten am Neubau, mit denen im nächsten Jahr zu rechnen sei, soll der Betrieb weiter aufrecht erhalten werden. Kaut: "Der Betrieb geht während der Bauphase weiter. Es wird teilweise Bettenausfälle geben. Dafür haben wir hiesige Hotels als Unterbringungsmöglichkeiten in Erwägung gezogen. Das wird aber noch juristisch geprüft und dann abgewogen."
Der Bedarf an Klinikplätzen sei da und werde eher noch steigen. "Die Zahl an Patienten mit psychosomatischen Krankheiten nimmt zu. Zum einen haben wir die Babyboomer-Generation in der Statistik, wir haben aber auch Patienten im Alter von 19 oder 20 Jahren, oft mit Essstörungen. Wenn wir 300 Betten hätten, wären auch diese belegt," sagt Kaut. Der volkswirtschaftliche Schaden durch den Arbeitsausfall von Menschen, die Mobbing-Opfer sind oder einen Burnout haben, betrage bis zu 25 Milliarden Euro pro Jahr. Im Schnitt hat die Klinik 2100 Patienten im Jahr. Manche seien schwer depressiv, andere hätten akute Angst-Störungen oder Essstörungen. Insgesamt sei der Standort Manderscheid gesichert, im zweiten Halbjahr könnten sogar zwei neue Ärzte eingestellt werden, versichert Kaut.
Extra
Arztstellen zu besetzen, werde schwieriger, erklärt der Manderscheider Chefarzt Dr. Peter Bommersbach: "Es liegt nicht am Geld. Aber viele junge Ärzte erwarten ein großstädtisches Umfeld mit fußläufig zu erreichendem Theater oder Restaurant, so wie sie es von ihrem Studienort kennen. An solchen Rahmenbedingungen scheitert es oft." hpl