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Ein Jagdhund als Fall für die Tierrettung der Feuerwehr in Wittlich-Land

(Wallscheid) Die Freiwilligen der Feuerwehr sind für mehr als Brände gefragt. Nicht nur die Helfer in Wittlich-Land sind auch zur Stelle, wenn’s Hund und Vogel schlecht geht. Ein aktuelles Beispiel sorgte dabei für Aufsehen. Der TV hat nachgefragt.

09.08.2017
red
Wer auf die Jagd geht, hat nicht nur Freunde bei manchen Tierliebhabern. Aktuell gibt es in der Eifel einen besonderen Fall von Kritik. Der Vorwurf: Man setze rücksichtslos alte und kranke Hunde ein, die auf Wildschweine losgelassen würden und danach erschöpft und orientierungslos von den Freiwilligen Helfern der Feuerwehr eingefangen werden müssten. Was war geschehen? Der TV hat nachgehört.
 
Die Zeugin und das Gerücht: Anruf in der Redaktion. Eine Frau berichtet, dass am Sonntagmittag auf der Straße zwischen Wallscheid und Niederöfflingen ein orientierungsloser, erschöpfter Hund sich selbst und den Verkehr gefährdete. Mehrere Menschen hätten angehalten und versucht, das Tier, das ein Reflektorhalsband mit Nummer trug, einzufangen. Dabei habe man erzählt, es gebe insgesamt drei Jagdhunde, die zunächst im Wald gesichtet worden seien. Die Feuerwehr sei alarmiert worden, um die Tiere zu fangen. Für die Dame ist unfassbar, was sie zudem gehört habe.

„Die Hunde gehören wohl holländischen Jägern. Sie sollen angeblich alte, kranke Hunde, einer war demnach sogar auf einem Auge blind, auf Wildschweine gehetzt haben. Das geht doch nicht! Und dann muss noch die Feuerwehr sonntags dafür ausrücken. Hoffentlich bekommt der Jagdpächter wenigstens eine ordentliche Rechnung.“#
 
Die Feuerwehr und ihr Einsatz: Stephan Christ, Wehrleiter der VG Wittlich-Land, schildert, was offiziell bekannt ist: „Die Feuerwehr Wittlich-Land wurde zu einem Hilfeleistungseinsatz ,Tierrettung’ auf die L 60 Laufeld-Wallscheid alarmiert. Um 13.04 Uhr wurden die Feuerwehreinsatzzentrale, kurz FEZ, Manderscheid, die Feuerwehr Laufeld, die Feuerwehr Wallscheid und der Wehrleiter Wittlich-Land alarmiert. Die FEZ Manderscheid war mit drei Einsatzkräften besetzt, die Feuerwehr Wallscheid mit sieben Einsatzkräften ausgerückt, ich, der Wehrleiter habe den Einsatz über Funk mitgehört.
 
Es handelte sich laut Aussage einer Radfahrerin und eines Motorradfahrers um drei freilaufende Hunde. Einer davon konnte um 13.11 Uhr eingefangen und die anderen beiden gesichtet werden. Der eingefangene Hund trug ein Halsband mit einer Mobilfunknummer.“ Darüber habe man eine Belgierin erreicht, die wohl zur Jagdgesellschaft, die dort unterwegs war, gehörte.

„Sie konnte die beiden anderen Hunde dann ebenfalls anlocken und einfangen.“ Laut der Frau seien die Hunde seit dem Morgen vermisst und auch von Treibern gesucht, aber nicht gefunden worden. Christ: „Man vermutete, dass sie sich von allein an der Unterkunft der Gesellschaft in Wallscheid einfinden würden. Die Jäger waren dann wohl ohne sich weiter zu kümmern nach Manderscheid gefahren.“ Über einen besonders bemitleidenswerten Zustand der Tiere habe er nichts gehört.
 
Die Meinung eines Jagdhundefachmanns: Edmund Kohl aus Klausen ist ein Profi. Er ist Sachverständiger für Jagdhunde und erklärt zum geschilderten Sachverhalt auf TV-Nachfrage: „Wir haben in diesem Jahr aufgrund der trockenen und milden Temperaturen im Frühjahr sehr viele Wildschweine. Das Problem ist, dass die Sauen in den Mais gehen, wo sie Nahrung und Deckung haben und dann große Schäden verursachen. Deshalb versuchen die Jäger, den Mais zu retten, auch wegen der Wildschadenskosten. Hunde, die dafür im Mais jagen, müssen eine sehr gute Kondition haben. Einen alten Hund setzt keiner ein, da die Gefahr besteht, dass dieser kollabiert. Im Mais steht die Hitze sehr lange drin, das ist eine Schwierigkeit. Ich habe für meine Hunde zum Beispiel immer 40 bis 50 Liter Wasser dabei. 
 
Prinzipiell sind Jagdhunde immer gefährdet, denn wenn draußen ums Feld Unruhe ist, bleiben die Sauen lieber im Mais und attackieren die Hunde. Wir schützen allerdings unsere Hunde, die wehrhaft am Wild sind, zum Beispiel mit Schutzwesten, außerdem mit GPS-Geräten, so dass wir sie immer schnell finden. Und für viele Jäger ist ein Hund wie ein Familienmitglied, warum soll das bei Holländern oder Belgiern anders sein?" 
 
Die Folgen: Auf TV-Nachfrage sagt ein Sprecher der Verbandsgemeindeverwaltung, man könne noch nicht sagen, was der Einsatz koste und wer ihn bezahle. In der Regel würde man die Berichte von Polizei und Feuerwehr prüfen und dann über eine Rechnung entscheiden. Ein Ergebnis in diesem Fall habe man noch nicht. 
 
Auch das noch: Wer denkt, „Tierrettung“ sei für die Helfer in Not ein Einzelfall, irrt. Und es geht dabei nicht nur um die klassische Hilfe, die Katze per Leiter vom Baum zu holen. Stephan Christ, Wehrleiter VG Wittlich-Land: „Das war aber noch nicht alles an Tierrettungseinsätzen in Wittlich-Land. Ebenfalls Sonntag um 17.29 Uhr wurden die gleichen Einheiten auf die A1 zwischen Hasborn und Manderscheid alarmiert. Dort hatte eine Anruferin einen verletzten Greifvogel gemeldet. Hier waren die FEZ Manderscheid mit drei, die Feuerwehr Laufeld mit sieben, die Feuerwehr Wallscheid mit 14 und meine Wenigkeit im Einsatz. Trotz intensiver Suche in beiden Fahrtrichtungen konnte kein Tier ausfindig gemacht werden, und der Einsatz wurde abgebrochen.“ 
Und dann war wieder ein Einsatz nicht für die Katz, sondern für den Hund. Stephan Christ: „Zuguterletzt gab es Montag um 12.26 Uhr eine Alarmierung für die FEZ Manderscheid, die Feuerwehr Manderscheid und den Wehrleiter Wittlich-Land, Tierrettung – eingeschlossener Hund in PKW an der L16 auf dem Mitfahrerparkplatz. Der Hund wurde von vier Einsatzkräften der Feuerwehr Manderscheid aus dem Fahrzeug befreit. Kurz darauf kam die Besitzerin und konnte ihr Tier frisch getränkt übernehmen. Auch hier war die Polizeiinspektion Wittlich vor Ort.“