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Ein Kino für Wittlich: Gar nicht so einfach

(Wittlich) Die Wittlicher hätten gern ein Kino. Aber welche Voraussetzungen braucht ein Lichtspielhaus in der Kreisstadt? Der TV fragte jemanden, der das wissen müsste: den Betreiber des Dauner Kinopalastes, Kurt Römer. Er wird auch als einer von zwei Interessenten für Wittlich gehandelt.

21.04.2017
Ilse Rosenschild
Kurt Römer ist ein Mann, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Er ist der Betreiber des Dauner Kinopalastes. „Vier Sälchen, 480 Plätze“, ein echtes „Landkino“ eben, wie er selbst sagt. Und das meint er durchaus positiv. Sein Leben lang hat er in der Branche gearbeitet. Er hat viele Jahre Kassensysteme für Kinos mitentwickelt und vertrieben, bis er vor vier Jahren einen Traum realisierte und den Dauner Kinopalast übernahm. Dort zeigt er wöchentlich 13 bis 15 Filme.

Wie rentabel ist heutzutage denn ein Kino auf dem Land? „Nun, die schnelle Mark macht man damit sicher nicht“, sagt Römer. Man müsse so ein Projekt langfristig angehen und auch die Menschen mit ins Boot holen. Römer: „Dann ist wirtschaftlicher Erfolg möglich.“ 

Gilt das auch für Wittlich? „Die Anforderungen an den Betrieb oder die Errichtung eines modernen Kinocenters sind enorm“, sagt der leidenschaftliche Cineast zurückhaltend. 
Die Anforderungen an Objekt, Lage, Technik und Infrastruktur seien für ein einzelnes Geschäftshaus, sprich ein Kino, kaum zu bewältigen. Man braucht für ein Lichtspielhaus eine gewisse Einwohnerzahl, eine gute Lage, Menschen im Umland, die bereit sind 20, 30 Kilometer zu fahren und auch Geld für Filme ausgeben, sowie einen möglichst innenstadtnahen Standort mit reichlich Parkplätzen.

 Auch der Platzbedarf sei enorm hoch, da man „neben einer großzügigen Foyerfläche mindestens vier bis fünf Kinosäle unterbringen" müsse. Diese Anzahl sei unerlässlich, um dem wöchentlichen Angebot an neuen Filmen gerecht zu werden. Darüber hinaus steigen die Leihkosten für die Filme jährlich. Aktuell zahlt der Kinobetreiber laut Römer mehr als 50 Prozent pro Karte. Die Kosten für Personal, Projektion und Pacht seien in der Zahl noch nicht enthalten. 
Entscheidend für den Erfolg eines Kinos sei das richtige Konzept. Für den Dauner Kinopalast lautet das: viel Mainstream und ein bisschen Arthouse, sprich anspruchsvollere Filme. Und immer mal wieder etwas ganz Besonderes: Zum Beispiel stehe schon mal eine Live-Übertragung der Oper Carmen für Musikfreunde auf dem Spielplan. Doch er hat auch eine weitere, zahlenmäßig deutlich größere Zielgruppe im Visier: die Senioren. In regelmäßigen Abständen wird das Kino zur Kaffeetafel: Die älteren Gäste treffen sich zum gemeinsamen Filmerlebnis und genießen anschließend Heißgetränke und Kuchen. Und das nächste Mal kommen sie dann mit ihrem Enkel wieder. Allerdings, das Dauner Konzept sei nicht einfach auf Wittlich zu übertragen. Römer: „Jeder Standort braucht ein eigenes Konzept." Apropos Standort: Interessant ist aus seiner Sicht ein Kino, verknüpft mit einem Einkaufscenter, das von der Frequenz des Lichtspieltheaters profitiert. Als Gegenleistung erhalte der Kinobetreiber einen vergünstigten Pachtzins. Ähnlich wie in Bitburg? Denn dort ist neben dem existierenden Skala-Kino-Center (drei Säle, 370 Plätze) ein weiteres Lichtspielhaus in der geplanten Bit-Galerie in der Diskussion. Dort hält Römer fünf Säle und 750 Plätze für realistisch. Warum er das so genau weiß? Dort sondieren er und seine Ehefrau Heike Müller, die den Dauner Kinopalast gemeinsam führen, derzeit das Terrain. Das geht schon bis zu konkreten Gesprächen mit Architekten über Baupläne. Aber eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, betont er. Dennoch weiß Kurt Römer ziemlich genau, wie das neue Kino in der Bierstadt aussehen könnte. „Bei uns wird es Mainstream, aber auch Nischenfilme und Filme im Originalton geben“, hatte Kurt Römer dem TV vor einigen Wochen gesagt. Immer vorausgesetzt, der Dauner Kinobetreiber entscheidet sich für den zusätzlichen Standort in Bitburg. 

Es solle für jeden etwas dabei sein: für Schüler, Senioren, für Männer und Frauen. Aber nochmals: Das Bitburger Konzept auf Wittlich zu übertragen, sei nicht sinnvoll. 

Doch egal, wer ein Kino in Wittlich betreiben würde, noch fehlt ein Investor. Und bei fünf Sälen und 700 Plätzen, die Römer in Wittlich für angebracht hält, komme man schnell auf eine Investition von fünf Millionen Euro. Zwei potenzielle Betreiber sind für Wittlich im Gespräch. Ist Kurt Römer einer von ihnen? Seine Antwort: „Sollte uns ein Investor an geeigneter Stelle ein gutes und geeignetes Objekt zur Verfügung stellen, dann beschäftigen wir uns mit dem Standort.“ 

EXTRA
Kinos in der Region

Trier:
Cinemaxx: Multiplex-Kino mit sieben Sälen und rund 1700 Plätzen im Oberzentrum Trier. Der Schwerpunkt liegt auf Blockbustern. Cinemaxx-Specials wie „Ladies Night“ oder „Männerabend“  werden ebenso angeboten wie Vorpremieren, Filme in englischer Originalversion und Opernübertragungen.

Broadway: Programmkino mit fünf Kinosälen und 660 Plätzen. Im Jahr 2008 startete Dirk Ziesenhenne das Filmtheater nach einem Umbau neu als Kinokulturzentrum, das sich im Ambiente und mit Nischenfilmen von Multiplex-Kinos abhebt. Es gibt eine ganze Reihe von Zusatzangeboten. Die Reihe „Rollenwechsel – Kirche im Kino“ ist etwa ein Projekt des Arbeitsbereiches Medienkompetenz des Bistums Trier in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Trier und der Katholischen Hochschulgemeinde Trier. Angeboten werden auch Agenda-Kino (nachhaltige Themen) und Schlemmerkino (beliebte Filme mit Essensbegleitung) bis hin zu moderierten Veranstaltungen zu Filmen.

Bernkastel-Kues:
Das Mosel-Kino mit drei Sälen und 230 Plätzen bietet Mainstream, Familienkino – etwa Oma-Opa-Enkel-Karte – und diverse Sonderveranstaltungen wie Ladies Night und Previews in Kooperation mit dem Jugendparlament. Die Besonderheit: Das Mosel-Kino wird als eines von ganz wenigen in Rheinland-Pfalz kommunal betrieben, von der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, und schreibt nach Betreiberangaben schwarze Zahlen. 

Neubrücke:
Matthias Wild, der Betreiber der Movietown Cinemas in Neubrücke, Kreis Birkenfeld, begann 2001 mit vier Kinosälen, stockte 2010 auf sechs Säle mit 900 Plätzen auf. Das Kino liegt auf der grünen Wiese direkt an der B41/A62, Abfahrt Birkenfeld. In unmittelbarer Nähe ist der Umweltcampus Birkenfeld mit 2500 Studierenden und Beschäftigten. Neben Mainstream-Filmen gibt es Sneak Previews (Überraschungsfilme) vor dem Bundesstart.