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Gift und Galle: Prozess gegen Wittlicher wegen Beleidigung, Bedrohung und Nötigung

(Wittlich) Beleidigung in 23 Fällen, außerdem Bedrohung und Nötigung: Drei Verhandlungstage sind vor dem Amtsgericht veranschlagt.

10.11.2017
David Falkner
Egal ob Englisch, Französisch oder eine andere Sprache: Oft scheint es so, als ob man sich beim Erlernen einer Fremdsprache ausgerechnet die Schimpfwörter besonders gut merken kann. Aber auch deutsche Muttersprachler mit ordentlichem Wortschatz hätten am Mittwoch im Saal 1 des Wittlicher Amtsgerichts vielleicht noch den einen oder anderen unbekannten schmutzigen Ausruf kennen gelernt.

Dort wurde der Prozess gegen einen 42-jährigen Wittlicher eröffnet, unter anderem wegen Beleidigung 23 Fällen, teilweise verbunden mit Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Auch der Vorwurf der Nötigung und gefährlichen Körperverletzung steht im Raum.

Bei so einer Menge verschiedener Einzelfälle sind zahlreiche Zeugen und Beweisgegenstände involviert - in Wittlich wurde unter anderem ein aufgezeichnetes Telefonat zwischen dem Angeklagten und der Polizeidienststelle in Wittlich abgespielt und ein Screenshot von einem beleidigenden Beitrag des Angeklagten im Internetnetzwerk Facebook gezeigt. Zwei weitere Verhandlungstage sind jetzt schon fest terminiert, alleine am Mittwoch sagten acht Zeugen im Gerichtssaal aus. Aber der Reihe nach:

Die Anklage: Beleidigungen, Beleidigungen, Beleidigungen - immer und immer wieder, mit Gesten, vor allem gegen Polizisten: Das ist der Kern der Sache, die dem Angeklagten vorgeworfen wird.

Die einzelnen Fälle hier alle aufzuzählen, würde wohl den Rahmen der Zeitungsseite sprengen. Konkret behandelt wurden am ersten Tag vor allem ein Vorfall in Graach vom Oktober 2015 und mehrere Telefonate und Zusammenstöße zwischen Angeklagtem und Polizisten der Inspektion in Wittlich im Sommer 2016.

In Graach soll der Wittlicher als Helfer während der Weinlese von einem Traktor aus einen jungen Mann beleidigt und bespuckt haben, der die Straße mit seinem Auto zugeparkt und den Weg wohl nicht schnell genug geräumt hatte.
Die Beleidigungen gegenüber der Polizei ziehen sich laut der Aussagen mehrerer Beamter, die vor Gericht Stellung nahmen, über zahlreiche Telefonate hin. Ein Polizist gab zudem an, dem Mann im Supermarkt begegnet zu sein und dort von ihm grundlos beleidigt und angegangen worden zu sein.

Der Angeklagte: Im Gerichtssaal blieb der Angeklagte größtenteils stumm, nur zu Beginn machte er Angaben zu seiner Person und sprach über seinen Alkoholkonsum. Etwa zehn Liter alkoholische Getränke trinke er am Tag, größtenteils Bier, und das bereits seit Jahren. Einmal sei er wegen Haschischkonsums in Therapie gewesen, seither sei er zumindest von dieser Droge befreit. Eine Langzeittherapie wegen Alkohol sei beantragt. Eine Arbeit habe er nicht, von seinen 400 Euro Sozialhilfe im Monat gibt er etwa 150 Euro für Bier aus - das zumindest errechnete Richter Stefan Ehses aufgrund der Angaben des 42-Jährigen.

Sein Pflichtverteidiger, Markus Beisicht aus Leverkusen, stellte die Verhandlungsfähigkeit des Mannes infrage: "Er konnte mir im Gespräch kaum folgen, er klagte ständig über Durst, berichtete von Konzentrationsproblemen. Ich glaube nicht, dass er einer mehrstündigen Verhandlung folgen kann." Richter Ehses kam ihm soweit entgegen, dass er mehrere großzügige Pausen während des Verhandlungstags anberaumte.

Die Zeugen: Drei der Zeugen am Donnerstag hatten mit dem Vorfall in Graach zu tun - hier handelte es sich um den jungen Autofahrer, seine Schwester, die mit ihm unterwegs war, und den Winzer, in dessen Diensten der Angeklagte zu jenem Zeitpunkt stand. Vier Polizeibeamten berichteten von ihren diversen Zusammenstößen mit dem Angeklagten, der die Dienststelle zeitweise mit Telefonaten regelrecht bombardiert haben soll - von bis zu 20 Anrufen pro Tag war vor Gericht die Rede. Irgendwann sei man dann einfach nicht mehr ans Telefon gegangen und habe nur noch die Handynummer des Angeklagten vom Telefondisplay abfotografiert, "um ihn vor weiteren Straftaten und uns vor Beleidigungen zu schützen", wie ein Beamter es vor Gericht beschrieb. Den Wittlicher beschrieben die Polizisten als "gezielt aggressiv auf die Polizei", als "unberechenbar" und "wahnhaft".

"Ging es heute mit der Belastung?", fragte Richter Ehses den 42-Jährigen nach der Befragung des letzten Zeugen. Ein zustimmender Blick von der Anklagebank. "Jetzt haben Sie ja eine Woche Zeit, sich zu erholen," sagte Ehses abschließend.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 16. November, fortgesetzt. Das Urteil soll am Donnerstag, 23. November, fallen.