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aus unserem Archiv vom 22. April 2012
Autor: Sebastian Gubernator Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Wittlich Drucken  E-Mail

Im Einsatz für bedürftige Menschen

Wittlich ist der Mittelpunkt im Leben von Brigitte Hagedorn. Seit mehr als 30 Jahren wohnt sie in der Stadt. 2007 folgte sie einem Zeitungsaufruf zur Teilnahme am Aufbau der Wittlicher Tafel. Seither arbeitet sie dort ehrenamtlich mit.

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Wittlich. Brigitte Hagedorn hat eine soziale Ader. Statt Rosamunde Pilcher sieht sich die 68-Jährige lieber politische und sozialkritische Sendungen im Fernsehen an. An Gerichten in Trier und Koblenz ist sie schon seit Jahren als Schöffin tätig. Dass in Deutschland täglich gute Lebensmittel weggeworfen werden, ist für sie ein Skandal.
Seit mehr als 30 Jahren wohnt Brigitte Hagedorn in Wittlich. Nicht allen Menschen in dieser Stadt geht es gut, das weiß sie. Brigitte Hagedorn ist eine von rund 100 Ehrenamtlichen, die bei der Wittlicher Tafel arbeiten und jede Woche dazu beitragen, Wittlich ein Stückchen besser zu machen.

Respekt vor dem anderen


Ende 2007 wurde die Wittlicher Tafel ins Leben gerufen. Seitdem verteilt sie Backwaren, Pizzen, Obst und andere Lebensmittel an bedürftige Menschen aus dem ganzen Landkreis. Einen Euro bezahlt eine einzelne Person für diese Lebensmittel, zwei Euro kosten sie für eine Familie. Es sind symbolische Preise, der tatsächliche Wert der Waren ist deutlich höher. "Kunde sein zu dürfen", erklärt Brigitte Hagedorn, "ist psychologisch eine hochwertigere Sache als Almosen anzunehmen."
Viele Menschen kostet der Weg zur Tafel Überwindung. "Ich habe schon Leute erlebt, die geweint haben, als sie zum ersten Mal hier waren. Ich versuche dann, mit Humor eine Brücke zu bauen und helfe, die Schwellenangst zu überwinden." Die Frau hat ein Gespür für die Kunden der Tafel, und respektiert sie: "Ich habe vor den Lebenswegen unserer Kunden großen Respekt. Viele von ihnen sind nicht freiwillig in der Situation, in der sie sich befinden."
Brigitte Hagedorn spricht deutlich und drückt sich gewählt aus.
Sie ist eine sehr akkurate Frau, legt Wert auf Ordnung - vielleicht ein Überbleibsel ihrer preußischen Wurzeln. Geboren wurde sie während des Zweiten Weltkriegs im heutigen Polen. Ihre Eltern wurden von dort vertrieben und zogen nach Hannover.
1981 kam sie nach Wittlich, zusammen mit ihrem Mann Helmut Hagedorn und der kleinen Tochter, die 1983 eine Schwester bekam. Kurz nach dem Umzug wurde Helmut Hagedorn Bürgermeister von Wittlich, um die Jahrtausendwende trennte sich das Ehepaar. "Wir sind sehr ordentlich auseinandergegangen", sagt Brigitte Hagedorn. Kein Rosenkrieg. Brigitte Hagedorn ist ein stolzer Mensch, wenn sie ihre Emotionen nicht zeigen will, dann tut sie es auch nicht.
Nach der Trennung fragten sie viele, ob sie nach Hannover zurückgehen werde. Sie ging nicht. Wittlich war ihr zu sehr ans Herz gewachsen.
"Wittlich ist mein Lebensmittelpunkt", sagt sie. "Die Stadt hat ein Eigenleben, sie hat ihren Bürgern kulturell und wirtschaftlich viel zu bieten. Ich fühle mich hier sozial gut eingebunden."
Zwar findet sie auch Großstädte wie Hamburg und Berlin faszinierend - aber das sei oberflächlich, nur ein Momenteindruck. Nein, Brigitte Hagedorn ist und bleibt fest mit Wittlich verbunden.
Extra
Brigitte Hagedorn Alter: 68 Jahre Beruf: Fremdsprachenkorrespondentin Hobbys: Kultur, Theater, lesen Lieblingsort in Wittlich: Oberer Weinberg Wittlich ist für mich: mein Zuhause gub




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