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In Salmtal kann’s bald rund gehen

(Salmtal) Der Gemeinderat wünscht sich seit 17 Jahren einen Kreisel an einer viel befahrenen Kreuzung. Da das Land dafür aber nicht zahlen will, gehen die Räte jetzt ungewöhnliche Wege - auch, weil die Zeit drängt.

14.09.2017
Petra Willems
Salmtal Die Landesstraße 141 durch Salmtal ist eine viel befahrene Strecke: Sie dient als Ausweichroute zur parallel verlaufenden A 1. Und neben großen Lebensmittelmärkten liegen auch der Bahnhof und die Abzweigung zum Ortsteil Dörbach an der Landesstraße. Und genau dort, an der Kreuzung von der L 141 mit der Kreisstraße 46 und der Straße zum Gewerbegebiet, wünscht sich die Gemeinde einen Kreisel. Und das seit 17 Jahren.
Jetzt, wo die L 141 umfangreich saniert wird, sah die Gemeinde ihre Chance gekommen und bat beim Land, das ohnehin die Straße an dieser Stelle saniert, erneut um den Kreiselbau beziehungsweise einen Zuschuss dafür - vergebens.
"Dem Gemeinderat erscheint die jetzige Ablehnung des Landes völlig unverständlich", sagte Ortsbürgermeister Anton Duckart zu Beginn der Gemeinderatssitzung, die am Ort des Geschehens, dem möglichen Standort des neuen Kreisels, begann. Und, so Duckart weiter: "Und das, nachdem seit nahezu zwei Jahren der Landesbetrieb Mobilität die Gemeinde auf deren Kosten planen ließ und selbst enorme Energie eingebracht hat." Im Vorfeld der Sitzung hatte sich der Rat in Person von Duckart persönlich mit dem Anliegen an Ministerpräsidentin Malu Dreyer gewandt, aber nach eigener Auskunft keine Antwort bekommen. "Ich hätte von der Ministerpräsidentin zumindest mal ein Antwortschreiben erwartet, der Kreisel ist hier Thema Nummer eins", sagte Duckart in der Sitzung. Eine Antwort hatte hingegen Dennis Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, bekommen. Er hatte Ende Juni an Staatssekretär Andy Beicht geschrieben mit der Bitte, den Kreiselbau zu realisieren (die Schreiben liegen dem TV vor). Die Antwort, die rund zwei Monate später eintraf, war negativ. Denn, so die Begründung der Absage: "Seitens des Landes wird keine verkehrstechnische Erforderlichkeit für die Umgestaltung der Kreuzung gesehen."
Da die Firma, die mit dem Ausbau der L 141 beauftragt ist und folglich auch den Kreisel bauen soll, dieser Tage mit der Straßensanierung in dem betroffenen Abschnitt beginnt, musste der Gemeinderat jetzt eine Entscheidung fällen: Soll das Bauwerk ohne finanzielle Beteiligung des Landes und damit mit höheren Mitteln der Gemeinde realisiert werden, oder wird die Straße saniert, ohne dass ein Kreisel gebaut wird? "Wir haben alle gekämpft für den Kreisel. Die Brücke wird in Kürze fertiggestellt, die beauftragte Firma muss jetzt anfangen", appellierte Ortsbürgermeister Duckart an den Rat für eine schnelle Entscheidung pro Kreisel.
Doch die Meinung im Gremium war gespalten. Zu hoch seien die jetzt anfallenden Kosten von knapp 330 000 Euro für die Gemeinde (siehe Extra), zu sehr belasteten deren Folgen den finanziellen Handlungsspielraum des Orts. Zudem sei die Stimmung innerhalb der Gemeinde gespalten, nicht alle Bürger wollten das Bauwerk jetzt noch wegen der hohen Kostern, gaben einige Ratsmitglieder zu bedenken. Deshalb stellte die Freie Wählergemeinschaft Hower-Salmtal einen Antrag auf einen kurzfristigen Bürgerentscheid am Tag der Bundestagswahl Ende September. Diesen lehnte der Rat jedoch ab. Anders als die Mehrkosten für den neuen Kreisel: Bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung stimmte das Gremium für den Bau.
Duckart: "Ich bin von der Sache schlichtweg überzeugt", sagt der ehemalige Wehrführer, der in dieser Zeit nach eigener Aussage viele schlimme Unfälle erlebt hat und den Kreisel als wichtigen Faktor für die Sicherheit der Bürger sieht. In rund zwei Wochen kann es losgehen mit dem Bau.
Kommentar
Meinung
Unverständlich!

Die Landesstraße 141 ist neben der Autobahn die meistbefahrene Strecke zwischen Wittlich und Trier. Und der Verkehr, der dort täglich durchrollt, wird nicht weniger. Im Gegenteil: Salmtal und die umliegenden Dörfer wachsen, in Wittlich entstehen immer mehr Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten von überregionaler Bedeutung. Dass die Gemeinde seit knapp 20 Jahren für den Bau eines Kreisels an der viel befahrenen Straße kämpft, ist deshalb verständlich. Dass das Land aber dort keinen bauen will, ist nur äußerst schwer nachvollziehbar. Denn es wurden wahrscheinlich schon Kreisel gebaut, die weniger notwendig waren. p.willems@volksfreund.de
Extra: DIE KOSTEN FÜR DEN KREISEL

Nachdem das Unternehmen, das den Kreisel baut, noch einmal das Angebot von 578 000 auf pauschal 540 000 Euro reduziert hat, teilen sich die Kosten wie folgt auf: 124 000 zahlt das Land - diese Summe wäre ohnehin für die Sanierung der L 141 an dieser Stelle angefallen. Zudem kommen noch 20 000 Euro von rheinland-pfälzischer Seite hinzu, weil die Gemeinde den Kreisel selbst gestaltet. 20 000 Euro sind Spenden von Unternehmen und Privatpersonen, 34 000 Euro hat der Kreis bereits als Zuschuss bewilligt, weitere 16 000 Euro sind angefragt. Den Rest, 326 000 Euro, zahlt die Gemeinde.