region/wittlich
29.09.2011
Ursula Quickert

Katzen verschwinden auf mysteriöse Weise

(Hontheim/Altrich) Die Hontheimer Altenheimkatze ist spurlos verschwunden. Ebenso wie vier weitere Katzen aus dem Ort, die seit dem gleichen Tag vermisst werden. Der Leiter des Eifeltierheims berichtet von sich häufenden Fällen in den vergangenen Wochen.

Hontheim/Altrich. Der Verdacht klingt wie die Geschichte aus einem Krimi: Männer fahren mit Lieferwagen in der Gegend umher, setzen Lockstoffe ein, um Katzen einzufangen, und bringen sie in Versuchslabore. Aber genau das befürchten Tierschützer im Kreis Bernkastel-Wittlich. Wie der Volksfreund nun erfuhr, sind am 16. September innerhalb eines Abends fünf Katzen spurlos verschwunden.
Ein Einwohner berichtet von einem auffälligen Fahrzeug mit dem Ortskennzeichen LD (Landau), das an diesem Tag gegen 18 Uhr in der Schulstraße geparkt habe. Als er nachfragen wollte, ob der Mann etwas suche, habe sich dieser erschrocken, habe gleich den Rückwärtsgang eingelegt und sei davongefahren. Der Mann habe schulterlanges Haar gehabt und eine Baseball-Kappe getragen.
Im Ort geht daher das Gerücht um, dass Katzenfänger ihr Unwesen in der Eifel treiben.
Eine Katzenbesitzerin, die ihr Tier seit diesem Tag vermisst, ist Elena Thiel. Genauer gesagt ist die Katze dem Seniorenheim vor einiger Zeit zugelaufen und hat seitdem dort viele Freunde gefunden. "Die alten Leute haben sehr daran gehangen", berichtet Bürgermeisterin Ilona Lauxen.
Thiel berichtet von einem weiteren Fall: "Ein Besitzer sagte uns, dass seine Katze immer abends vor Einbruch der Dämmerung von alleine nach Hause kam, an diesem Tag kam sie auch, aber sie wäre sehr nervös gewesen, und er hätte das Gefühl gehabt als wäre irgendetwas draußen, wo sie unbedingt wieder hinwollte."

Nervös durch Lockstoffe


Der Mann habe sie also hinausgelassen - und seitdem nicht wiedergesehen. Auch wilde Katzen, die von Hontheimern gefüttert worden waren, seien weg. "Wir vermuten, dass all diese Katzen in die Hände von Katzenfängern geraten sind." Lockstoffe hätten die Tiere nervös gemacht.
Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei Wittlich in diesem möglichen Fall des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die Kripo berichtet von einigen Katzen, die in Ormont (Verbandsgemeinde Obere Kyll) verschwunden sind, sieht aber keinen Zusammenhang. "Das ist immer wieder Thema, aber man ist noch nie jemandem auf die Schliche gekommen", heißt es aus der Polizeiinspektion Wittlich.
"In letzter Zeit sind sehr viele Katzen verschwunden, in den vergangenen drei, vier Wochen dreimal so viele wie sonst, aber nie so viele an einem Tag", sagt Rainer Kordel, Leiter des Eifeltierheims.
Er kann sich nur vorstellen, dass die Tiere zu Versuchszwecken benötigt werden. "Katzenfelle bekommt man für zehn Cent das Stück aus China, das würde sich nicht lohnen. Außerdem hatten die Tiere buntes Fell." Bürgermeisterin Lauxen sagt: "So viele Tiere werden weder auf einmal überfahren noch Opfer eines Wildtiers."
Kordel berichtet von ähnlichen Fällen, die sich 2000 in der Region ereignet haben. "Damals waren in Gladbach plötzlich zig Katzen weg." Anke Zimmer, Vorsitzende des Tierheim-Fördervereins aus Gladbach, weiß von 16 Katzen, die an einem Hof in Arenrath damals verschwunden sind. Doch es gab nie einen Beweis, dass Katzenfänger am Werk waren.
"Wir wollen die Leute warnen", sagt Zimmer. "Sie sollen aufmerksam sein und uns ein ganzes Autokennzeichen nennen, wenn sie etwas Auffälliges sehen."
Wer Beobachtungen gemacht hat oder sein Tier vermisst, kann sich an das Eifeltierheim in Altrich oder an dessen Förderverein wenden.

Empfehlungen

Kommentare