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Kloster nimmt Flüchtlinge auf: Abtei Himmerod stellt Räume für zwei Familien zur Verfügung und plant Sprachkurse

Abtei Himmerod stellt Räume für zwei Familien zur Verfügung und plant Sprachkurse

(Großlittgen) Flüchtlinge ziehen bald in Wohnungen am Kloster Himmerod ein. Abt Johannes bestätigt, dass Räume angeboten werden, in die zwei Familien ziehen wollen. Er weiß aber, dass es mit dem Wohnen alleine nicht getan ist. Dossier zum Thema: Flüchtlinge

30.08.2015
Florian Schlecht
Großlittgen. Die Bilder aus Trier haben Johannes Müller erschüttert. "Flüchtlinge, die auf der Straße schlafen müssen, weil es für sie kein Dach über dem Kopf gibt? Das kann so nicht gehen", sagt Müller, dem bei der Lektüre der Zeitung vor einigen Tagen die Laune vergangen ist. Im Kloster Himmerod ist er als Abt Johannes bekannt. Er überlegte, wie er Menschen helfen kann, die Hilfe suchen.

Wohnen und Literaturkurse


Nun bahnt sich ein erster Schritt an. Das Kloster Himmerod will bald Flüchtlinge aufnehmen, damit sie auf der Anlage wohnen und sich ein neues Leben aufbauen können. Die Abtei stellt zwei Räume zur Verfügung, die 42 und 56 Quadratmeter groß sind und bislang als Gästezimmer für Jugendliche zur Verfügung standen. Die Gerüchteküche brodelteschon, wie viele Flüchtlinge einziehen. Erst war von 17 die Rede, doch der Abt sagt nun: "Wir haben zunächst einmal an zwei Familien gedacht. Sie haben dann einen eigenen Wohnbereich mit Bad und Küche."
Vertreter des Kreises sowie der Verbandsgemeinden Wittlich-Stadt und Wittlich-Land haben sich die Räume schon einmal angesehen.
Über das Konzept und die Kosten kann Rainer Stöckicht, Büroleiter der Stadtverwaltung Wittlich, noch wenig sagen. "Wir befinden uns in der Bestandsaufnahme." 106 Flüchtlinge leben derzeit in der Stadt, 116 sind Wittlich zugewiesen. Stöckicht betont: "Im Moment sind Flüchtlinge nicht ausreichend mit Wohnraum versorgt. Die Lage ist bislang bei uns nicht problematisch. Aber wir können nicht absehen, wie die Zahlen in Zukunft aussehen. Von daher sind wir froh über jeden adäquaten Wohnraum."
Das Vorpreschen aus dem Kloster habe ihn deshalb begeistert. Schon in den nächsten Wochen, so hofft Abt Johannes, könnten Flüchtlinge in die Klosteranlage ziehen. Doch mit dem Wohnen alleine ist es nicht getan. Das gibt er zu. "Wir leben hier ja schon in der Pampa", gibt er zu. Eine gute Anbindung nach Wittlich sei unverzichtbar. Ob für Sprachkurse oder bei therapeutischer Hilfe. "Der Busverkehr ist nicht gut. Da müsste in konkreten Fällen geguckt werden, ob man einen Fahrdienst einrichtet", meint er. Bei der Sprache gebe es auch Überlegungen von Geistlichen, Kurse anzubieten, so Johannes Müller.
Die Idee kam schon mit den Literaturwerkstätten, die Schriftstellerin Mirijam Günter in den Kloster-Anlagen für Flüchtlinge anbietet. Die Autorin arbeitete zuletzt mit Männern aus Syrien, Eritrea, Guinea und dem Irak. Sie half ihnen so, noch besser Deutsch zu lernen (der TV berichtete am 22. August). Abt Johannes schwärmt: "Ich habe dabei Menschen kennengelernt, die ein Segen für Deutschland sind." Rainer Stöckicht von der Wittlicher Stadtverwaltung zeigt sich zuversichtlich, dass nach dem ersten Schritt mit dem Wohnen auch die weiteren Hürden genommen werden: "Es gibt eine logistische Herausforderung, auf die wir konzeptionell antworten werden."
Meinung
Und jetzt: Weiterdenken!

Das Kloster Himmerod setzt ein starkes Zeichen. In Tagen, in denen in Deutschland auch offen gelebter Hass zu spüren ist und Anschläge auf Flüchtlingsheime zu sehen sind, darf auf der anderen Seite die große Hilfsbereitschaft nicht vergessen werden. Denn noch viel mehr Menschen setzen sich für Flüchtlinge ein, die aus Kriegsgebieten geflohen sind und ihre Familien zurückgelassen haben. Sie helfen ihnen bei der Sprache, fahren sie zum Arzt - oder stellen Wohnraum zur Verfügung. Dies ist nun auch der Ansatz der Geistlichen von Himmerod. Doch das reicht natürlich noch nicht. Die Menschen, die im Kloster unterkommen, brauchen weiter eine starke Betreuung: Sprachlich, um sich schnell zu integrieren. Beruflich, um sich ein neues Leben aufbauen zu können. Und vielleicht sogar therapeutisch, um schlimme Erlebnisse verarbeiten zu können. Es ist die Aufgabe aller Beteiligten, eine gute Idee weiterzudenken, damit daraus eine sehr gute Idee wird. f.schlecht@volksfreund.de
Extra
726 Flüchtlinge leben derzeit im Kreis Bernkastel-Wittlich. Das sagt Monika Scheid von der Kreisverwaltung. Immer wieder komme es vor, dass Privatpersonen Wohnraum anbieten. "Aber das ein Kloster dabei ist, das ist schon besonders", sagt sie. flor

 

 

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