region/wittlich

Kripo fasst Freigänger auf Abwegen: Wittlicher Gefängnisinsasse nutzt offenen Vollzug für verlängertes Wochenende

(Wittlich) Polizeieinsatz mitten in Wittlichs Innenstadt am Montag, 11. Januar, später Nachmittag: Die Kriminalpolizei kann nach Zeugenhinweisen einen Freigänger aus der Wittlicher Justizvollzugsanstalt, der seit Freitag gesucht wurde, dingfest machen.

12.01.2016
Wenn die Polizei einen Einsatz mitten in der Kleinstadt Wittlich hat, spricht sich das schnell herum. Zumal, wenn dabei Zivilbeamte auch in Geschäften Stellung beziehen. So war das am Montagnachmittag im Bereich Karrstraße, Obere Kordel.

An Pforte Flucht ergriffen


Zudem sind später die Einsatzwagen aufgefallen. Hintergrund der Aktion: Die Kriminalpolizei war auf der Suche nach einem Gefängnisinsassen, der im offenen Vollzug ist und seinen Freigang am Freitag eigenmächtig ausgeweitet hat. Jörn Patzak, Leiter der Justizvollzugsanstalt, kurz JVA, sagt: "Wegen diverser Weisungsverstöße sollte der Gefangene am 8. Januar in den geschlossenen Vollzug zurückverlegt werden. Bei der Meldung nach Rückkehr an der Außenpforte hat er dies offenbar geahnt und sofort die Flucht ergriffen."

Mehr als ein langes Wochenende außerhalb der Gefängnismauern wurde es nicht. Da der Mann bekannt ist und es einen Hinweis gab, er halte sich noch in Wittlich auf, wurde die Kripo schnell fündig. Peter Hundeck, Kriminalinspektion Wittlich, sagt auf TV-Nachfrage: "Die Flucht wurde durch die JVA direkt bei der Polizei gemeldet, und er wurde zur Fahndung ausgeschrieben." Ein Unbekannter ist der 28-Jährige, der aus dem Raum Wittlich stammt, nicht. Peter Hundeck: "Er hat nicht nur hier im Raum gewohnt. Ich meine, von der Kripo wurde damals auch ein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen ihn betrieben."

So kam er hinter Gitter. Dahin wollte er offensichtlich nicht unbedingt zurück. Bei seiner Festnahme im Bereich Karrstraße/Obere Kordel hat er sich laut Polizeisprecher derart körperlich gewehrt, dass ein Beamter oberflächliche Verletzungen und sein Kollege einen Sehnenabriss erlitten hat.

Zur Festnahme seien fünf Zivilbeamte im Einsatz gewesen. Damit sie nicht auffallen, hätten sie zum Teil auch Schutz in Geschäften gesucht. Nach dem erfolgreichen Zugriff kamen dann die offiziellen Dienstfahrzeuge hinzu, in denen der Mann dann abtransportiert wurde, was dann ebenfalls für Aufsehen in der Straße gesorgt hat. Der Festgenommene wurde in den geschlossenen Vollzug verlegt und ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Laut Kriminalpolizei komme es "immer mal wieder vor", dass Freigänger nicht in die Wittlicher JVA zurückkehrten. Meist blieben sie dann aber nicht in Wittlich, sondern es zöge sie in die Region zurück, zu der sie einen Bezug hätten. Im aktuellen Fall war das anders, weil der Gesuchte hier zu Hause ist. Wie oft kommt so etwas überhaupt vor? JVA-Leiter Jörn Patzak: "In diesem Jahr war es der erste Freigänger, der nicht zurückgekehrt ist, im Jahr 2015 gab es keinen einzigen Fall."

Noch ist keiner entkommen


Und ist schon mal ein Freigänger nicht mehr aufgetaucht? Patzak: "Es gibt hier keinen solchen Fall." Generell gebe es in Wittlich im offenen Vollzug eine Belegungsfähigkeit von 62 Gefangenen. Davon waren (Stand Dienstag) 52 im offenen Vollzug bei insgesamt aktuell 522 Gefangenen.

Auf die Frage, was genau ein Freigänger außerhalb der Justizvollzugsanstalt darf und was nicht, sagt der JVA-Leiter: "Freigänger werden außerhalb der Anstalt in anstaltseigenen Betrieben oder Fremdfirmen beschäftigt. Nach der Arbeit müssen sie unverzüglich in den offenen Vollzug zurückkehren. Neben einem wöchentlichen Ausgangskontingent erhalten sie monatlich einen individuell gestaffelten Wochenendlangzeitausgang." sos

 

Empfehlungen

Kommentare