135 Bewerber hat es für den 50 000 Euro-Kunst-am-Bau-Auftrag für die Wittlicher Großsporthalle am Cusanus-Gymnasium gegeben. Fünf Entwürfe kamen in die engere Wahl. Eine Arbeit des Bildhauers Egidius Knops aus Potsdam mit dem Titel "Boogie Woogie" hat den Kulturausschuss überzeugt.
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So sieht der Entwurf der auf acht Meter Breite und sechs Meter Höhe angelegten Skulptur als Miniatur aus. Die runde Scheibe im Vordergrund und die Metallröhrchen daneben sind Materialproben. Foto: Stadtverwaltung
Wittlich. Zwei entlaubten Bäumen gleich, deren Kronen wie ein lichtes Netz bunte Formen aus dem Wind gefischt haben - so werden ab Januar 2013 zwei fünf Meter hohe Chromnickelstahlsäulen vor der neuen Großsporthalle aufragen. Sie bilden ein symbolisches Tor, über dessen Durchgang das bunte, verschlungene Spiel geometrischer Glasflächen und metallischer Linien über acht Meter je nach Perspektive stets neue Muster bildet. "Boogie Woogie" hat Bildhauer Egidius Knops seine Arbeit getauft.
Hommage an Piet Mondrian
Boogie Woogie? "Das trifft die Situation, die Quirligkeit: Ein Raum, wo viel Bewegung sein wird, Sport und Spaß", sagt der Künstler. Außerdem sei der Titel eine Hommage an Piet Mondrian (1872-1944, niederländischer Maler, bekannt für geometrische Kompositionen, Mitbegründer der abstrakten Malerei), der einst auch eine Arbeit "Boogie-Woogie" getauft hat. "Ich bin ja Holländer, und in den 60ern wurde an der Kunstakademie ja die De-Stijl-Bewegung großgeschrieben. Da liegen meine Anfänge, und durch mein Oeuvre ziehen sich ja auch beispielsweise die Primärfarben Rot, Gelb, Blau."
Die sollen künftig vor der Großsporthalle leuchten, als "erfundene Formen, die eine ganze Menge zulassen an Deutung. Der Betrachter soll frei sein", sagt Knops, der mit seiner Arbeit auch die Eingangssituation akzentuieren und Orientierung geben will. Denn "Boogie Woogie" wird in der Flucht des Zugangs zur Halle auf dem Außengelände an der Freitreppe stehen. Dabei wird die Sprache der Architektur aufgenommen: "Die beiden Säulen sind genauso hoch wie die Säulen des Baus, und die Gesamthöhe entspricht der der Halle. Die Maße des Gebäudes sind wichtig. Ich bin mit dem Architekten rundgegangen und finde die Halle sehr spannend, weil sie eine ganz transparente Geschichte ist. Toll, dass so viel Glas eingesetzt wird."
Apropos Glas, das er ja in "Boogie Woogie" für die Farbflächen verwendet. Kennt Egidius Knops Georg Meistermann? "Ja, er ist ein Grund, auch auf die Tradition mit Glas zu setzen. Die kleine Ausstellung in der Stadt habe ich gesehen: ein Glücksfall! Außerdem habe ich Meistermann persönlich gekannt. Ich habe meinen 50. Geburtstag mit ihm gefeiert."
Jetzt ist Egidius Knops 67 Jahre alt und freut sich über den Wittlicher Auftrag über 50 000 Euro. Die Debatte darüber, ob die vorgeschriebene Kunst am Bau sinnvoll ist oder überflüssig (wie in Wittlich ehemals bei der Gestaltung der Gefängnismauer), ist für ihn nicht neu. "Kunst steht sehr schnell am Pranger", sagt er. "Aber was ist das für ein Betrag? Ein Klacks im Vergleich zum Millionenprojekt. Kunst gestaltet das Leben bunter, ohne sie wäre es schnell langweilig und öde. Kunst wird registriert und sich damit auseinandergesetzt. Das ist doch gut!"
Am gestrigen Dienstag war der in Potsdam arbeitende Holländer in Wittlich, hat sich noch mal den Platz für seine Arbeit angeschaut. Und auf der Fahrt im Auto zurück gen Berlin kann er weiter über "Boogie Woogie" nachdenken: "Ich überlege, so etwas wie Punktstrahler einzusetzen, um so mit Licht und Schatten zu arbeiten."
Wer sich für Knops Arbeit interessiert: www.egidiusknops.com, www.eknops.com
Extra
Wenn Stadt, Kreis oder gar der Staat im großen Stil öffentliche Gebäude errichten, gibt es immer auch Geld für Kunst am Bau. Für die Großsporthalle, Kosten rund 8,5 Millionen Euro, sind 50 000 Euro vorgesehen. Es gab 135 Bewerber, die meisten aus Berlin. "Auch regionale Künstler aus Wittlich, Traben-Trarbach, Trier, Konz, Wallscheid oder Auw waren mit von der Partie. Es gab zwei Bewerbungen aus Napa in Kanada und Dublin in Irland. Auch aus Wittlichs Partnerstadt Zossen hat sich ein Künstler beworben", sagt Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Bewerbungsschluss war am 1. März. Vorgaben gab es nicht. Fünf Bewerber kamen in die engere Auswahl. Darüber hat eine Kommission aus Bürgermeister, Beigeordneten, Architekt, Projektleitung, Büroleiter, Kulturamtsleiterin, Gleichstellungsbeauftragten, freie Journalistin entschieden. Vergeben hat den Auftrag der Kulturausschuss. Vertreter der Schulen oder des Kreises waren an der Entscheidung nicht beteiligt. Zur Finanzierung sagt Jacoby: "Die Stadt Wittlich als Bauherrin zahlt die Kosten für Kunst am Bau. Der Betrag fließt in die förderfähigen Gesamtkosten ein." sos
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