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Liss trifft Wilbert - gemeinsam wagen sie einen Blick in 2017

Liss im Hunsrück, Wilbert in Wittlich: Seit Jahren geben sie Woche für Woche im TV ihren Senf ab, sind scharfe Beobachter und Schreiber mit spitzer Feder. Nun haben sich die beiden TV-Kolumnisten erstmals getroffen – in der Mitte. In einer Weinstube in Bernkastel-Kues haben sie bei dem einen oder anderen Gläschen Moselriesling einen nicht ganz ernst gemeinten Blick ins neue Jahr gewagt.

30.12.2016
Wilbert: Mensch Liss! Endlich lernen wir uns mal kennen! Schön ist hier. Der Riesling schmeckt auch lecker. Den müssen wir genießen, solange es noch Moselwein gibt. Jetzt, wo die Chinesen sich hier so breitmachen. Wahrscheinlich wird es nicht mehr lange dauern und Ürzig wird eine chinesische Provinz oder bekommt einen chinesischen Bürgermeister und an den Moselhängen wird nur noch Reiswein angebaut. ?


Liss: Ja, Wilbert, wurde wirklich Zeit. Das mit den Bürgermeistern ist ja im Hunsrück auch so eine Sache: Hackethal und Hüllenkremer heißen sie: Der eine sagt nix und der andere hat nix zu sagen ... Da weiß man gar nicht, was man schlimmer finden soll. Ich würd’ gern mal Mäuschen spielen, wenn die beiden über die Fusion verhandeln. Wetten, dass die beim NSA ganz schön gelangweilt wären …

Wilbert: Wir Wittlicher wählen nächstes Jahr wieder unseren Bürgermeister. Und es gibt schon zwei Kandidaten. Amtsinhaber Joachim Rodenkirch und Stephan Henkel. Da muss sich der alte warm anziehen! Vielleicht hat ihm seine Gattin Theresia schon einen schönen Pelzmantel zu Weihnachten geschenkt ... so einen, wie sein Herausforderer hat. Sag mal, weißt Du eigentlich, wann die Bewerbungsfrist für das Amt des Bundespräsidenten abläuft? Das wär doch dem Herrn Henkel auf den Leib geschneidert... 

Liss: Sogar auf dem Erbeskopf liegt ja gar kein Schnee mehr. Warm anziehen muss man sich im Hunsrück trotzdem. Das hat ja der Morbacher Bürgermeister bewiesen, als er wegen einer Wette mit einer Pelzmütze auf dem Kopf eine Ratssitzung eröffnete. Was macht der erst, wenn ihm der Wind wegen des Mega-Windparks am Ranzenkopf voll ins Gesicht bläst?

Wilbert: Ja, das mit dem Wind ist so ’ne Sache. Jeder will erneuerbare Energien, aber keiner will die Windkraftriesen. Aber da können wir in der Senke auch gar nicht mitreden. Bei uns bläst die Luft ja eher aus den Schornsteinen der Industriegebiete. Die wachsen und wachsen, und unser schönes Städtchen blutet langsam aber sicher aus. Wenn das so weiter geht, müssen wir bald für einen Einkaufsbummel nach Bernkastel fahren. 

Liss: Bei uns wächst nur die Kluft zwischen den Dörfern der VG Thalfang. Die einen wollen an die Mosel, die anderen nach Morbach, die Dritten nach Hermeskeil. Wenn sich das noch lange hinzieht, heißt es irgendwann: Königreich Neunkirchen, Fürstentum Heidenburg oder Büdlicher Reich. Das Kröver Reich hat’s allerdings auch nur 1000 Jahre lang geschafft.

Wilbert: Eines der Lieblingsprojekte unserer Stadtväter und -mütter hei´ßt ja „Stadt am Fluss“. Wittlich soll näher ans Ufer rücken und besser vor dem Hochwasser geschützt werden. Angefangen haben sie schon mit viel Tamtam, wie immer in der Kreisstadt. Ob’s schöner wird, werden wir dann nächstes Jahr sehen.

Liss: Stadt am Fluss – hört sich gut an. Flüsse haben wir geografisch bedingt ja nicht so viele im Hunsrück. Aber, Moment mal! Wo soll denn die Mosel durch Wittlich fließen? Oder meinst Du mit Fluss etwa die Lieser? In dem Fall werden die Bernkastel-Kueser aber ganz schön viel über euch Wittlicher lachen. Ich höre das Gegröhle schon bis auf den Hundsbuckel. 

Wilbert: Ja, ja, die Moselaner. Immer wollen sie alles besser wissen. Dabei hat es eine von uns Säubrennern ja fast bis zur First Lady von Österreich geschafft: Cathy Lugner. Und die kommt im nächsten Jahr vielleicht wieder zurück zu uns. Was sie genau vorhat, hat sie mir bei unserem letzten geheimen Treffen leider nicht verraten. Aber als der Richard gehört hat, dass wir einen trinken waren, soll er ganz schön sauer gewesen sein ... 

Liss: Was heißt zu euch? An der Mosel wird ja nächstes Jahr nach gefühlten hundert Jahren Bauzeit endlich das Schloss Lieser als Luxushotel eröffnet. Und wenn Du mich als Frau fragst: Da würde Frau Lugner besser hinpassen. Als pinke Prinzessin im Schloss und Werbefigur. Die könnte bestimmt viele Promis anlocken, die die Mosel weltweit in die Schlagzeilen bringt. 

Wilbert: Gut, das Schloss ist fast fertig. Das kann man ja vom Hochmoselübergang nicht gerade behaupten. Das wird nächstes Jahr auch nix. Dann muss sich auch Euer Vorzeigekünstler R.O. Schabbach weiter gedulden, wenn er das Ding vor seiner Rente noch kunstvoll beleuchten will. Aber dann hat er um so mehr Zeit, Geld für sein Projekt zu sammeln. Von öffentlicher Seite gibt’s ja keine müde Mark.

Liss: Komm, Beleuchtung haben die in Bernkastel-Kues doch eigentlich genug im Tal. Schließlich wird doch jetzt das alte VG-Gebäude Abend für Abend in die schönsten Farben getaucht. Die denken sicher, dann guckt denen keiner mehr auf die Finger in der Verwaltung. Und dass das komische grüne Gestell Kunst ist, denken sie auch noch. 

Wilbert: Mit der Kunst haben’s die Bernkasteler ja eh nicht so. Ich sag nur Mana Binz! Da haben sie mal ’ne hochkarätige Ausstellung in der Stadt, und dann werden sieben Bilder abgehängt, nur weil da angeblich ein paar unzüchtige Dinge zu sehen sind. Und man munkelt, da hätte es hinter den Kulissen jede Menge Verwerfungen gegeben …

Liss: Apropos: Mir hat ein Vögelchen gezwitschert, dass im neuen Jahr ein alter Graben zugeschüttet werden soll. Der zwischen den Bernkastelern und den Wittlichern. In Anlehnung an ihre Jugendhelden Winnetou und Old Shatterhand wollen die beiden Bürgermeister ihre Blutsbrüderschaft besiegeln - auf neutralem Boden, der Grevenburg in Traben-Trarbach. Falls die bis dahin nicht eingestürzt ist.