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Literatur-Nobelpreisträgerin in Wittlich: Herta Müller erhält den Georg-Meistermann-Preis

(Wittlich) Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Bekommen hat sie die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller. In Wittlich hat die Schriftstellerin den Georg-Meistermann-Preis entgegengenommen. Die Laudatio hielt Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments.

10.03.2016

PDF: Laudatio auf Herta Müller

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„Ich habe gemerkt, dass das Leben gar nicht aufgeschrieben werden will, denn dann sträubt es sich. Man muss erst alles zerstückeln und dann wieder künstlich aufbauen, dass es dem, was passiert ist, nahe kommt“: So hat  die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller in Wittlich ihr Schreiben beschrieben. Für ihre Arbeit und ihre Haltung hat ihr die Stiftung Stadt Wittlich den Georg-Meistermann-Preis verliehen.  Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Dazu, wie sie das Geld verwenden wolle, sagte Herta Müller vor rund 1300 Menschen, die sie beim Festakt im Eventum erleben wollten: „Ja ich möchte den Preis den Leuten zukommen lassen, die heute in unser Land fliehen müssen, damit das Geld für die verwendet werden kann.“  

In ihrer Dankesrede  erinnerte sie an Hitlers Machtübernahme und dass es nach dem 5. März 1933 nach den Reichtagswahlen sehr schnell ging, „dass die Lage für politische Gegner sehr bedrohlich wurde“, dass Juden aus öffentlichen Ämtern vertrieben und die Moderne Kunst ausgelöscht werden sollte. „Künstler kamen in Straflager oder in die Psychiatrie“.   Dabei zog sie Parallelen zu „Putins Rußland und China“. Sie  sagte: „Ich kenne die tägliche Angst, die Drohungen aufgeblasener Staatsnullen und wie die Ohnmacht vor der Macht wächst. Ich kenne auch den Verrat. Mit immer mehr Leuten will man nichts mehr zu tun haben.“  

In einem Gespräch mit ihrem Freund, dem Autor und Leiter des Literaturhauses Berlin, ging die Autorin dann weiter auf ihr Leben und Schreiben in der Diktatur ein. Zuvor hat Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments die Laudatio auf die Preisträgerin gehalten. Er sagte unter anderem: „Herta Müllers Werk mahnt uns die Opfer im Osten Europas nicht zu vergessen. Wie oft wurden sie doch gerade im Westen sträflich übersehen, die Verheerungen und Verwüstungen, die der Erste Weltkrieg hinterließ, die Vernichtungen und Vertreibungen, die der Zweite Weltkrieg mit sich brachte, dessen Ende dem Westen Frieden und Freiheit brachte – dem Osten jedoch nicht. Dort kroch der Totalitarismus tief in die Nischen des Alltags, forderte Millionen Menschenleben. Verhungert, ermordet, zu Tode gequält, verscharrt und verleugnet - das war das Schicksal von Hundertausenden im Osten Europas.
Herta Müller entreißt die Opfer dem Vergessen, dem Verleugnet werden, lässt Ihnen Gerechtigkeit widerfahren und gibt ihnen, so empfinde ich es, damit ihre Würde zurück.“

Vor der Preisübergabe wurde  Herta Müllers Rede anläßlich der Verleihung des Literaturnobelpreises an sie auf zwei Videoleinwänden in Erinnerung gerufen, in der sie an ihre Freunde erinnerte, die für sie lebensnotwendig gewesen waren und daran, dass es „bis heute Diktaturen aller Couleur“ gibt.  

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