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Nach dem Brand in Himmerod: Dunkler Ruß statt himmlischer Klänge

(Großlittgen) Ab Montag wird die Klais-Orgel für die Reinigung nach dem Brand im Kloster Himmerod abgebaut. Bis die Arbeiten im kommenden Jahr abgeschlossen sind, müssen Konzerte und Veranstaltungen verlegt und neu organisiert werden.

13.08.2017
Nora John
Spürbar liegt der beißende Geruch von Ruß in der Luft. Und das in der Klosterkirche Himmerod, denn dort hat es Ende Juli gebrannt (Der TV berichtete). Das Ausmaß des Schadens wird deutlich, wenn man auf Umwegen durch das Kloster an die Orgel herankommt.

Da das Feuer im Bereich der Treppe, die zur Orgel führt, gewütet hat, ist dieser Weg durch die Kirche derzeit gesperrt. An der Treppe fehlt der ganze Absatz. Stark verkohlte Bretter sind zu sehen, und die Wand oberhalb des Brandherdes ist schwarz. Das dort befindliche Glockenspiel ist zerstört. Man sieht den Einschlag der einzelnen Pfeifen in der darunter liegenden Schräge.

Überall liegt ein grau-schwarzer Ruß-Film. Die Decke der Kirche ist trotz ihrer Höhe ebenfalls vom Brand gezeichnet.

An der Orgel selbst ist äußerlich nicht viel zu sehen. Das massive Eichenholz hat schlimmere Schäden verhindert. Doch ohne Blessuren ist das Instrument aus dem Jahr 1962 nicht davongekommen, wie Wolfgang Valerius, selbst Organist und im Kloster Himmerod für die Betreuung der Gäste und die Organisation zuständig, sagt.

Zum einen ist das Hauptstromkabel zur Orgel beschädigt, zum anderen muss die gesamte Anlage gereinigt werden. „Das sind 4100 Pfeifen, die ausgebaut und gewaschen werden müssen“, schildert Valerius den enormen Aufwand. Rund 250 000 Euro soll die Sanierung kosten.

Voraussichtlich werde die Versicherung dafür aufkommen. Am heutigen Montag beginnt die Firma Klais damit, die Pfeifen auszubauen und abzutransportieren. An den Wiedereinbau ist aber vor Frühjahr 2018 nicht zu denken, denn die Firma Klais habe bis März gar keine Kapazitäten frei.

Die Kosten für die weiteren Brandschäden wie an Treppe und Glockenspiel, das fast vollständig zerstört wurde, wird wohl auch von der Versicherung übernommen, hofft Valerius. Für ihn gibt es aber noch eine ganze Reihe weiterer finanziellee und logistischer Probleme, die mit dem Brand zusammenhängen.

Denn alle restlichen Konzerte des Orgelsommers müssen nun verlegt werden. Glücklicherweise steht ihm in Kyllburg, wo er auch als Organist tätig ist, eine Orgel und ein Veranstaltungsraum zur Verfügung. Und auch die Musiker können dort untergebracht und verpflegt werden. Dennoch ist das Umorganisieren mit hohem Aufwand verbunden.

Und auch andere Veranstaltungen, die üblicherweise in der Kirche stattfinden, müssen an andere Orte verlegt werden. Die Zisterziensernacht am 19. August wird in diesem Jahr beispielsweise im Kreuzgang des ansonsten für Besucher verschlossenen Bereichs einen Platz finden. Wie Valerius sagt, werde dann auch der Gospelchor Wittlich ein Benefizkonzert für das Kloster geben.

Aber auch hier ist natürlich der Aufwand höher. Es müssen Stühle geschleppt werden. Außerdem muss geprüft werden, wie viele Menschen dort überhaupt Platz finden. Allerdings werde mit dem Ambiente in den Kreuzgängen auch etwas ganz besonderes für di e Besucher geboten.

Trotz der Schwierigkeiten lässt sich Valerius nicht entmutigen. Er ist glücklich, dass die Orgel den Brand überhaupt so gut überstanden ist und nicht zerstört worden ist. Selbst ein Wiederaufbau hätte Himmerod nicht die gleich Orgel zurückgebracht. Auch, wenn noch nicht sicher ist, wann die Arbeiten an der Orgel endgültig beendet sind, soll der Orgelsommer 2018 wie gewohnt geplant werden.

„Wir müssen einen Punkt setzen“, sagt Valerius und hofft so, einen zügigen Arbeitsverlauf zu unterstützen.


Extra: Klais-Orgel in Himmerod

Gebaut wurde die Orgel im Jahr 1962 von der Orgel-Manufaktur Klais. Die ganze Orgel hat ein Gesamtgewicht von mehr als 15 Tonnen und hat 4100 Pfeifen, die teilweise aus Holz oder aus Metalllegierungen gefertigt wurden. Sie gilt als eine der bedeutendsten Orgeln in Deutschland. 2007 wurde sie grundlegen überholt. In den Monaten Juni bis September werden in zweiwöchigem Rhythmus die Konzerte des Orgelsommers veranstaltet.