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Neues Leben für alte Schätzchen

Zum Auftakt der Fastenzeit: Der TV gibt Tipps zum Entrümpeln - Aktion: Jede Woche wird ein anderer Gegenstand an Leser verschenkt

(Wittlich/Bitburg) Wer heutzutage Dinge ausrangiert und sie nicht einfach wegwerfen will, hat die Qual der Wahl. Nahezu unüberschaubar ist die Vielfalt von Kleiderkreiseln, Kauf- und Tauschbörsen, real wie im Internet. TV-Redakteurin Ilse Rosenschild befasst sich ab heute regelmäßig in ihrer neuen TV-Kolumne "Wert-Sachen" mit vielen Facetten im Zusammenhang mit dem Thema Entrümpeln.

05.03.2014
Ilse Rosenschild
Wittlich/Bitburg. Wer kennt das nicht? Die Kleiderschränke quellen über. Die Regale werden zu klein. Und auch im Keller oder auf dem Dachboden häufen sich immer mehr Dinge an. Rein statistisch soll jeder Deutsche 10 000 Gegenstände besitzen. Doch möglicherweise wird diese Zahl in Zukunft kleiner.
Denn "immer mehr, immer besser, höher, schneller, weiter" ist für viele Menschen ein Auslaufmodell anzustrebender Lebensformen. Davon ist zumindest Bernd Vonnhoff überzeugt, Vorsitzender Berufsverbands Deutscher Soziologen. Er spricht von einem Trend zum Minimalismus und von einem Bedürfnis zum Reduzieren von Eigentum. Sein Kollege Michael Jäckel, Soziologie-Professor in Trier, mag zwar nicht von einem Trend sprechen. Eher von einem wiederkehrenden Phänomen, mit dem der eigene "Mikrokosmos", beziehungsweise die eigenen vier Wände überschaubar gehalten werden soll.

Gebrauchtes ist gefragt


Wissenschaftlich belegbarer Trend hin oder her: Es gibt klare Indizien dafür, dass es ein starkes Bedürfnis zum Reduzieren von Eigentum gibt: die große Zahl von Entrümpelratgebern in Buchform. Aber auch Kauf- und Tauschbörsen, Umsonst-Läden, Kleiderkreisel und Facebook-Gruppen rund um diesen Themenkomplex schießen wie Pilze aus dem Boden.
Dass man fünf Korkenzieher oder drei Eierkocher besitzt, hat unterschiedliche Gründe: dass zwei Haushalte beim Zusammenziehen aufeinandertreffen oder dass es gleich mehrfach geschenkt bekommt. Auch Erbschaften können eine Rolle spielen. Was manche zu viel haben, daran herrscht anderswo Mangel. "Es gibt Familien, da fehlen die notwendigsten Dinge, bis hin zum Kinderwagen", sagt Katja Ludes, Leiterin der katholischen Kindertagesstätte Adolph Kolping in Hermeskeil. Deshalb wird in den Kita-Räumen ein Umsonstladen betrieben.
Gebrauchte Dinge sind gefragt. Das können Einrichtungen wie Alibi Eifelservice in Bitburg bestätigen. Die gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit und Qualifizierung betreibt in Bitburg ein Second-Hand-Kaufhaus. Immer wieder hören die Männer vom Abholservice laut Petra Herweg-Zahnen von Alibi den Satz: "Das ist doch zu schade für den Sperrmüll." Und Sperrmüll wird mehr als genug produziert. Im Kreis Bernkastel-Wittlich waren es im vergangenen Jahr insgesamt 2901 Tonnen, im Eifelkreis Bitburg-Prüm waren es vor drei Jahren 2800 Tonnen.
Wegwerfen ist meistens die schlechteste Lösung. Nur ein Beispiel: Dem Naturschutzbund Deutschland zufolge befinden sich mehr als 110 Millionen alte oder defekte Handys in deutschen Haushalten, Tendenz steigend. Diese Geräte enthalten wertvolle Rohstoffe. Diese sogenannten seltenen Erden können recycelt werden. Das bringt Geld, das der Nabu in Projekte stecken kann. Dass auch Spender sich freuen, wenn Dinge, die sie nicht mehr brauchen, weiterverwendet werden, darauf macht Maria Kremer von Wilma, dem Wittlicher Modell für Arbeitslose, aufmerksam. Übrigens auc h kaputte Dinge bekommen in dem Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt eine Chance. Denn Wilma hat eine Textil- und eine Tischlerwerkstatt.
Und damit kommen wir zur nächsten Strategie gegen das Wegwerfen: das Reparieren. Lohnt sich nicht, heißt es immer wieder. Doch das stimmt häufig nicht. Davon ist Julia Koch, eine gebürtige Monzelfelderin, überzeugt. Sie ist eine der Freiwilligen, die in Trier zum Repair-Café einladen. Die Idee, die dahinter steckt: Besucher bringen defekte Gegenstände von zu Hause mit und treffen auf Fachleute, die ihnen helfen. Das zweite Leben eines Gegenstandes kann aber auch ganz anders aussehen. Längst gibt es Gürtel aus Feuerwehrschläuchen, Sakkos aus Säcken, Schmuck aus Altglas.

Lesen Sie die neue Kolumne auch im Blog unter www.volksfreund.de/wert-sachen

 

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