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Ortsumgehung Wengerohr: Jetzt läuft's fast rund

(Wittlich) Mit der Freigabe des zweitgrößten Verkehrskreisels der Region bei Wengerohr wurde vor fast drei Monaten die Ortsumgehung des Stadtteils fertig. Sie wird angenommen: Der Durchgangsverkehr macht größtenteils einen Bogen um Wengerohr. Kleinere Probleme gibt\'s noch: LKW-Fahrer ignorieren zum Teil die neue Strecke und Geisterfahrer werden im neuen Großkreisel noch ein, zwei Mal die Woche gemeldet.
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Wittlich. Zwölf Millionen Euro hat sie gekostet, nach jahrzehntelangem Warten wurde sie im Dezember 2011 mit der Fertigstellung des Großkreisels, alias Verteilerkreis Platten, freigegeben: Mit der Ortsumgehung Wengerohr soll der Stadtteil vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Immerhin bis zu 16 000 Autos und LKW sind bis dahin durch die Bernkasteler Straße gerollt. Jetzt können die genervten Anwohner aufatmen. Das konnten die Verkehrsplaner kurz nach der Freigabe der neuen Strecke nicht: Der Riesenkreisel mit doppelter Fahrspur verwirrte manchen: Schon am ersten Wochenende wählten 40 Menschen die Notrufnummer der Polizei und meldeten Geisterfahrer. Eine mögliche Ursache: Navigationssysteme, die noch auf die alte Strecke programmiert sind und bei der Einfahrt in den Kreisel Linksabbiegen empfehlen. Auch sonst ist nicht alles eingetreten wie erwartet: So hat bislang der Verkehr nach Wittlich über die Schlossstraße nicht merklich zugenommen. Zahlen zur Nutzung der Ortsumgehung, weiteren Durchfahrt durch Wengerohr oder zu Auswirkungen auf die Einfallstraßen nach Wittlich gibt es aber noch nicht. Der TV hat nachgefragt, ob sich mittlerweile Ortsumgehung und Großkreisel bewährt haben.
Anwohner:
Peter Berens, seit 40 Jahren an der Bernkasteler-Straße zu Hause: "Es ist schon viel, viel ruhiger geworden. Man kommt besser aus der Ausfahrt raus und schläft auch besser. Es gibt aber noch LKW, deren Navi ist noch nicht auf die neue Straße eingestellt. Und PKW aus Daun, Bitburg, Simmern, Cochem und Birkenfeld sehe ich hier noch durchfahren."
Renate Nohn wohnt schon 60 Jahre in der ehemaligen Durchgangsstraße. Sie sagt: "Es hat sich auf jeden Fall verbessert. Vor allem kann ich jetzt im Sommer mal die Fenster auflassen. An LKW-Verkehr ist es noch zu viel. Die Polizei kontrolliert zwar, aber wie das so ist: Dann kommt keiner."
Ortsvorsteher:
Theodor Brock, Ortsvorsteher des Stadtteils, musste die Wengerohrer schon ein paar Mal bis zur Fertigstellung der Ortsumgehung vertrösten. Jetzt sagt er: "Es gibt auf jeden Fall 50 Prozent weniger LKW-Verkehr. Auch PKW fahren noch viele durch. Vielleicht weil es ein bisschen kürzer ist. Dagegen können Sie nichts machen. Das ist ja immer noch eine Bundesstraße. Und es muss noch eine Unterrichtung der Fahrer von Dr. Oetker geben, damit die sich auch umstellen."
Stadtverwaltung:
Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung Wittlich, sagt: "Es gibt immer noch eine nicht bekannte Zahl von LKW, die die Wegweisung zum Industriegebiet Wengerohr am Kreisverkehrsplatz St. Paul nicht beachtet. Die Firma Oetker hat in einem Gespräch mit der Verwaltung zugesagt, ihre Speditionen über die neue Verkehrsführung zu unterrichten und diesen eine von uns erstellte Anfahrtskizze auszuhändigen. Eine zusätzliche Beschilderung ist in Auftrag gegeben. Von den übrigen Verkehrsteilnehmern wird die Ortsumgehung sehr gut angenommen." Und: "Die Verlagerung von Verkehr in die Schlossstraße ist gefühlsmäßig nicht so deutlich ausgefallen wie prognostiziert."
Polizei:
Hans-Jürgen Riemann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Wittlich, sagt: "Für die Schlossstraße in Verlängerung der Ortsumgehung hat sich merklich nichts geändert. In Wengerohr selbst gibt es noch vereinzelt LKW, die durchfahren. Und am neuen Kreisverkehrsplatz wurde die Mittelmarkierung entfernt, außerdem hat der LBM zusätzliche Schilder aufgestellt. Jetzt haben wir noch ein, zwei Geisterfahrer die Woche." Unfälle wegen Falschfahrern im neuen Verteilerkreis gab es bislang zwei: Am 3. Januar fuhr ein ortsunkundiger polnischer Staatsangehöriger von Wittlich kommend falsch herum in den Kreisel und am 3. Februar ebenfalls aus Wittlich kommend ein ortsunkundiger junger Mann. In beiden Fällen gab es nur leichten Sachschaden.
Landesbetrieb Mobilität (LBM):
Der stellvertretende Dienststellenleiter des LBM Trier, Hans-Michael Bartnick, sagt: "Wir haben zusätzliche Schilder zur Lenkung des Schwerverkehrs auf die Umgehung angebracht. Nach unseren Beobachtungen handelt es sich bei dem immer noch stattfindenden LKW-Verkehr nur noch um einzelne Fahrzeuge, die aufgrund ihrer Ortskunde die kürzere Variante nehmen. Genaue Zahlen liegen uns aber hier nicht vor." Und: "Auch ohne konkrete Zählungen kann man feststellen, dass die Ortsumgehung bereits einen erheblichen Verkehrsanteil aufgenommen hat, der letztlich die vorherigen Streckenzüge entlastet." Zu den anfänglichen Problemen mit Falschfahrten sagt er: "Nach unseren Beobachtungen tritt das Phänomen nicht mehr auf. Als Ursache für die Anfangsschwierigkeiten vermuten wir, dass vor allem ortskundige Fahrzeugführer zunächst Probleme damit hatten, die geänderte Streckenführung mental zu verarbeiten und deshalb anfangs ,in der gefühlten Fahrrichtung\' abgebogen sind. Das blinde Vertrauen auf die Navigationsgeräte, welche teilweise im Einmündungsbereich nach links wiesen, verstärkte die Problematik." Und noch ein Detail weiß Hans-Michael Bartnick: "Die Strecke St. Paul-Platten ist über die Ortsumgehung circa 510 Meter länger als die Verbindung durch Wengerohr."


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