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Pleiner Viadukt bringt Arbeit und Fortschritt

Ab 1910 waren die Orte zwischen Wittlich und Daun an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen

(Plein) Eine bewegte Geschichte hat das Pleiner Viadukt bereits hinter sich. 1910 wurde es fertiggestellt, 1945 von der Wehrmacht gesprengt, 1953 wieder aufgebaut. Heute dient das Viadukt den Radfahrern.

20.08.2015
Christina Bents
Plein. "Das Pleiner Viadukt in seiner neuen Gestalt und technischen Durchbildung ist als beste und zweckmäßigste Lösung aus einer Reihe von Entwürfen ausgewählt worden", so wurde 1953 bei der Wiedereröffnung die Brücke gelobt. Verbaut wurden damals 4000 Kubikmeter Beton und Stahlbeton und etwa 1800 Quadratmeter Sandsteinverkleidung. Dazu kamen und 6000 Tonnen Kies und Sand, 800 Tonnen Zement und 50 Tonnen Rundstahl. Rund neun Jahre vorher war das Viadukt von der deutschen Wehrmacht gesprengt worden.
Gesehen hat das damals unter anderem Gregor Koller, ehemaliger Ortsbürgermeister von Plein. Er sagt: "Es gibt ja in Plein zwei Viadukte, und beide sollten gesprengt werden. Mit besonderen Beziehungen zu einem der oberen Generäle, gutem Essen und Trinken hat eine Frau aus dem Ort, auf deren Haus wohl Teile der Brücke gefallen wären, die Sprengung des zweiten Viadukts verhindern können."
An welchem Tag genau die eine Brücke gesprengt worden ist, dazu gibt es verschiedene Daten. Gerhard Koller meint, dass es am Samstag, 10. März 1945, war. Am Tag darauf sind die Amerikaner im Ort einmarschiert.
 

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Gebaut wurde das Viadukt 1910. Mit ihm gab es dann die Bahnlinie von Wittlich nach Daun. Das war für viele Orte in der Eifel ein großer Fortschritt. Gregor Koller: "Es gab auf der Strecke viel Güterverkehr mit Kartoffeln, Kies, Holz und allem, was sonst noch gebraucht worden ist."
Neben Gütern sind auch Personen befördert worden und so konnten viele Menschen deutlich einfacher zum Arbeiten in die Kreisstadt Wittlich gelangen. In der Zeit, als das Viadukt nicht befahrbar war, sind täglich ungefähr 300 Personen auf der Strecke gependelt. Sie mussten dann vor dem Viadukt aussteigen und einen 20-minütigen Fußmarsch auf sich nehmen, um dann auf der anderen Seite des Bergs wieder in einen Zug einzusteigen und weiter zu fahren. Als das 99 Meter lange Bauwerk dann fertig war, wurde es in einem Zeitungsbericht so beschrieben: "Und mitten in diese imposante Naturkulisse wuchsen von der Talsohle die schlanken Pfeiler eines grandiosen Bauwerks, das wie ehedem die Kluft von Berg zu Berg überbrückt und über dessen Scheitel sich der glitzernde Schienenstrang zog."
Nach dem Wiederaufbau wurden keine Güter mehr transportiert, es gab nur noch den Personenverkehr. 1981 fuhr der letzte Schienenbus, und 1984 legte die Deutsche Bahn die Strecke still. Der Grund: zu geringe Fahrgastzahlen. Damals hoffte man noch auf einen Museumsverein, so dass man wenigstens ab und zu die Strecke befahren könnte. Aber das wurde nicht umgesetzt und so wurden 1989 die Bahngleise abgebaut. Heute führt der Maare-Mosel Radweg über das Pleiner Viadukt.
Extra
Auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Daun und Lieser verläuft der Maare-Mosel-Radweg über 58 Kilometer und sechs Etappen, die zwischen fünf und 35 Kilometer lang sind. Start ist in Daun am Bahnhof und Ziel in Bernkastel-Kues am Busbahnhof Forum. Die Strecke ist durchgehend asphaltiert mit einer durchschnittlichen Steigung von 2,5 Prozent. Zu den Highlights der Strecke zählen zwei Viadukte (bei Plein und bei Daun), vier lange Tunnel und original Bahnstrecken-Schilder. chb
Extra
Unter Landmarken versteht man außergewöhnliche Formationen im Gelände, die zum Beispiel Wanderern unterwegs zur Orientierung dienen. In der Serie "Landmarken" werden solche Objekte vorgestellt.

 

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