region/wittlich

Schreiben als Therapie - Rosemarie Schmitt aus Wittlich veröffentlicht im März ihr erstes Buch

- Erscheinungtermin: 1. März

Der Tatsache, dass sie ihren Traum vom Schreiben realisierte, ging ein trauriger Grund voraus: Rosemarie Schmitt bekam vor einigen Jahren die Diagnose Brustkrebs. Das gab ihr den Mut, das zu tun, was sie wirklich gerne macht. Dossier zum Thema: Topthemen

06.02.2015
Lena Mart
Wittlich. Eine Frage, die sich so mancher mal ohne konkreten Anlass stellt: Was würde ich tun, wenn ich nur noch ein paar Jahre zu leben hätte? Vor dieser Frage stand Rosemarie Schmitt schneller, als sie dachte.
Ein Arzt diagnostizierte Brustkrebs. Nach Angaben der Ärzte sollte sie nur noch fünf Jahre zu leben haben. "Jetzt mache ich das, was ich schon immer machen wollte", war ihr erster Gedanke. Sie entschied sich, Cello zu lernen und mit dem Schreiben anzufangen. Letzteres in Form von Kurzgeschichten, Blogs und Kolumnen. Und so wurden aus den fünf Jahren mittlerweile 15, denn die Diagnose bekam sie bereits 1999.
Im Oktober 2011 beschloss sie dann, einen Roman zu schreiben. "Ich mag es, wenn die Dinge durchstrukturiert sind. Und so standen die Kapitelliste, der Plot und der Spannungsbogen fest, bevor ich überhaupt angefangen habe zu schreiben", sagt Rosemarie Schmitt. Dabei plante sie alles bis ins Detail: "Ich wusste auch beispielsweise schon vorher, wie lange der Protagonist zur Arbeit braucht oder wie er wohnt", erklärt sie.
"Die Story ist eine Mischung aus Beobachtetem und Erlebtem. Den Protagonisten habe ich vor mir gesehen: Er hat Lebenserfahrung und mag klassische Musik, damit kenne ich mich auch aus", erklärt Rosemarie Schmitt. Die Handlung selbst spielt in Berlin. Um vor Ort recherchieren zu können, reiste sie in die Hauptstadt. "Mein Bruder wohnt dort. Ich dachte immer, dass es mir in der Großstadt nicht gefällt, aber Berlin ist voller Leben", sagt die Wittlicherin.
Nicht nur die Recherche führte sie nach Berlin, sondern vor allem ihr Hang zur Genauigkeit. "Ich wollte, dass alles in meinem Buch Beschriebene auch so in der Realität existiert, von den Orten bis zu den Abfahrtszeiten der S-Bahn. Ich brauche ein Gerüst aus Wahrheiten. Einen Harry-Potter-Roman zu schreiben, wäre nichts für mich", erklärt Rosemarie Schmitt. Bis auf eine kleine Ausnahme: Die Personen im Buch existieren nicht im realen Leben und sind auch keinen Menschen aus ihrem Umfeld nachempfunden.
"Ich habe die Leute zusammengeklöppelt. Jeder sieht wohl die Person, die mit den eigenen Erfahrungen verknüpft ist. Viele, die das Buch gelesen haben, sagen, es lese sich einfach. Als würde man die Personen kennen", sagt Schmitt.
Ihr Roman behandelt viele Themenfelder: Vertrauen, Lüge, Ehe, Vorurteile, Bespitzelung von Mitarbeitern, Homosexualität und Äußerlichkeiten. "Seit ich krank bin, beobachte ich das Verhalten von Menschen. Dabei stolpert man über Probleme. Die Menschen vergeuden so viel Zeit durch Angiftereien."
Da die gesamte Handlung bereits vor dem Schreiben feststand, war auch das Ende schon geplant. "Das habe ich dann bei meinem Berlinbesuch nochmal etwas abgeändert. Zwar nicht die Handlung an sich, aber die Erzählerperspektive. Und das verändert den gesamten Ausgang der Geschichte", erklärt Schmitt. Nach zweieinhalb Jahren war sie mit "Herr Jonathan …" - so lautet der Titel des Buches - fertig. "Das Schreiben hat wirklich gut getan. Aber ohne die Diagnose hätte ich nie den Mut dazu gehabt", erzählt Schmitt. Mit Aufarbeitung und Von-der-Seele-schreiben habe der Roman aber nichts zu tun. "Ich wollte mir nichts von der Seele schreiben. Außerdem finde ich, dass sich alles, was man aufschreibt, verankert. Und so wäre der Krebs für mich noch verankerter gewesen", erklärt sie.
Über das Schreiben an sich sagt sie: "Ich habe mein Schreiben oft reflektiert und versucht, keine Worthülsen zu benutzen und jedem Satz einen Sinn zu geben." Ihr Buch nun auch zu veröffentlichen, war für Rosemarie Schmitt ein großer Schritt. "Ein Buch zu schreiben ist eine Sache, eins zu veröffentlichen eine andere. Aber ich habe nicht nur für mich geschrieben. Schreiben ist wirklich Arbeit, ich habe großen Respekt vor dem geschriebenen Wort. Deswegen möchte ich meine Arbeit auch honoriert haben und will Rückmeldungen hören", erklärt sie.
Extra
Der Roman "Herr Jonathan…" handelt von dem 69-jährigen pensionierten Bibliothekaren Jonathan, der seine Frau durch einen vermeintlichen Unfall verliert. Doch es stellt sich heraus, dass dieser Unfall gar keiner war. Sie wurde von einem Rollstuhlfahrer vor das Auto gestoßen. Und so will Jonathan Rache nehmen. Das Buch wird am 1. März erscheinen, die Buchvorstellung und Premierenlesung finden am Donnerstag, 12. März, um 19.30 Uhr in der Altstadt Buchhandlung Wittlich statt. lem

 

Empfehlungen

Kommentare