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Tabak und Kaffee in den Knast geschmuggelt: Ex-Häftling erhält Geldstrafe wegen Bestechung

(Wittlich) So werden aus 20 Euro ganze 500: Das Amtsgericht Wittlich hat einen Ex-Häftling verurteilt, der über einen JVA-Beamten zwei Pakete in den Knast geschmuggelt und ihn dafür bezahlt hat. Der 36-Jährige kommt aber günstiger davon als der Beamte.

14.09.2015
Von Florian Schlecht
500 Euro. Wahrscheinlich kosteten ihn zwei Pakete mit Kaffee und Tabak nie im Leben so viel. Doch das ist dem Angeklagten vor dem Wittlicher Amtsgericht in diesem Moment herzlich egal. Der 36-Jährige atmet tief durch, als ihm schon vor der Verhandlung dämmert, dass er mit der Geldstrafe davonkommt. Er zwinkert seiner Freundin zu, die im Saal auf einem Stuhl sitzt. Und sagt leise: „Gleich ist alles vorbei.“ 

20 Euro, so viel wollte sich der Ex-Häftling die Ware ursprünglich kosten lassen, als er im Sommer 2013 noch in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Wittlich saß. Mit einem Beamten vereinbarte er, dass dieser die Pakete über die ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten in Empfang nimmt und an ihn weiterleitet. 

In einem der Päckchen war das Geld für den Boten deponiert. Während der 36-Jährige davon sprach, dass diese nur die Unkosten decken sollten, verklagte ihn die Staatsanwaltschaft Trier auf Bestechung. Der Prozess zog sich nun schon seit vielen Monaten hin. Bereits im Januar saß der Mann auf der Anklagebank. Damals wurde die Verhandlung verschoben, weil das Verfahren gegen den JVA-Beamten noch nicht abgeschlossen war. Dieser wurde zwar bereits im Juni 2014 verurteilt, legte aber Berufung ein und scheiterte damit erst im Frühjahr vor dem Trierer Landgericht. 
Verfahren gegen Beamten

Der Beamte muss eine Strafe von 7500 Euro zahlen. Aber nicht nur wegen des Schmuggels von Tabak und Kaffee. In einem Paket, das er einem anderen Häftling gab, war Haschisch versteckt. Dafür erhielt er als Gegenleistung holländisches Lakritz. Dem Beamten drohen nun noch arbeitsrechtliche Konsequenzen. Derzeit läuft ein Disziplinarverfahren. Otmar Fillmann, stellvertretender JVA-Leiter, sagt im Gespräch mit dem TV: „Eine Entfernung aus dem Dienst steht im Raum.“

Deutlich günstiger kommt da der Ex-Häftling davon. Bei ihm stehen zwar schon diverse Vorstrafen wegen Betrugs, Körperverletzungen und Drogenbesitzes im Register. Dennoch kann er an diesem Morgen mit einem guten Gefühl ein Geständnis abgeben. Denn schon vor Beginn der öffentlichen Verhandlung verständigen sich das Gericht, der Staatsanwalt und die Verteidigung auf eine Geldstrafe. Die Bedingung, so fordert es Richterin Silke Köhler, als sie in den Saal tritt: Der Angeklagte müsse gestehen. Das macht er. Die geladenen Zeugen, darunter auch der verurteilte JVA-Beamte, müssen nicht mehr aussagen. Letztlich entscheidet Köhler auf eine Strafe von 50 Tagessätzen à zehn Euro.

Einigkeit beim Urteil

Ihre Begründung: Die Tat liege lange zurück, der Bestechungsbetrag sei überschaubar. Damit folgt die Richterin dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Und dem des Verteidigers Roman Schweitzer, der darauf verweist, dass der Angeklagte keine verbotene Waren bezogen habe Rechtskräftig ist das Urteil trotz der Einigkeit nicht. Noch besteht die Möglichkeit, Einspruch dagegen einzulegen. 

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