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Verkaufsverhandlungen für Wittlicher Stadthaus beginnen

(Wittlich) Nun kann es ernst werden. Das Wertgutachten als Verhandlungsgrundlage für den Kauf des Stadthauses liegt nun vor. Nach Auskunft der Stadtverwaltung sollen nun Verhandlungen mit der Nikolaus-Koch-Stiftung beginnen, der das Gebäude gehört.
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Wittlich. Es ist wie bei einem Pokerspiel. Auch da lassen sich die jeweiligen Mitspieler nur ungern in die Karten schauen. Deshalb gibt es sowohl von der Stadtverwaltung Wittlich als auch von der Nikolaus-Koch-Stiftung nicht viel mehr als die offizielle Bestätigung, dass ein Wertgutachten für das Wittlicher Stadthaus vorliegt. Dies liege den Stadtratsmitgliedern vor, sagt Jan Mußweiler, Sprecher der Stadtverwaltung Wittlich.

Stiftung baut für Stadt


Heutzutage würde man die Entstehung des Gebäudes in der Schloßstraße vielleicht als Public-Private-Partnership (Öffentlich-Private Partnerschaft) bezeichnen: Ein Privatmann, beziehungsweise in diesem Fall eine Stiftung, baut für eine Kommune und größtenteils nach deren Wünschen ein Verwaltungsgebäude. Das war in den 80er-Jahren und auch dem Umstand geschuldet, dass städtische Pläne, selbst ein Rathaus zu bauen, nicht gelingen wollten. Da traf es sich gut, dass die Trierer Stiftung Mitte der 90er Jahre in der Wittlicher Oberstadt bereit war, für rund zehn Millionen Euro ein solches Verwaltungsgebäude zu bauen, in dem heute, neben der Verwaltung, Dienstleister, die Kriminalinspektion sowie ein Supermarkt (siehe Extra) untergebracht sind.
Der Bau ist inzwischen schon einige Jahre her. Jahre, in denen die Stadt Wittlich jährlich mehr als 300 000 Euro Miete für Büros an die Nikolaus-Koch-Stiftung überwiesen hat. Genau 9,71 Euro pro Quadratmeter. Ein stolzer Preis, wie mehrere Fachleute sagen.
Miete will die Stadt jedoch nicht mehr zahlen. Es ist erklärter Wille des Stadtrats, die Verwaltung in einem eigenen Gebäude unterzubringen. Nachdem der Bau eines Rathauses in Passivhaus-Standard für mehr als zehn Millionen Euro am Widerstand des Landesrechnungshofs gescheitert ist, ist nun wieder das Stadthaus in den Fokus gerückt.
Ehe sich Vertreter der Stadt und der Stiftung an den Verhandlungstisch setzen, musste erst ein Wertgutachten her. Dabei wird meist anhand standardisierter Verfahren eine möglichst objektive Aussage über den Wert einer Immobilie gemacht. Dies ist dann Grundlage der Verhandlungen.
Keine Rolle mehr spielen wird ein Wertgutachten, das vor einigen Jahren angefertigt wurde. Damals soll der Wert für das Gebäude auf gut 5,5 Millionen Euro festgelegt worden sein. Die Stiftung soll zu jener Zeit jedoch einen noch höheren Preis von der Stadt gefordert haben.
Ohne das Ergebnis des nun vorliegenden neuen Gutachtens zu kennen, haben sich Stadtrat und Verwaltung bereits vor Monaten darüber Gedanken gemacht, wie teuer das Stadthaus werden könnte. 4,2 Millionen Euro wurden daraufhin in den Haushalt eingestellt. 420 000 Euro davon sollen die Stadtwerke Wittlich, die im Besitz der Stadt sind, an die Stadt als Kostenbeteiligung überweisen. Noch einmal eine Million Euro sind für Umbau und Sanierung des Gebäudes vorgesehen.
Extra
Im Stadthaus öffnete im September 1996 ein Plus-Supermarkt. Nach der Übernahme der Filialen durch die Netto Marken-Discount AG & Co. KG wurde der Standort im Juni 2009 in das Netto-Filialnetz integriert. Nach Angaben aus der Konzernzentrale in Maxhütte-Haidhof gibt es entgegen anderslautender Gerüchte aktuell keine Schließungsabsichten für den Markt in der Schloßstraße. har


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