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Wittlicher Justizvollzugsanstalt: Wasser ist immer noch ungenießbar

(Wittlich) Trinkwasser, das keines ist: Seit zwei Wochen werden in der Wittlicher Justizvollzugsanstalt (JVA) Flaschen an die Gefangenen ausgegeben, denn das Trinkwasser enthält zu viel Blei und auch Nickel. Das war schon einmal vor zwei Jahren so: Jetzt sollen Armaturen ausgetauscht werden.

13.12.2015
Sonja Sünnen
Das größte Gefängnis im Land hat schon wieder ein Problem: Wie bereits Ende 2013 und Anfang 2014 ist wieder das Trinkwasser nicht in Ordnung. Unter anderem wurden bei Proben erneut erhöhte Bleiwerte festgestellt. Das Gesundheitsamt hat in den betroffenen Gebäuden „umgehend den Gebrauch des Leitungswassers zum Trinken und Kochen untersagt“, wie Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung auf TV-Nachfrage mitteilt. Eine gute Nachricht gibt es: Das erst kürzlich in Betrieb genommene neue Wirtschaftsgebäude inklusive Anstaltsküche ist nicht betroffen.

Wie damals heißt es jetzt: „Wasser marsch und ab in den Abfluss“. Durch eine massive Spülung des Leitungsnetzes will man die Schadstoffe ausschwemmen. Manuel Follmann zu den ersten Erfolgen: „Dadurch konnten die Bleiwerte zwar deutlich reduziert werden, sie liegen aber dennoch über den aktuell gültigen Grenzwerten.“ Deshalb werde weiter gespült und: „Die Ursachenforschung, die bislang – leider erfolglos – betrieben wurde, wird ebenfalls fortgesetzt. Hierzu wird Anfang Januar ein Ortstermin mit ausgewiesenen Experten im Bereich der Trinkwasserversorgung stattfinden.“

Wer in Nachbarschaft der JVA wohnt, misstraut jetzt womöglich dem, was da aus seinem Wasserhahn fließt. Ohne Grund. Das Gesundheitsamt gibt Entwarnung: Die Wasserqualität ist demnach bis zum Übergabepunkt der JVA einwandfrei.

Es sei klar, dass die Ursache für die Belastung innerhalb der JVA liegen müsse. Nur was kann der Grund sein? Darüber will der Leiter der Anstalt Jörn Patzak nicht spekulieren und verweist an den zuständigen Landesbetrieb. Er hat aber exakte Zahlen dazu parat, wie viel Liter Trinkwasser in Plastikflaschen zur Versorgung der Gefangenen bis zum vergangenen Wochenende eingekauft wurden: „Es sind bis jetzt 34.500 Liter.“ Die Information, dass das Wasser aktuell nicht zum Verzehr geeignet ist, sei per Lautsprecher und Aushang verbreitet worden.

Zum aktuellen Stand informiert Claudia Renner vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, LBB, in Mainz, der für die Immobilie zuständig ist: „Die Trinkwassernutzung für das neue Wirtschaftsgebäude ist freigegeben, hier gibt es keine Probleme. Die Trinkwasserversorgung für das JVA-Hafthaus, Justizvollzugskrankenhaus. JV-Verwaltung und JV-Pforte wird bis auf Weiteres über die Bereitstellung von abgepacktem Mineralwasser sichergestellt.“

Zur möglichen Ursache sagt Claudia Renner: „Die Einbaukomponenten also Armaturen entsprechen den einschlägigen DIN-Normen und liegen bezüglich des Bleianteils im zulässigen Bereich. Das ist durch den Berufsfachverband und das Bundesamt für Materialanalyse bestätigt worden. Zu Grenzwertüberschreitungen kommt es jedoch durch die Summe der Einbaukomponenten in Verbindung mit einem zu geringen Wasserdurchfluss. Die bei der Planung zugrunde gelegten Verbrauchsmengen werden durch diverse Einsparmaßnahmen nicht erreicht, was zu längeren Verweilzeiten im Leitungssystem führt und das Herauslösen von chemischen Bestandteilen aus den Armaturenmaterialien begünstigt.“

Am Dienstag, 15. Dezember, soll wieder gemessen werden. Zudem sollen Armaturen durch bleifreie Komponenten ersetzt werden. Auf die Frage, wo genau Wasserproben genommen würden, sagt Renner. „Es gibt 20 Entnahmestellen in Wirtschaftsgebäude, Heizwerk, Brunnenhaus, JVA-Hafthaus, Justizvollzugskrankenhaus, JV-Verwaltung und JV-Pforte. Außer erhöhten Werten für Blei an acht Entnahmestellen und Nickel an einer Entnahmestelle wurden keine weiteren Schadstoffe gemessen.“

Und wie groß ist generell die Gefahr, wenn man das Wasser in normalen Mengen trinken würde? Manuel Follmann sagt: „Gesundheitsbeeinträchtigungen wären allenfalls bei einem jahre- beziehungsweise jahrzehntelangen Konsum des belasteten Wassers zu befürchten. Die kurzzeitige Einnahme des Wassers führt nicht zu gesundheitlichen Belastungen.“

EXTRA

Das Trinkwasserproblem im Gefängnis hat auch finanzielle Folgen. Im Rückblick auf die erste Verunreinigung rund um den Jahreswechsel 2013/2014 teilt Claudia Renner, Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, LBB, in Mainz auf TV-Nachfrage nach den Kosten mit: „Damals betrugen Gutachterkosten, Wasseranalysen und Sofortmaßnahmen und Ähnliches in 2013 bis 2014 rund 40?000 Euro.“ Die Mineralwasserversorgung habe mit rund 150 Euro pro Tag zu Buche geschlagen. Weitaus kostenspieliger sind die Spülungen des Leitungsnetzes. Dafür ist laut Renner mit zusätzlich etwa 1100 Euro pro Tag bei einer Spülmenge von 2,5 Litern pro Minute bei 80 Entnahmestellen zu rechnen. Laut Angaben von 2014 liegt der Normalverbrauch in Hafthaus, Verwaltung, Krankenhaus und Pforte bei 54 Kubikmeter Wasser am Tag. Das sind 54 000 Liter, etwa der Jahresverbrauch eines Wittlicher Haushaltes.