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Wahlkreis Mosel/Hunsrück: Erst ein Mal hat eine Frau gewonnen

(Bernkastel-Wittlich Im) Für den Wahlkreis Mosel/Hunsrück haben bisher fünf Parteien ihren Direktkandidaten für die Bundestagswahl im September nominiert. In Kürze könnten weitere hinzukommen. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

16.03.2017
Petra Willems
Im Wahlkreis Mosel/Hunsrück haben viele Menschen in der Vergangenheit schwarz gesehen. Nicht etwa, weil sie unzufrieden waren mit dem Tun der Politiker oder keine guten Prognosen für die Zukunft im Allgemeinen sahen.

Nein, der Grund ist das Ergebnis der Bundestagswahlen seit 1949: Denn seit der ersten Wahl nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Wahlkreis (siehe Info) von dem jeweiligen Kandidaten der CDU gewonnen. Und bis auf eine Ausnahme waren es alle Männer. Nur Waltrud Will-Feld gewann zwischen 1976 und 1987 den Wahlkreis.

Seit 1990 heißt der Walkreis-Sieger Peter Bleser. Und auch in diesem Jahr für die Bundestagswahl am 24. September strebt der Christdemokrat an, den Kreis erneut zu gewinnen und in den 19. Deutschen Bundestag (siehe Extra) einzuziehen. Bleser wird am 23. Juli 65 Jahre alt und war seit 2006 Schatzmeister der CDU Rheinland-Pfalz, verzichtete aber Ende des vergangenen Jahres im Zuge der Spendenaffäre auf eine erneute Kandidatur. Seit 2011 ist der verheiratete Familienvater Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeslandwirtschaftsministerium und seit September 2013 Vorsitzender der Landesgruppe Rheinland-Pfalz in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Zudem war Bleser von 1985 bis 1992 Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Cochem-Zell und von 1990 bis 2000 Präsidiumsmitglied des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. Einen Sieg von Bleser wollen bisher vier andere Direktkandidaten verhindern.

Zum Beispiel der Sozialdemokrat Benjamin Zilles. Zilles wurde von der SPD mit der Mehrheit von 86 Prozent im Februar nominiert. Der 29-Jährige aus Sargenroth (Rhein-Hunsrück-Kreis) hat nach seinem Fachabitur eine Ausbildung als Industriekaufmann und eine als Erzieher absolviert. In letzterem Beruf arbeitet Zilles heute bei der Lebenshilfe Rhein-Hunsrück. Zilles ist Mitglied im SPD-Kreisvorstand, Betriebsratsmitglied und gehört der Gewerkschaft Verdi an.
Eine weitere Kandidatin ist die Landwirtin Carina Konrad. Die Argraringenieurin aus dem Hunsrück ist die Kandidatin der FDP. Die 34-Jährige betreibt mit ihrem Mann einen Bauernhof und ist seit Frühjahr 2016 Vorsitzende des FDP-Amtsverbands Emmelshausen. Seit Ende 2016 ist sie Kreisvorsitzende der FDP Rhein-Hunsrück. Zudem leitet Conrad das Wahlkreisbüro des FDP-Landtagsabgeordneten Marco Weber (Lissendorf).

Für die ÖDP, die Ökologisch-Demokratische Partei, will Johannes Schneider aus Maring-Noviand möglichst viele Wähler für sich gewinnen. Schneider, der auch auf Listenplatz eins der Landesliste steht, ist Vorsitzender des ÖDP-Kreisverbands Bernkastel-Wittlich. Der Winzer, der in Maring-Noviand ein Ökoweingut bewirtschaftet, ist Diplom-Ingenieur und Jahrgang 1957. Er ist Mitglied im Verbandsgemeinderat Bernkastel-Kues. 2012 kandidierte Schneider für das Amt des Bürgermeisters der VG Bernkastel-Kues. Immerhin holte er 17,5 Prozent gegen Amtsinhaber Ulf Hangert (CDU). Derzeit benötigt die Partei sowohl für die Landesliste als auch zur Unterstützung des Direktkandidaten Unterstützungsunterschriften. Heide Weidemann vom Kreisvorstand ist sich aber sicher, dass das Ziel - 2000 Unterschriften für die Landesliste und 200 für den Direktkandidaten - noch zu erreichen ist. "Das wird kein Problem", sagt sie.

Martin Fischer ist Direktkandidat der AfD. Der 25-Jährige ist gelernter Elektroniker für Betriebstechnik und Student des Wirtschaftsingenieurwesens für Elektrotechnik an der Hochschule Trier. Er wurde in Illerich im Kreis Cochem-Zell geboren und ist Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Cochem-Zell Fischer kandidierte bei der Landtagswahl 2016 als Direktkandidat für die AfD. Fischer ist Gründungsmitglied der Jugendorganisation Junge Alternative RLP und dort als Landesschatzmeister tätig.

Zu den fünf Kandidaten könnten sich bald weitere gesellen. Unter anderem wollen der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen Bernkastel-Wittlich und der Kreisverband Der Linken Kandidaten nominieren. Nach Auskunft von Kreis-Grünen-Geschäftsführerin Birgit Alt-Resch soll der Kandidat - oder die Kandidatin - im Mai aufgestellt werden. "Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Kandidaten", sagt sie.
DIE BUNDESTAGSWAHL
Extra
(red) Der 19. Deutsche Bundestag wird am Sonntag, 24. September, gewählt. Am 18. Januar hatte die Bundesregierung dieses Datum vorgeschlagen, fünf Tage später stimmte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck dem Vorschlag zu. Die bisher letzten fünf Bundestagswahlen fanden jeweils am letzten oder vorletzten Sonntag im September statt. Sollte es in Zukunft so bleiben, fände die übernächste Bundestagswahl Ende September 2021 statt.
DER WAHLKREIS 202
Extra
Der Wahlkreis 200, Mosel/Rhein-Hunsrück (2005: Wahlkreis 202, 2009: Wahlkreis 201) umfasst den Landkreis Cochem-Zell, den Rhein-Hunsrück-Kreis und den Südteil des Landkreises Bernkastel-Wittlich mit der Einheitsgemeinde Morbach sowie den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues und Thalfang am Erbeskopf und den Gemeinden der alten Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Der Wahlkreis wurde in dieser Form zur Bundestagswahl 2002 neu eingerichtet. Der Vorgängerwahlkreis mit ähnlichem Territorium war der Wahlkreis Cochem. Die Wahlkreise Cochem und Mosel/Rhein-Hunsrück wurden seit 1949 stets von den Direktkandidaten der CDU gewonnen. Die SPD war in den zurückliegenden beiden Bundestagswahlen jeweils zweitstärkste Kraft.