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Da ist der Teufel los: Goethes Faust als Ein-Mann-Show

(Wittlich) Ein deutsch-türkischer Schauspieler und Goethes Faust in 80 Minuten als Schauspielsolo, das passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Haydar Zorlu hat diese oft so schwer verdauliche deutsche Kost raffiniert abgespeckt.

16.10.2011
Wittlich. Ob Forsthaus Falkenau, Küstenwache, Tatort, Ein starkes Team oder Ein Fall für zwei: In vielen Rollen war Haydar Zorlu schon zu sehen. Doch an keiner arbeitete er so intensiv und lange wie an Goethes Faust. Er studierte Rechts- und Politikwissenschaften, Germanistik und Spanisch, ein kluger Kopf, der sich "seinen" Faust in 19 Jahren erarbeitete.
In der ehemaligen Synagoge Wittlich war zwar nicht gerade der Teufel los, was die Besucherzahl betrifft, dafür auf der Bühne erst recht. Innerhalb der ersten Minuten fesselte Zorlu das Publikum mit seinen Darstellungen. Ob als Gott, Mephisto, Faust, Gretchen, deren Nachbarin, Valentin oder als Erzähler, er beeindruckt, überzeugt und macht Lust auf noch mehr Faust. Doch "zum Teufel nochmal", den Mephisto spielt Zorlu himmlisch gut.
In einer respektvoll und sensibel entstaubten Sprache vermittelt er in der Rolle des Erzählers viel Wesentliches und Interessantes dieses schwierigen und großartigen Theaterklassikers. Sogar ein zaghaftes Lachen ging durch den Saal, als Gretchen das Kästchen mit dem Schmuck entdeckt, und Zorlu Mephisto sagen lässt: "Zeig es bloß nicht deiner Mutter, die bringt es doch wieder zu dem Pfaffen!"
Und als Faust bekannterweise glücklich bekennt, "Zum Augenblicke dürft ich sagen: Verweile doch, du bist so schön", nickten viele der etwa 60 Besucher zustimmend.
Die Premiere von Haydar Zorlus Faust auf Türkisch war übrigens im März 2010 in Oberhausen, in Istanbul bereits 2009 - auf deutsch.
Eine solch erfreuliche erste Begegnung mit Goethes Faust gibt es vor allem für Schüler eher selten. Eine Begegnung türkischer und deutscher Freunde von Faust hätte als Kultur-Projekt zum Thema Integration durchaus getaugt. romi