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Basketball: Im Gespräch mit Maik Zirbes - Von Wittlich bis Roter Stern Belgrad

Basketball: Wie geht’s Maik Zirbes eigentlich bei Roter Stern Belgrad? - Der TV hat ihn angerufen

(Trier/Belgrad) Bis 2012 spielt Maik Zirbes für die TBB Trier, dann zieht es den gebürtigen Traben-Trarbacher in die große Basketballwelt. Über Bamberg landet der 2,07-Meter-Mann 2014 beim europäischen Spitzenclub Roter Stern Belgrad. Bei den Serben ist Zirbes mittlerweile der Star. Mit dem TV hat Zirbes über die Euroleague, die NBA und ein Autobahnschild auf der A1 gesprochen.

03.03.2016
Marek Fritzen
Trier/Belgrad. Die Nachricht trudelt am vergangenen Samstag auf dem Handy von Maik Zirbes ein. Arne Woltmann hat ihm geschrieben, er war sein Co-Trainer, als Zirbes noch bei den Brose Baskets Bamberg gespielt hat. 2013 haben sie mit den Franken gemeinsam die Deutsche Meisterschaft geholt. Genau wie Zirbes hat Woltmann Bamberg mittlerweile verlassen. Er trainiert heute den Zweitligisten Rheinstars Köln. "Wir stehen noch immer in engem Kontakt", erzählt Maik Zirbes, als ihn der TV in dieser Woche telefonisch erreicht, "wir verstehen uns gut".

Am vergangenen Samstag reist Arne Woltmann mit seinen Kölnern zum Auswärtsspiel bei den Gladiators Trier. Es wird kein guter Abend für den 41-Jährigen, sein Team wird in der Arena Trier mit 57:78 unter die Räder kommen. Aber auf der Anreise am Nachmittag ahnt Woltmann davon noch nichts. Da sieht er durch das Fenster des Teambusses plötzlich das Autobahn-Abfahrtsschild Wittlich-Mitte. "Moment mal, Wittlich? Da war doch was", denkt sich Woltmann, zückt schwups sein Handy, schießt ein Foto und schickt es Zirbes - nach dem Motto: "Guck mal, wo ich bin!" Zirbes lacht, als er die Anekdote erzählt. "Arne weiß, dass ich in Wittlich aufgewachsen bin, schon lustig, dass er mir dann ein Bild vom Autobahnschild schickt", sagt der 26-Jährige.

Bis Zirbes das nächste Mal die Autobahnabfahrt Wittlich nimmt, wird noch einige Zeit vergehen. Denn aktuell steckt der 2,07-Meter-Center mit seinem Club Roter Stern Belgrad in der heißen Saisonphase. In der Adria-League - einer internationalen Liga der Adria-Staaten - steht er mit seinem Team in den Play-offs. Auch in der Euroleague, der Champions League des Basketballs, sieht es für Roter Stern sehr gut aus. "Nach dem Sieg über Istanbul stehen unsere Chancen gut, die Play-offs zu erreichen, das wäre ein großer Erfolg", sagt Zirbes.

Seit 2014 spielt der Center mit der Rückennummer 33 für Crvena Zvezda Belgrade, wie sein Club in der Landessprache heißt. Sein Serbisch wird immer besser, "richtig wohl" fühle er sich an der Donau, erzählt er. Der gebürtige Traben-Trarbacher gehört bei Roter Stern zu den absoluten Topstars. Beim Euroleague-Sieg über Efes Istanbul am 26. Februar steht Zirbes 34 Minuten auf dem Feld, so lange wie kein anderer seiner Mannschaftskameraden, erzielt 16 Punkte und angelt sich neun Rebounds - es könnte nicht besser laufen. Der Riese von der Mosel ist aus dem Team von Trainer Dejan Radonjic nicht mehr wegzudenken. Besonders seit dem Wechsel von Center-Star Boban Marjanovic von Belgrad in die NBA zu den San Antonio Spurs im letzten Sommer muss Zirbes umso mehr Verantwortung auf dem Feld übernehmen - es gelingt ihm mit Bravour.

In der Donaumetropole kennt ihn mittlerweile jedes Kind. "Im Café sprechen ihn Kellner an, wollen Autogramme", berichtet Zirbes’ Vater, der Trierer Anwalt Rainer Zahnhausen. "Letztens sind sogar Fans aus einem Gebüsch gesprungen und haben sich in einem Café neben ihn gesetzt, um ein Autogramm zu ergattern - einfach so unbemerkt durch die Stadt laufen, das geht schon längst nicht mehr." Zuletzt gab es für Zirbes sogar ein dickes Lob von NBA-Legende Dirk Nowitzki. Als "absoluten Fels in der Brandung" adelte der Würzburger den Mann von der Mosel. Und wann folgt Zirbes Nowitzki in die NBA? Der 26-Jährige fängt an zu lachen, kurze Pause, dann sagt er: "Es ist zu früh, dazu etwas zu sagen", dann ergänzt er: "Ausschließen kann man natürlich nichts."

Maik Zirbes hat seine Wurzeln nicht vergessen. Der Trierer Basketball liege ihm noch immer sehr am Herzen, das betont er immer wieder. Zirbes sagt: "Trier habe ich so viel zu verdanken, ich bin froh, dass es dort nach der Insolvenz weitergeht." Wann immer es geht, verfolge er, wie die Gladiators in der 2. Bundesliga abgeschnitten haben. "Es ist gut, dass viele Spieler aus der Region dabei sind, so wie Kilian Dietz, mit dem ich in der Jugend zusammengespielt habe - der Verein braucht solche Identifikationsfiguren."

Damit die Zahl an regionalen Identifikationsfiguren im Gladiators-Kader in Zukunft weiter ansteigt, setzt sich Zirbes für die Trierer Jugendarbeit ein. Dafür ist er in den Förderverein Trierer Basketball e.V. eingetreten (siehe Extra). "Hier in Serbien wird stark auf die Jugendarbeit gesetzt, das führt dazu, dass viel weniger Spieler von außen zu den Clubs kommen - das muss auch der Weg für Trier sein", fordert Zirbes. "Ich kann alle Fans der Gladiators nur dazu ermutigen, auch Mitglied im Förderverein zu werden."

Und wie sieht Zirbes die sportlichen Aussichten der Gladiators? "Ich denke, sie werden es in die Play-offs schaffen. Ob es allerdings schon für den Aufstieg reicht, ist fraglich - wichtig ist, dass sich der Club in den nächsten zwei bis drei Jahren eine solide Basis legt, um dann wieder in die Bundesliga zurückzukehren."
Extra
Im Dezember ist der Förderverein des Trierer Basketballs e.V. gegründet worden. Vorsitzender ist Anwalt Rainer Zahnhausen, Maik Zirbes’ Vater. Zahnhausen berichtet: "Unser Ziel ist es, in Trier wieder Strukturen für die 1. Bundesliga zu schaffen, dazu gehört vor allen Dingen die Förderung junger Talente aus der Region, genauso, wie es auch bei Maik der Fall gewesen ist." Der Mitgliedsbeitrag im Förderverein beträgt 60 Euro pro Jahr. mfr

 

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