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Legenden, kurze Höschen und ein unglaublicher Rekord: 50 Jahre Basketball-Bundesliga mit James Marsh

(Trier) 50 Jahre Basketball-Bundesliga! Am 1. Oktober 1966 hat die Basketball-Bundesliga ihren Spielbetrieb aufgenommen. Aus diesem Anlass hat die BBL nun ein Jubiläumsbuch herausgegeben. Der TV hat mit James Marsh mal reingeschaut.

19.02.2016
Marek Fritzen
Die Basketball-Bundesliga feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Aus diesem Grund hat die BBL einen Jubiläumsband herausgegeben. TV-Reporter Marek Fritzen hat mit Triers Basketball-Legende James Marsh durch das 220-Seiten-Werk geblättert und dabei erfahren, was Triers Basketballgrößen in den 90er Jahren so drunter trugen, warum Marsh & Co. nach internationalen Auswärtsspielen immer noch einen Tag länger am Spielort geblieben sind und warum Marsh der aktuelle Pokalwettbewerb in Deutschland gar nicht gefällt.

Europapokal, Europapokal ... Gleich mehrere Saisons spielten TVG und Herzogtel Trier international, unter anderem im sogenannten Korac Cup. James Marsh erinnert sich noch gut: "Das waren tolle Spiele, wir haben in so vielen verschiedenen Ländern gespielt - unter anderem in Nordschweden in Lulea (Dezember 1998/81:88-Niederlage, Anm. d. Redaktion), da hat zwei Stunden am Tag die Sonne geschienen. Aber auch die Spiele in Saloniki oder in der Türkei wird er nicht mehr vergessen. n der Türkei war es immer heftig, einmal wurden wir dort auf dem Feld mit Geldmünzen beworfen und bespuckt, aufwärmen konnten wir uns nur in der Kabine."
"Das Besondere an den Reisen im Korac Cup war immer", berichtet Marsh, "dass wir nach dem Spieltag noch einen weiteren Tag vor Ort bleiben mussten, für den Fall, dass ein Protest eingelegt werden würde". "So hatten wir abends nach Spielschluss noch Zeit, uns die Städte ein wenig genauer anzuschauen", sagt er mit einem Augenzwinkern. Durch die Pokalerfolge 1998 und 2001 war Trier automatisch für das internationale Geschäft qualifiziert. "Das waren unsere größten Erfolge, aber es ist nicht so, dass ich noch jeden Tag daran denke." Allerdings, so betont Marsh, sei der aktuelle Pokal-Modus (nur ausgewählte Bundesligaclubs nehmen daran teil, Anm. d. Red.) nicht im Sinne des Pokals. "Der Wettbewerb lebt davon, dass sich die Kleinen mit den Großen messen - weil das im Moment nicht so ist, interessiert sich auch keiner mehr für den Pokal, ich verstehe nicht, warum die Liga an diesem Modus festhält." 

Von kurzen Hosen und langen Radlern ... Anfang der 90er Jahre schwappt der Baggy-Style nach Deutschland. Lange, lässige, weite Basketballhosen von Nike kommen in Mode. "Wir spielten bis dahin in extrem kurzen Paul-Breitner-Gedächtnis-Hosen, man könnte sie auch Hotpants nennen, wenn ich die Aufnahmen heute sehe, denke ich mir ohje, ohje ...", erinnert sich Marsh. Das von Nike ausgestattete Team von Bayer Leverkusen ist eines der ersten in der BBL, das mit längeren Hosen auftritt. "Wir wollten natürlich auch so aussehen und haben uns lange Radlerhosen unter die kurzen Hosen gezogen." Die Radler, so der gebürtige Trierer, seien in den verrücktesten Farben getragen worden. "Später regelte die Liga dann, dass sie dieselben Farben haben mussten wie die Hosen , die Liga musste immer alles irgendwie regeln."  

 Keith Gray ... "Er war ein legendärer Spieler", sagt James Marsh. "Ich kannte Keith schon persönlich, bevor er 1998 nach Trier wechselte, denn er war ein guter Kumpel von TVG-Spieler Dennis Williams , Keith kam öfter zu Besuch, ich erlebte ihn als echt coolen Ami." Von 1987 bis 1991 spielt der US-Amerikaner in der Bundesliga für Brandt Hagen. Wie im Buch "50 Jahre Basketball Bundesliga" nachzulesen ist, legt Gray in der Saison 1989 im Spiel Hagen gegen Braunschweig einen Rekord aufs Parkett, der bis heute nicht geknackt worden ist: 65 Punkte erzielt er in diesem Spiel. "Ich wusste, dass Keith mal so viele Punkte erzielt hatte, aber er hat darüber nie gesprochen, er war keiner, der mit seinen Erfolgen geprahlt hat", so Marsh. In der ewigen Punkteliste der BBL findet sich auf Rang 9 übrigens ein weiterer ehemaliger Trierer: Sergej Babkov mit 51 Punkten gegen Bayreuth.
"Keith war kein Zauberer wie Carl, er war ein kompletter Spieler, wahnsinnig athletisch mit guter Übersicht und einem starken Zug zum Korb", sagt Marsh. "Außerdem hatte er ein paar Sachen, die gingen immer: sein Mitteldistanzwurf zum Beispiel."   

 Der treue Marsh , einmal Trier immer Trier  ... Für James Marsh gab es nur einen Verein: Seine gesamte Karriere (1986 bis 2006) spielte der heute 45-Jährige an der Mosel. Im Buch "50 Jahre Basketball Bundesliga" ist ihm daher unter der Rubrik "Treue Profis" ein eigener Abschnitt gewidmet. "Ich bin ganz ehrlich", sagt Marsh im Gespräch mit dem TV, "am Anfang der Karriere konnte ich mir nicht vorstellen, immer in Trier zu spielen , aber dass es dann doch so kam, habe ich bis heute nicht bereut, es war perfekt für mich, schließlich konnte ich in meiner Heimatstadt auf höchstem Niveau und sogar europäisch spielen". 20 Jahre für einen Basketballclub , warum gibt es so was heute nur noch selten? "In den 80er und 90er Jahren waren die Budgets der Clubs in Deutschland relativ gleich , Alba und Leverkusen mal ausgenommen , dann für 1,50 Mark mehr im Monat den Verein zu wechseln, kam für viele Spieler nicht infrage, da ist man lieber bei seinem Club geblieben, da wusste man, was man hatte", sagt Marsh. "Heute gibt es in der Bundesliga viele finanzstarke Teams , Ulm, Bamberg, Bonn, Oldenburg, Berlin, München , da wird deutlich mehr gezahlt als bei kleineren Bundesligaclubs, zudem ist ein Wechsel ins Ausland einfacher als früher, da erhöht sich die Fluktuation der Spieler automatisch." Er empfinde die Entwicklung als problematisch, da den Vereinen die Identifikationsfiguren verloren gehen. Doch er glaube, dass sich das in Zukunft noch mal ändern werde. "In der Bundesliga werden sich in den kommenden Jahren die deutschen Metropolen etablieren , Hamburg und Köln kommen dazu , finanzstarke Teams werden in der Bundesliga den Ton angeben, die haben dann natürlich auch die Möglichkeit, Spieler langfristig zu halten.   
 
 Wendell Alexis ... An die Duelle mit dem US-Amerikaner, der in sechs Jahren sechs Meisterschaften mit Alba Berlin holte (1996-2002), kann sich James Marsh noch sehr gut erinnern. "Wendell war ein Ausnahmespieler, er war einer der besten Spieler, die je in der BBL gespielt haben." Der "Iceman", wie ihn seine Fans aufgrund seiner Abgezocktheit nannten, sei auf dem Feld besonders durch sein selbstbewusstes Verhalten aufgefallen, erzählt Marsh. "Es ging schon in Richtung Arroganz, aber er konnte sich das leisten, er hatte einfach die Klasse." Was allerdings ziemlich genervt habe, sagt Triers ewige Nummer 7, sei das Verhalten der Schiedsrichter gegenüber Alexis gewesen. "Er hatte einen gewissen Welpenschutz, darüber habe ich mich oft geärgert." Das Bild oben zeigt den "Iceman" im Duell mit Triers Bruno Roschnafsky. In den Duellen gegen die Hauptstädter ging es immer heiß her auf dem Feld. "Bernard Thompson", sagt Marsh, "gehörte bei uns zu den großen Trash-Talkern (Wortgefechte auf dem Feld mit dem Gegner, um diesen zu verunsichern, Anm. d. Red.), der hat seinen Gegnern schon immer ganz nette Sachen erzählt" (lacht). Carl Brown und Keith Gray seien eher ruhiger gewesen, "aber Keith hatte immer die passenden Antworten, wenn er herausgefordert wurde".   
 
Das Buch: 50 Jahre Basketball Bundesliga ist ein Muss für jeden Basketballfan. Es beleuchtet Unerwartetes, so wie die Geschichte über die weitgehend unbekannte Spielerkarriere Holger Geschwindners, Mentor von Dirk Nowitzki. Es beinhaltet Humorvolles, wie das Interview mit Trainerlegende Terry Schofield und es behandelt Packendes wie die sportlichen Feindschaften zwischen Alba Berlin und dessen Rivalen aus Bamberg, München, Bonn und Leverkusen. Das Buch kostet 29,90 Euro, ISBN 978-3-7307-0242-0. Bestelllink, weitere Informationen und Leseproben gibt es im Internet unter 50JahreBBL.de 

 

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