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Wer ist eigentlich dieser Paul?

(Boston) Basketball: Wie ein 22-Jähriger aus Heidelberg die NBA-Playoffs durcheinander wirbelt.

20.04.2017
Tobias Brinkmann und Manuel Schwarz
Boston (dpa) Die Chicago Bulls stehen vor der großen Überraschung in den Playoffs der NBA - und just Liga-Neuling Paul Zipser spielt sich beim krassen Außenseiter immer mehr in den Vordergrund. Eine starke Vorstellung des Basketball-Nationalspielers verhalf den Bulls am Dienstag (Ortszeit) zum zweiten Auswärtssieg bei Titel-Mitfavorit Boston Celtics und damit der 2:0-Führung in der Best-of-Seven-Serie. Beim 111:97 (54:46) steuerte der Heidelberger beachtliche 16 Punkte bei, und das "scheinbar aus dem Nichts", wie ein Fernsehsender feststellte.
Dabei wusste der ehemalige Profi des FC Bayern München gleich in seiner ersten Saison beim sechsmaligen Champion zu überzeugen und bekommt immer mehr das Vertrauen seines Coaches. In Boston stand Zipser 29 Minuten auf dem Parkett, im entscheidenden Schlussviertel setzte Trainer Fred Hoiberg neben den Superstars und Topscorern Jimmy Butler und Dwyane Wade (je 22 Punkte) fast komplett auf Zipser.
Die US-Zeitung Chicago Tribune nannte den Deutschen, der nicht in der Startformation stand, den "unerwarteten Reserve-Star". Zipser traf sechs von acht Würfen aus dem Feld, darunter zwei erfolgreiche Dreier - und das in seinem erst zweiten Playoff-Spiel in der NBA und gegen das beste Team der Hauptrunde in der Eastern Conference.
Nach den zwei Auswärts-Coups können die Bulls die Serie schon in den anstehenden beiden Heimpartien für sich entscheiden. "Ich bin gar nicht überrascht. Wir sind so fokussiert. Jeder macht seine Arbeit, arbeitet an seinem Spiel. So wird das Vertrauen immer größer", sagte Bulls-Star Butler. Für Rajon Rondo, mit elf Punkten und 14 Assists ebenfalls stark, ist die nächste Begegnung am Freitag (Ortszeit) im heimischen United Center "zwar auch nur eine Playoff-Begegnung, aber es könnte die wichtigste Partie der Saison werden".
Die Toronto Raptors haben in der Serie gegen die Milwaukee Bucks indes durch ein 106:100 (55:52) den 1:1-Ausgleich geschafft. Auch die Los Angeles Clippers konnten nach der Auftaktniederlage gegen die Utah Jazz das zweite Spiel gewinnen. Die Kalifornier siegten auch dank NBA-Star Blake Griffin (24 Punkte) mit 99:91 (51:42).