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aus unserem Archiv vom 10. Mai 2012
Autor: Stefan Strohm Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Der Aufstieg vor zehn Jahren: Eine Woche feiern und ein Video als Andenken

Stimmen der Verantwortlichen und Spieler mit ihren damaligen Funktionen neben und auf dem Platz: Präsident Bernd Gritzmacher (66 Jahre): "Nach dem Spiel in Hoffenheim ist bei mir die Anspannung abgefallen, mir wurde schwarz vor Augen. Ich saß auf einmal auf dem Boden.

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Der Aufstieg ist eine meiner schönsten Erinnerungen an die Zeit bei der Eintracht. Es war eine schöne Zeit. Wenn man heute zehn Jahre später sieht, was aus Hoffenheim geworden ist - das ist der Eintracht nicht gelungen. Sie hat aber auch keinen Milliardär im Rücken." Als Geheimnis des Erfolgs bezeichnet Gritzmacher den "unheimlichen Zusammenhalt in der Mannschaft und im Vorstand. Der Aufstieg war damals lebensnotwendig." Zuletzt bei der Eintracht war Gritzmacher bei den DFB-Pokalspielen gegen den FC St. Pauli und den Hamburger SV, ansonsten hat er eher selten Kontakt zur Eintracht.
Trainer Paul Linz (56 Jahre, vor einer Woche am Kreuzband operiert): "Es war eine sehr große Erleichterung. Ich habe gedacht, der Schiedsrichter pfeift nicht ab. Es war schon ein geiles Gefühl. Ich dachte, ich feiere eine Woche lang, aber das war nicht so. Ich habe das mehr im Stillen genossen. Super war die Aufstiegsfeier vor der Porta Nigra - sensationell, wie viele Leute da waren." Linz hatte sich mal überlegt, "alle Spieler zusammenzutrommeln, aber ich habe die Idee wieder verworfen".
Sportlicher Leiter Horst Brand (seit einem Jahr in Rente, sein Sohn hat das Transportgeschäft übernommen): "Wir haben drei Jahre am Aufstieg herumgedreht, der Aufstieg war der Lohn der harten Arbeit. Wir hatten ja finanziell kurz vor dem Abgrund gestanden. Das Erfolgsrezept war, dass Paul Linz eine sehr gute Mannschaft zusammengestellt hatte. Die Spieler hatten sich sehr gut verstanden. Leider war die Zweitligazeit zu schnell vorbei. Zu den Spielern habe ich eigentlich keinen Kontakt mehr, ich schied ja auch ein Jahr nach dem Aufstieg aus. Heute helfe ich auf freiwilliger Basis bei der Spielbeobachtung und bin bei fast jedem Heimspiel dabei."
Kapitän Michael Prus (Verbandssportlehrer beim Schleswig-Holsteinischen Fußballverband; am Telefon erwischt in seiner Tätigkeit als Co-Trainer von Uwe Böger bei der U17-Nationalmannschaft): "An das Spiel in Hoffenheim habe ich schon häufiger zurückgedacht. Das war eine Riesensensation für uns, wir hatten zuvor ja schon viele Anläufe unternommen und einige Probleme wie das Insolvenzverfahren überstanden. Der Sieg in Hoffenheim ist ein unvergessliches Erlebnis. Schon der Weg zum Stadion, den Berg hinauf, und dann nach dem Spiel der riesige Jubel, es endlich gepackt zu haben. Das war in etwa so wie dieses Jahr bei der SpVgg Greuther Fürth, die ja auch als die Unaufsteigbaren galten. Kontakt zu früheren Mitspielern habe ich keinen mehr. Ich verfolge die Eintracht noch aus der Ferne, meine Heimatstadt Malente ist etwa 700 Kilometer weit weg, aber in Trier bin ich so gut wie gar nicht mehr."
Stürmer Najeh Braham (Tunesien, spielt nicht mehr, Knorpelschaden im Knie, wohnt in Baunatal bei Kassel): "Wir hatten damals eine überragende Mannschaft, mit Respekt und Charakter. Es hat Riesenspaß gemacht. Ganz ehrlich: Meine beste Zeit war in Trier. Ich war Nationalspieler und wurde mit Tunesien Afrika-Meister. Ich habe immer noch Kontakt mit Claus Grzeskowiak und Mehmet Dragusha. Vor eineinhalb Monaten war ich nach langer Zeit mal wieder in Trier, aber von der Eintracht kenne ich nur noch Daniel Bauer. Der Verein und die Stadt gehören mindestens in die 3. Liga - ich hoffe, dass es irgendwann mit dem Aufstieg klappt."
Mittelfeldregisseur Adnan Kevric (lebt in Stuttgart, hat letztes Jahr ein neues Hüftgelenk bekommen, ist mit Ronny Zeller als Spielerberater und nebenbei auch als Vermögensberater tätig): "Der Aufstieg in Hoffenheim ist nicht vergessen und noch im Gedächtnis, an viele Details kann ich mich aber nicht mehr erinnern. Nach der Rückkehr waren wir noch im Clubhaus und haben dann in der Stadt eine Kneipentour gemacht. Viel Kontakt besteht nicht mehr, ab und zu telefoniere ich noch mit Matthias Keller. Der war als Trainer tätig und macht nun eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann."
Abwehrspieler Miodrag Latinovic (wohnt noch in Trier, fährt für die DHL Pakete aus): "Ich musste wegen Adduktorenproblemen zur Halbzeitpause raus. Es war ein schönes Gefühl, und wir haben sieben Tage lang gefeiert. Das war Wahnsinn. 2005 bin ich auch mit Paderborn in die zweite Liga aufgestiegen, da haben wir nur einen Tag gefeiert."
Flügelflitzer Mehmet Dragusha (34, spielt aktuell beim hessischen Verbandsligisten FSV Braunfels, in Hoffenheim Torschütze zum 1:0): "An den Aufstieg kann ich mich erinnern, als wäre es gestern gewesen. Nach 21 Jahren war die Eintracht wieder in die 2. Liga aufgestiegen. Das war schon etwas Besonderes für mich und die Mannschaft. Von den Feierlichkeiten in Hoffenheim, im Bus auf der Heimfahrt und dann in einer Kneipe vor der Porta Nigra habe ich noch ein Video, das habe ich mir häufiger angesehen. In Trier bin ich öfters, bei einem Spiel der Eintracht war ich aber lange nicht mehr. Mit dem aktiven Fußball habe ich eigentlich abgeschlossen, Familie und Beruf (Ausbildung zum Bankkaufmann) sind mir wichtiger." 

 




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