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SG Ruwertal: "Raus aus der Masse, rein in die Klasse"

(Kasel/Waldrach) In der Serie "Elf Freunde" rückt der TV in loser Folge Fußball-Traditionsvereine aus der Region Trier in den Fokus. Heute geht\'s um die SG Ruwertal. Die älteste Spielgemeinschaft im Fußballverband Rheinland feiert an diesem Wochenende Geburtstag.
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Kasel/Waldrach. Klaus Toppmöller war mit von der Partie. Ebenso Ernst Diehl, Fritz Fuchs, Herbert Laumen und Josef Stabel. Mit einer Reihe seiner Bundesliga-Stars gastierte der 1. FC Kaiserslautern am 1. Mai 1974 zum Einweihungsspiel auf der neuen zentralen Sportanlage der Verbandsgemeinde Ruwer in Waldrach. Der Gegner: die SG Ruwertal. Sie musste sich vor 2500 Zuschauern mit 1:10 geschlagen geben (Ehrentorschütze: Manfred Schichel per Elfmeter).

Elf Freunde


"Der FCK hat etwas gemosert, weil auf einem Hartplatz gespielt wurde. Es war aber ein Erlebnis, das man nicht vergisst", erinnert sich der damalige SG-Vorsitzende Ludwig Neumann. Etwas bange war ihm wegen der Kosten: "Kaiserslautern hat damals rund 3000 Mark für das Spiel bekommen. Zum Glück waren genug Zuschauer da, um mit den Einnahmen die Summe aufzubringen."
Die SG Ruwertal spielte damals in der Bezirksklasse und war auf dem aufsteigenden Ast. 1971 hatten sich der SV Waldrach (gegründet 1925) und die Spvvg. Kasel (1949) "auf Probe" zur Spielgemeinschaft Ruwertal zusammengeschlossen. Die Clubs aus Gutweiler und Morscheid traten nicht wie geplant bei. Weil es gut lief, gaben Kasel und Waldrach schon am 19. Januar 1973 - also exakt heute vor 40 Jahren - ihre Eigenständigkeit auf. Die SG Ruwertal als Verein war geboren. Sie ist die älteste Spielgemeinschaft im Fußballverband Rheinland. "Anfang der 70er Jahre expandierten die Gemeinden im unteren Ruwertal. Die Verantwortlichen haben damals erkannt, dass eine Bündelung der Kräfte Sinn macht. Raus aus der Masse, rein in die Klasse, so lautete das Motto von Oscar Marx", sagt der heutige SG-Vorsitzende Harald Herres.
Marx war der Vater der Jugendspielgemeinschaft mit den Clubs aus Gutweiler, Kasel, Morscheid und Waldrach, die Pate für die Liaison bei den Senioren stand und bis heute besteht.
1978 stieg die SG Ruwertal, die heute auch den Ort Mertesdorf repräsentiert, in die Landesliga auf, 1980 gar in die damals viertklassige Verbandsliga. "Das war sensationell. Dank harter Arbeit haben wir so manch einem Club ein Bein gestellt. Wir haben unter anderem gegen Neuendorf, Wissen und Weißenthurm gespielt. Wir waren zu den Auswärtsspielen lange unterwegs. Von daher fühlten wir uns fast wie Profis", blickt Ernst Willems zurück, damals Rechtsverteidiger bei der SG und später zwischen 2001 und 2009 Vereinsvorsitzender.
Im zweiten Verbandsligajahr - unter Trainer Horst Brand - schaffte die SG Platz acht. 1984 endete die Ligazugehörigkeit. Spielerabgänge und finanzieller Druck leiteten den Abstieg ein. Der Tiefpunkt: Das Abrutschen in die Kreisliga C im Jahr 2004.
Zwischenzeitlich stand der Club vor großen Schwierigkeiten. Weil er sich zu einem Mehrspartenverein entwickelt hatte, war es schwer, ehrenamtliches Führungspersonal zu binden. Die Reißleine wurde 1993 gezogen: Die Abteilungen wurden zu selbstständigen Vereinen - die SG Ruwertal somit wieder ausschließlich zum Fußballclub. Christoph Adams, damals erst 25 Jahre alt, übernahm den Vorsitz.
Die Konsolidierung erforderte Zeit, einen langen Atem und Mut. Die SG setzte auf die Jugend und wurde 2012 mit der Rückkehr in die Bezirksliga belohnt. Stolz stellt Harald Herres fest: "Fast alle Jungs der ersten Mannschaft kommen aus dem Tal!"
Extra
… schaffte 1972 im vierten Entscheidungsspiel vor 2500 Zuschauern in Trier den Bezirksklassen-Aufstieg (1:0 gegen St. Matthias). … brachte als bekannte Spieler unter anderem Wolfgang Theis und Arno Michels (heute Co-Trainer Mainz 05) hervor. … hat rund 400 Mitglieder. … sprang 2011 als Gastgeber des Freundschaftsspiels zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und der luxemburgischen Nationalelf ein (2:0, 1400 Zuschauer in Kasel). … träumt von einem Kunstrasenplatz in Mertesdorf. bl

 


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