Der Dreier-Vorstand bleibt an Bord, drei Neue für den Aufsichtsrat, weniger Budget und ein emotionaler Ausbruch von Vorstandssprecher Ernst Wilhelmi: Die wichtigsten Infos zur Mitgliederversammlung von Fußball-Regionalligist Eintracht Trier.
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Trier. Es klingt fast wie eine Entschuldigung. Klaus Müller, die große Legende des Trierer Fußballs, ist vor knapp 80 Jahren Vereinsmitglied geworden, damals bei Eintracht 06. "Ich wäre ja gern schon früher eingetreten", sagt er vor der Mitgliederversammlung am Dienstagabend im Penta-Hotel. "Aber ich durfte erst als Zehnjähriger Mitglied werden." Seine Frau Hildegard fragt derweil nach: "Sind das dort hinten die Spieler?" - und zeigt auf die linke Seite des Raums, in der es sich rund 20 Eintracht-Mitglieder aus der Ultra-Szene bequem gemacht haben. Die waren insbesondere mit Ernst Wilhelmi unzufrieden: Der Vorstandssprecher erhielt 22 Gegenstimmen bei seiner Wahl. "Das tut weh", sagte Wilhelmi anschließend. Bei seinem kurzen emotionalen Appell verließen einige Mitglieder aus der Ultra-Ecke demonstrativ den Saal. Wilhelmi hatte zuvor das übertriebene Anspruchsdenken einiger Fans kritisiert und eine insgesamt sehr positive Bilanz der letzten beiden Spielzeiten gezogen. An seiner Wiederwahl gab es aber bei insgesamt 80 stimmberechtigten Mitgliedern vor Ort nichts zu deuteln - bei den Vorstandskollegen Roman Gottschalk und Harry Thiele fielen die Gegenstimmen (eine und drei) nicht ins Gewicht. Die Mitgliederversammlung verlief insgesamt sachlich und diszipliniert. Von Ultra-Seite hieß es anschließend: "Es war eine demokratische Wahl. Wir haben unser Zeichen gesetzt."
Wie sieht es finanziell aus?
Der Etat wird gegenüber dem Vorjahr um erneut 20 Prozent schrumpfen und soll bei knapp 1 Million Euro liegen, inklusive der Personalaufstockung in der Geschäftsstelle. Die soll sich nach Vorstandswillen durch höhere Sponsoren-Einnahmen amortisieren. In der vergangenen Saison habe die Eintracht ein Budget-Loch von über 200 000 Euro schließen müssen (der TV berichtete). Vorstand Harry Thiele ("Wir reiten immer auf dem Messer") und Kassenprüfer Willi Fettes rechneten vor: Wegfall der Fernsehgelder (minus 95 000 Euro), keine DFB-Pokal-Einnahmen (das brachte in der letzten Saison netto allein 329 000 Euro ein), ein Rückgang der Einnahmen aus Ticketverkäufen (minus 50 000 Euro in den vergangenen drei Jahren), hinzu kämen höhere Verwaltungskosten und BG-Abgaben, eine Mehrwertsteuer-Nachzahlung ans Finanzamt (55 000 Euro), zudem seien zugesicherte Sponsorenzahlungen (45 000 Euro) laut Thiele wegen Firmen-Insolvenzen weggebrochen. An vielen Stellen sei auch gespart worden. Vor allem beim Budget für die Spieler, das in der Saison 2012/13 bei unter 500 000 Euro liegen soll (minus 185 000 Euro), und im Jugendbereich.
Meinung
Tradition schießt keine Tore
Kleiner Rückblick: Vor zehn Jahren spielte Eintracht Trier in einer Liga mit Köln und Mainz, zwei Klassen höher als Fortuna Düsseldorf. Das war kein gottgewolltes blau-schwarz-weißes Naturgesetz, sondern ein Ausnahmezustand. Aber er wirkt nach: Für viele Eintracht-Fans ist die vierte Liga, die durch die neue Gliederung in fünf Staffeln gefühlt noch weiter nach unten sackte, immer noch ein leidiger Betriebsunfall. Die Perle in der Sau-Liga. Ein Klassenerhalt wird den meisten Anhängern schwer als Erfolg zu vermitteln sein - auch wenn die Eintracht bei erneut um 20 Prozent gekürztem Budget und kleinem Kader keineswegs zu den Aufstiegsanwärtern zählen wird. Das Motto ist gut, solange man es nicht selbst umsetzen muss: Wenn du in der (finanziellen) Abwärtsspirale hängst, spring nach oben raus. Sollten die Grabenkämpfe der vergangenen Saison weitergehen - zwischen Vorstand und Teilen der Fanszene, aber auch innerhalb der Mannschaft-, dann braucht man von dem Sprung auf einen der beiden Relegationsplätze aber gar nicht erst zu träumen. Das Ende der sachlichen und nur kurzzeitig emotionalen Mitgliederversammlung macht zumindest etwas Mut: Wenn sich alle Seiten mehr Respekt entgegenbringen würden, könnte man sich auf den Fußball konzentrieren - und nicht nur aufs glorreiche Gestern. a.feichtner@volksfreund.de
Extra
Aufsichtsrat: Neu im Eintracht-Kontrollgremium sind Alexander Jelen (Vorstand einer luxemburgischen Kapitalgesellschaft, Bruder von Ex-Tennisprofi Erik Jelen), der frühere SVE-Vorstand Dieter Friedrich und der Trierer Marketing-Unternehmer Michael Grasmück (Polybytes). Zudem gehören Frank Natus, Alexander Bergweiler, Robert Bläsius, Andreas Garnier, Adolf Hess, Alfons Jochem und OB Klaus Jensen dem Aufsichtsrat an. Ausgeschieden sind Matthias Schneider, Günter Schlag und Rüdiger Premm. AF
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