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Handball wird zur Nebensache: Gästespielerin beim Trierer Miezen-Spiel schwer verletzt

(Trier) Die Handballerinnen der DJK/MJC Trier ziehen gegen Herrenberg ins Pokal-Achtelfinale ein.

09.10.2017
Björn Pazen
Den rund 200 Fans in der Arena stockt der Atem. Nach einem Wurf stürzt Sulamith Klein. Die Herrenberger Handballerin will sich im Pokalspiel bei den Trierer Miezen grade wieder aufrichten, da passiert es: Ihre Mitspielerin Annika Leppert springt über sie , trifft sie dabei unglücklich mit dem Knie am Kopf. Klein sackt zusammen, bleibt bewegungslos auf dem Feld liegen. Sie ist nicht bewusstlos, bewegt sich aber nicht mehr.
Hektisch wird nach einem Arzt gesucht, doch in der nur mit rund 200 Fans gefüllten Arena wird man nicht fündig. Mitspielerinnen sowie die Miezen-Physiotherapeuten knien um die Verletzte. Nach 15 Minuten ist das Notarztteam in der Halle. Kleins Kopf wird stabilisiert, die Spielerin auf eine Spezialtrage geschnürt und in ein Krankenhaus gebracht. Nach ersten Informationen hat sich Klein eine Halswirbelverletzung zugezogen, wie schwer diese ist, war gestern noch nicht bekannt. Die Herrenbergerin habe aber bei ihrem Abtransport Hände und Füße bewegen können, berichten Augenzeugen.
Nach über 30-minütiger Unterbrechung geht es dann weiter mit dem DHB-Pokalspiel zwischen den Trierer Miezen und Herrenberg, das durch die Verletzung zur Nebensache wurde. 48 Minuten sind gespielt, als sich Klein verletzt und die Miezen führen mit 18:15. Nach der Unterbrechung schaukelt Trier den Sieg nach nach Hause, gewinnt 24:19 (12:10) und zieht zum ersten Mal seit 2013 wieder ins Achtelfinale des DHB-Pokals ein.
"Natürlich waren wir geschockt, speziell, weil wir nicht wissen, wie schwer sie verletzt. Aber so was passiert halt im Handball", sagt Mieze Tina Welter. Mit sechs Treffern war die Luxemburger beste Werferin der MJC. "Wir hoffen, dass es Klein schnell besser geht und sie keine Schäden davonträgt", sagte Miezen-Trainer Andy Palm. Der war vor allem froh über die Steigerung im Gegensatz zur Heimniederlage gegen Mainz vor einer Woche: "Wir haben als Mannschaft überzeugt, auch wenn wir uns immer noch einige dumme Fehler erlaubt haben. Dieser Erfolg darf jetzt aber keine Eintagsfliege sein." Einen Wunschgegner für die Achtelfinal-Auslosung am Mittwoch hat der Belgier nicht, aber: "Es wäre natürlich super, wir spielen zuhause - am besten gegen einen Erstligisten aus der unteren Tabellenhälfte".
In seinem Team überragte zumindest in Hälfte eins Torfrau Melanie Eckelt. Mit neun ihrer insgesamt 13 Paraden war die Torfrau beste Mieze. Doch auch sie musste die letzten 15 Minuten von der Bank zuschauen, nachdem sie bei einem Siebenmeter von Kerstin Foth am Kopf getroffen worden war. Für Eckelt kam die Japanerin Yuko MInami ins MJC-Tor. Im Angriff taten sich die Trierierinnen lange Zeit schwer. Nach dem 10:7 (24.) verpasste es die MJC sich abzusetzen, nach dem 15:11 nach der Pause hatte Herrenberg seine beste Phase, glich zum 15:15 aus, die Partie drohte zu kippen, weil Trier sich zu viele einfache Fehler leistete. Ein Zwischenspurt zum 18:15 sorgte dann für die Vorentscheidung, ehe durch die Klein-Verletzung Handball zur Nebensache wurde.
DJK/MJC Trier: Eckelt, Minami - Petrovska, Sattler (1), Houben (2), Czanik (5), Tolic (2), Smits (2), Szabo (4/2), Zrnec, Simon-Varga (2), Welter (6)