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aus unserem Archiv vom 15. Juni 2012
Autor: Björn Pazen Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Von der Schulbank direkt auf die Bank der Miezen

Jörn Ilper (37) ist der neue Trainer der Trierer Miezen. Der frühere Bundesligaspieler soll die Handballerinnen ab 9. Juli auf die erneute "Mission Klassenerhalt" vorbereiten. Ilper lebt in Köln und erfüllt die Voraussetzung, nicht nur vom Handball zu leben.

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Trier. Gestern Nachmittag saß er noch auf der "Prüfungsbank", beendete erfolgreich mit der Note 2,0 seine A-Schein-Trainer-Ausbildung, ab Montag wird er in Trier in der Verantwortung stehen: Jörn Ilper durchlebt derzeit turbulente Tage. Gestern Abend gab die DJK/MJC Trier die Neuverpflichtung auf der Trainerbank bekannt. Der 37-Jährige überzeugte beim "Casting" und bringt genau die Voraussetzungen mit, die sein Vorgänger Dago Leukefeld an den neuen Miezen-Macher gestellt hatte. "Wir hatten sehr viele Kandidaten eingeladen und auf Herz und Nieren getestet", betont Leukefeld, "und Jörn passt genau in das Muster, das wir wollen."
Jung, hungrig, unverbraucht, kein "typischer" Frauentrainer - das erfülle Ilper genauso wie den wohl für die MJC wichtigsten Punkt: ein Trainer, der nicht hauptberuflich Trainer ist, sondern auch andere Einnahmen hat. Ilper, der in Köln mit seiner Frau und seinen zwei Kindern lebt, ist selbstständig im Bereich Golfmarketing.
"In seiner Zeit als Spieler zeigte er ein großes Spielverständnis, in den Probeeinheiten hat Jörn zudem bewiesen, dass er strukturiert arbeiten kann", betont Leukefeld, der sich am Donnerstagabend von der Mannschaft mit einem Flietenessen verabschiedete und erst Mitte Juli wieder nach Trier kommen wird - aus der Ferne aber in die Kaderplanung involviert ist.
Ilper bringt es auf mehr als 300 Bundesligaspiele - die meisten davon beim VfL Gummersbach, wo vor mehr als zehn Jahren ein gewisser Thomas Happe (Miezentrainer bis Dezember 2011) sein Coach war. Den Bezug zum Frauenhandball hatte Ilper in seiner Zeit als (Spieler)-Trainer des Zweitligisten TV Korchenbroich (bei Neuss) von Juni bis November 2011, als er gemeinsame Einheiten mit den Bundesliga-Handballerinnen von Bayer Leverkusen leitete. Und über die neue Leverkusener Trainerin Heike Ahlgrimm, die mit ihm gestern den A-Schein machte, kam der Kontakt zustande. "Dago hat sich bei ihr nach einem potenziellen Kandidaten erkundigt. Dann hat sie mich empfohlen. Und dann ging es sehr schnell", sagt Ilper, der seinen Spitznamen "Kuno" vom früheren Nationaltorwart Andreas Thiel bekam.
Er geht völlig unvoreingenommen in seine erste wichtige Trainerstation: "Das Projekt Miezen bietet eine besondere Chance. Ich kann mich beim Neuaufbau einbringen, ich bin immer offen für Neues - und ich denke, Trier hat immer noch einen guten Namen im Handball." Mittlerweile hat er viele Informationen eingeholt, lobt die lange erfolgreiche Tradition der Miezen, die tolle Arena, aber auch den Kampfgeist, den die Mannschaft in der Vorsaison an den Tag legte: "Sie hat den Klassenerhalt geschafft, das spricht für sich. Ich freue mich auf die Aufgabe - denke, dass ich mit den Spielerinnen harmonieren werde, was ich bisher vom Team weiß."
Gemeinsam mit Leukefeld und dem Vorstand hat Ilper schon die Eckpunkte der Vorbereitung abgesteckt, ist natürlich auch verantwortlich für die Zusammenstellung des Kaders: Trainingsstart ist am 9. Juli, am 4./5. August präsentieren sich Ilper und die dann erneut runderneuerte Miezen-Mannschaft beim "Stelioplast-Cup" in Wittlich erstmals den Fans, es folgen noch ein Turnier in den Niederlanden, mehrere Kurztrainingslager und einige Testspiele.
Bis zum Vorbereitungsstart soll auch der Kader für die dann 13. Bundesligasaison stehen (siehe Extra). "Unser einziges Ziel kann erneut nur Klassenerhalt heißen", sagt Brech. "Ich bin ambitioniert, natürlich ist der Klassenerhalt primäres Ziel, aber ich will mehr", betont Ilper. Er ergänzt: "Ich denke, Dago und ich haben die selbe Handball-Philosophie." Ilper hatte die Spiele Miezen in den vergangenen Jahren auch deswegen mitverfolgt, weil er interessiert am Werdegang seines Ex-Trainers Happe war: "Natürlich gab es Probleme, aber das ist für mich Vergangenheit, ich blicke nur voraus."
Extra
Jörn Ilper ist 37 Jahre alt, gebürtiger Hamburger und hat mehr als 300 Bundesligaspiele für Dormagen (1992 bis 1996) und Gummersbach (1997 bis 2005) absolviert, danach wechselte er in die Schweiz. Seine erste Trainerstation war 2011 Zweitligist Korchenbroich (bei Neuss), für den er auch mehrere Jahre gespielt hatte. Zuletzt half Ilper, der in Köln lebt, als Spieler beim Zweitligisten Rostock aus und trug dazu bei, den Klassenerhalt zu sichern. BP
Extra
Nach Aussage der MJC-Vorstände Martin Rommel und Jürgen Brech wurden mittlerweile alle Lizenzauflagen für die kommende Saison erfüllt. "Alle Altlasten aus der Spielzeit 2011/12 sind erledigt", sagte Rommel. Die Beiträge für Berufsgenossenschaft und Sozialversicherungen seien gezahlt, die Spielerinnen verzichteten zudem auf ihre Mai- und Juni-Gehälter. Sie bekommen laut Rommel derzeit ihr April-Gehalt überwiesen. Die Miezen hatten die Lizenz nur unter Auflagen erhalten. Was den Kader für die neue Saison betrifft, "sind wir sehr weit", sagte Ex-Trainer Leukefeld. Verlassen werden die Miezen die Profis Lucyna Wilamowska, Sladjana Djeric und Katarina Vojcic, zuvor hatten schon Anna Monz und Nadine Rost ihre Wechsel bekanntgegeben. Nächste Woche werden mehrere potenzielle Neuzugänge zum Probetraining in Trier erwartet, laut Brech werden in Kürze auch die ersten Vertragsverlängerungen mit bisherigen Spielerinnen verkündet. BP




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