sport/handball

Therapeut und Seelendoktor

(Hermeskeil) Hermeskeiler Daniel Weinand betreut als "fliegender Physio" Spitzensportler aus verschiedenen Bereichen.

20.04.2017
Jürgen C. Braun
Hermeskeil Mal ganz ehrlich: Wer würde sich nicht freuen, wenn er hin und wieder einen Anruf bekäme mit der freundlichen Nachfrage: "Können Sie wieder mit uns nach Mallorca fahren? Wir brauchten Sie noch mal." Das Ganze natürlich als "Gast" des Anrufers.
Nun, bei Daniel Weinand ist das so ungewöhnlich nicht, allerdings geht es auch nicht auf Urlaub nach "Malle" und schon gar nicht an den "Ballermann". Der 45jährige Physiotherapeut hat eine eigene Praxis in Hermeskeil. Weitgehend unbemerkt aber von der Hochwälder Öffentlichkeit wirkt er mit seinen medizinischen Fähigkeiten im Spitzensport. Die besten deutschen Triathleten kennt Weinand aus Trainingslagern auf Mallorca und dem schweizerischen St. Moritz. Die Junioren, die "U 23", die Elite, also die Triathleten im "besten Leistungsalter" hat er dort unter seinen "heilenden Händen" - Deutschlands Elite auf der Kurzstrecke und im Sprint; die Crew der olympischen Hoffnungen halt. "Ein Sportphysio-Kollege vom Olympia-Stützpunkt in Saarbrücken hat mich der Deutschen Triathlon- Union empfohlen, seither arbeite ich dort parallel zu meiner Praxis auf Honorarbasis" erzählt er. "Das ist ein Job rund um die Uhr. Die Athletinnen und Athleten kommen schon morgens um sieben nach dem Einschwimmen. Tagsüber sind wir im Begleitauto entweder beim Laufen oder beim Radfahren unterwegs. Und abends, wenn bei den meisten die Muskulatur fest ist, fängt meine zweite Schicht an." Von Urlaub also keine Spur. Der Umgang mit nationalen Spitzensportlern ist Weinand nicht fremd. Vier Jahre lang, von 2011 bis 2015 arbeitete er für Arminia Bielefeld. Damals spielte die Mannschaft von der "Alm" in der zweiten und in der dritten Liga. In der ostwestfälischen Stadt absolvierte der gebürtige Hermeskeiler in den 1990er Jahren auch seine Ausbildung, ist "natürlich" auch heute noch bekennender Arminia-Fan. Bei der Arbeit mit den Kickern aus Ostwestfalen, damals unter Trainer Stefan Krämer und dem jetzigen FCK-Coach Norbert Meier, ist es nicht geblieben. Auch für die Profis des 1. FC Saarbrücken und die Oberliga-Handballerinnen der HSG Marpingen ist der Mann, der sich besonders gut auf die physischen, aber auch auf die psychischen Belange von Spitzensportlern einstellen kann, auf Honorarbasis "an der Pritsche." Top-Triathleten kommen zur persönlichen Behandlung nach Hermeskeil.
"Manche Patienten sind froh, wenn sie ihre Ruhe dabei haben, andere sehen im Physio eine Vertrauensperson, der sie mal persönliche oder auch private Dinge und Probleme anvertrauen können. Da muss man in jedem speziellen Fall eine Antenne für haben."
Die Bandbreite gerade bei der Behandlung von Leistungssportlern sei enorm: "Manchmal ist man in erster Linie Physiotherapeut, mitunter aber auch Seelendoktor."
Extra: FRÜHES ENDE DER EIGENEN KARRIERE

(jüb) Daniel Weinand galt in jungen Jahren als Aktiver beim Turnverein und beim Tennisverein Hermeskeil als großes Talent - und das als Handballer wie auch als Tennisspieler. Doch der Körper machte auf Dauer die Belastung nicht mit. "Nach dem dritten Kreuzbandriss innerhalb kürzester Zeit habe ich dann aufgehört. Meine jetzige Tätigkeit bedeutet für mich aber immer noch eine Brücke zum Spitzensport", sagt er.