sport/laufen

Schrittmacher zum Glück

Auch ohne persönliche Bestzeit kann die Teilnahme an einem Wettkampf außerordentlich befriedigend sein. TV-Laufreporter Rainer Neubert hat das als Pacemaker schon mehrfach erlebt. Seine jüngsten Erlebnisse beim Radweglauf in Hermeskeil hat er in seiner neuen Kolumne verarbeitet.

04.05.2017
Das Projekt „sub2“ beschreibt den wahnwitzigen Versuch, einen Marathon in weniger als zwei Stunden zu laufen. Auf den Kilometer gerechnet wäre das ein Tempo von 42,195-mal 2:50,5 Minuten. Die Mutter aller Laufschuhhersteller hat zum Angriff auf die Schallmauer geblasen und verspricht: Es könnte schon beim Berlin-Marathon 2017 gelingen. 

Dass ein solches Tempo selbst auf kürzeste Distanz unvorstellbar ist, muss an dieser Stelle nicht extra Erwähnung finden. Umso wichtiger ist es, sich bewusst zu werden, dass jeder Läufer seinen eigenen Weltrekord erreichen kann. Die individuell erbrachte Leistung kann auch für einen Marathon in der doppelten Zeit, einen Halbmarathon oder die persönliche Bestzeit über zehn Kilometer so hart erkämpft sein wie der Fabelrekord für einen Weltklasseläufer.

Was diese von uns Normalsportlern dabei nicht unterscheidet, ist der Schrittmacher, ein Begleiter, der einem laufend bis zur persönlichen Schallmauer Beine macht, den – Achtung Neudeutsch - Pacemaker. 

Ist er schlecht, zerplatzt der Traum von der Topzeit trotz wochenlanger Vorbereitung und bester Form wie eine Seifenblase. Dann übernimmt der Enttäuschte vielleicht selbst mal diesen Part, macht es besser und erlebt, wie schön das sein kann. Wenn der erschöpfte aber überglückliche Laufpartner seine persönliche „subX“ bewältigt und von Endorphinen überwältigt wird, bleibt davon auch reichlich für die eigene Freude. 

Ich hab’s erlebt. Gönnen können ist die Devise! Dafür muss man nicht 2:50?min/km rennen.