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Treibgut

Wer verletzungsbedingt nicht laufen kann, sucht sich einen Alternativsport, um nicht ganz einzurosten. TV-Laufkolumnist Rainer Neubert macht derzeit neue Erfahrungen im Freibad.

19.05.2016
Darauf habe ich lange gewartet: endlich eine neue Bestzeit. 4:53 Minuten … für 100 Meter. Nein, da fehlt keine 0. Wer als strampelnder Schwimmkorken im Freibad unterwegs ist, freut sich darüber, überhaupt das Ende der Schwimmbahn zu erreichen. Aquajoggen nennt sich diese Betätigung, bei der invalide Vielläufer zumindest ein wenig Bewegung simulieren. Da verwandelt sich der vormals dynamischste Astralkörper in scheinbar träges Treibgut.

Zum Glück ist es für die überwiegend betagteren Mitbenutzer meines Lieblingsfreibades inzwischen nicht mehr außergewöhnlich, wenn sich vermeintliche Nichtschwimmer einen Styroporgürtel um die Hüfte schnallen. Nur damit gelingt es, einigermaßen aufrecht im Wasser zu stehen, um mit Armen und Beinen hochfrequent Laufbewegungen zu imitieren. Das kann einen ganz schön außer Atem bringen, ganz ohne das übliche Schwitzgefühl. Ganzkörperkühlung ist bei 20 Grad Wassertemperatur garantiert. 

Lang und noch langweiliger können 30 Minuten im Aquajogging-Modus sein, wären da nicht die netten Gespräche der wenig flotteren Freunde des morgendlichen Freibadbetriebs. Peinlich ist diese Strampelei auf der Stelle nicht. Nur wenn die dynamische Schwimmbrillen-Fraktion untertaucht und die traurige Mühsal des menschlichen Wasserläufers erblickt, dann gerät die neue Bestzeit in Gefahr.