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Koko siegt, Pflieger fliegt

Deutsche Jugendrekordlerin und Afrikameister Tamire Getaneh gewinnen Silvesterlauf Trier

(Trier) Kalte Finger, aber heiße Stimmung und trotz Minustemperaturen schnelle Rennen, der Bitburger 0,0% Silvesterlauf Trier wurde am letzten Tag des alten Jahres zum kalten Sao Paulo. Erstmals seit drei Jahren gab es mit Konstanze Klosterhalfen wieder eine deutsche Gewinnerin. Gegen Afrikameister Tamire Getaneh hatte Philipp Pflieger zwar kein Rezept, schaffte vor Weltrekordler Leonard Komon als Dritter aber den Sprung aufs Podest.

02.01.2017
Holger Teusch

Trier. Bei einem der kältesten Trie rer Silvesterläufe in einem Vierteljahrhundert schlug am Samstag wieder die Stunde der Deutschen. So wie beim Gefrierschrankrennen vor 20 Jahren (1996 lag die Temperatur sogar unter minus zehn Grad) der Mayener Thorsten Naumann die afrikanischen Asse eiskalt abhängte, landete diesmal Konstanze Klosterhalfen im Sparkassen-Elitelauf der Frauen einen Start-Ziel-Sieg. "Ich glaube, den war allen zu kalt", sagte U20-Europameisterin von Bayer Leverkusen, die 16:05 Minuten für die fünf Runden zu je einem Kilometer benötigte. Dahinter musste die Vierte der Afrikameisterschaften, Salome Nyirarukundo aus dem rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda (16:14), wenige Meter vor dem Ziel den zweiten Platz an die heranstürmende Weißrussin Nina (16:12) abgeben.
So richtig warm wurde Konstanze Klosterhalfen, genannt Koko, zwar auch nicht, beim ersten Silvesterlauf ihres Lebens ließ sich die 19-Jährige aber von der Stimmung tragen. Nach Angaben des ausrichtenden Vereins Silvesterlauf Trier ließen 15 000 Zuschauer 100 Kilogramm Konfetti schneien. "Ich hatte Konfetti im Mund. Aber ich fand das Konfetti-Werfen schön. Mehr, als dass es gestört hat. Das ganze Rennen hat trotz der Kälte total Spaß gemacht", erzählte die Siegerin.
Tamire Getaneh ging im Bitburger 0,0%-Lauf der Asse den Papierschnipseln so gut es ging aus dem Weg. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte der Afrikameister über 5000 Meter (Bestzeit: 13:05,59 Minuten). Zunächst übernahm im Acht-Kilometer-Rennen aber Philipp Pflieger das Kommando. "Ich bin schnell losgerannt, weil ich bei der Kälte auf taktischen Krimskrams keinen Bock hatte. Motto des Tages war: Maximal wehtun und schauen, wozu es reicht", erzählt der Marathon-Olympia-Teilnehmer aus Regensburg.
Ohne Respekt vor großen Namen lief Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel zu Beginn in der Spitzengruppe. Der 20-Jährige erreichte als 15. in 24:23 Minuten das beste Resultat eines Läufers aus dem Leichtathletikbezirk Trier seit 2010 (damals lief Marc Kowalinski als Neuntplatzierter 24:16). Doch als Getaneh, Zehn-Kilometer-Weltrekordler Leonard Komon (Kenia) und der für Bahrain startende Marokkaner Mahjoub Dazza das Tempo erhöhten, musste außer dem aus Eritrea geflüchteten Fitwi auch Pflieger und dessen Regensburger Vereinskamerad Florian Orth abreißen lassen. Erst auf der Zielgeraden konnte sich Afrikameister Getaneh (22:50) gegen Dazza (22:53) durchsetzen.
Philipp Pflieger bekam auf der letzten Runde im Konzert von 2000 Trillerpfeifen noch einmal den zweiten Wind. 200 Meter vor dem Ziel flog der 29-Jährige regelrecht an Komon vorbei. "Als ich die letzte Runde angefangen habe die Leute einzusammeln, das war der Wahnsinn. Meine Ohren haben wehgetan", sagte der beste Deutsche, der in 23:11 Minuten als Drittplatzierter den Weltrekordler (23:17) noch klar hinter sich ließ.

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