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Der Kleine gegen die Großen: Wie ein neunjähriger Schachspieler aus Trier für Furore sorgt

(Trier) Der neunjährige Matteo Metzdorf aus Trier gehört zu den größten Schach-Talenten in Rheinland-Pfalz. Der TV hat ihn getroffen und so manch interessantes Detail erfahren.

05.05.2017
Die Antwort hilft. Sie hilft zu verstehen, wie diese Damen und Herren sich fühlen müssen, diese gestandenen Schachspieler, die schon so viele Duelle hinter sich gebracht, so viele Siege eingefahren haben und dann plötzlich vor Matteo Metzdorf sitzen. Die dann staunend, ungläubig und sprachlos erleben müssen, wie dieser neunjährige Grundschüler ihre ersten acht, neun Züge mit wachen Augen entschlüsselt, sie danach in aller Ruhe auseinandernimmt und ihnen zum Abschied noch freundlich die Hand schüttelt. 

Diese Antwort, die Matteo Metzdorf dem Fragesteller da aufs Auge drückt, hat es in sich. Was man denn brauche zum Schachspielen, will der Reporter wissen, was man mitbringen müsse, um ein guter Schachspieler zu werden. Matteo grinst, die Beine baumeln unter dem Stuhl umher, die Arme liegen entspannt auf den Stuhllehnen, ein kurzes Überlegen, ein langgezogenes „Ääähm“, dann setzt der Neunjährige an: „Wenn man das so sieht: Was zu trinken und einen Stift, auf dem man seine Partie aufschreiben kann.“ Unklare Frage, klare Antwort, kann man mal so machen – dieser kleine Mann hat es faustdick hinter den Ohren. 

Vor drei Jahren hat Matteo Metzdorf mit dem Schachspielen begonnen, heute gehört der neunjährige Trierer zu den größten Talenten in ganz Rheinland-Pfalz. Der Spieler der SG Trier 1877 steht im Rheinland-Kader, im Rheinland-Pfalz-Kader und nimmt an Pfingsten zudem an den Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaften teil – aus dem Kleinen könnte mal ein ganz Großer werden.

Angefangen hat das alles mit der Spielesammlung seiner Eltern. Fang den Hut, Mensch Ärger dich nicht, Mau-Mau – das volle Programm. Mit Mama und Papa spielt er alles mal durch, irgendwann stößt er auf das Spiel mit den Türmen, den Bauern, dem König: „Mein Papa und ich haben das einfach mal ausprobiert“, erinnert sich der Grundschüler. „,. „, „und das hat mir direkt Spaß gemacht“. Seine Eltern – beide keine Schachspieler – haben schon bald ausgedient als Trainingspartner. „Ich habe mir dann Schach-CDs für den PC gewünscht“, erzählt der Grundschüler. Metzdorf lernt schnell, schaut sich Spielzüge an, bringt sich das Spiel selber bei – dann geht’s ab zur SG Trier. Dort trainiert und spielt er seitdem unter Jugendtrainer Wolfgang Langer. 
 
„Das Schöne am Schach ist“, erzählt Metzdorf, „dass dort nicht so sehr der Neid im Vordergrund steht wie zum Beispiel beim Fußball, wo es eher darum geht, wer einen besseren Trick zeigen kann.“ Zudem sei Schach ideal für Kinder und Jugendliche, die nicht so gerne „raufen“ wollten. „Beim Schach gibt’s halt kein „Raufen“, sagt er und fängt an zu lachen. 

Auch wenn er in seiner Freizeit gerne schwimmen geht und Fußball spielt, steht Schach ganz klar an Nummer eins. Immer wieder reist der Viertklässler mit seinen Eltern an Wochenenden zu Turnieren in Deutschland und Luxemburg, trifft dort meist auf deutlich ältere Gegner. Wie auch vor wenigen Wochen, da ist er bei den luxemburgischen Meisterschaften der Erwachsenen in Dudelange gewesen.

Im C-Turnier – die Meisterschaft ist in A, B und C-Turnier aufgeteilt – holt er sich nach zahlreichen mehrstündigen Partien den Titel, schlägt im Finale einen 70-jährigen Luxemburger. Nach wenigen Zügen ist im Endspiel klar, wohin die Reise geht, Metzdorf ist dem Senior heillos überlegen. Immer wieder bietet der Luxemburger dem Grundschüler ein Remis an, um die Partie nicht zu verlieren. Doch Metzdorf hat keine Lust auf Remis, er zieht’s durch und gewinnt am Ende deutlich. „Das ist öfter so: Am Anfang, wenn die älteren Gegner mich sehen, dann denken die: ,Och, gegen den wird’s locker’ – aber wenn’s losgeht, ändern die ihre Meinung oft ganz schnell.“ Da ist es wieder, dieses breite Grinsen. 

Sein Traumberuf, das betont der Neunjährige noch zum Abschluss, sei schon Schach-Profi. „Wenn das nicht klappt, dann werde ich Tierarzt.“