Vor zwei bis drei Monaten war an einen Auftritt bei den Paralympics für Deutschlands besten Rollstuhlbasketballer Dirk Passiwan nicht zu denken. Sogar die gesamte weitere Karriere des Rekordschützen der Bundesliga von den Immovesta Dolphins Trier hing am seidenen Faden. Erst vor wenigen Wochen gab es Entwarnung.
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Dirk Passiwan ist für das deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalteam unersetzlich. Umso mehr freuen sich jetzt alle, dass der Trierer das Team mit nach London zu den Paralympics begleiten kann. Foto: Kai Gerlach
Trier. Dirk Passiwans Dank gilt derzeit vor allem Dr. Peter Krapf, der mit der Anwendung einer neuartigen Magnetresonanztherapie die von einem Knocheninfarkt befallenen Ellbogen so weit wiederhergestellt hat, "dass ich schmerzfrei spielen kann".
Und auf einen starken Dirk Passiwan, den derzeit wohl stärksten Rollstuhlbasketballer der Welt, kann das deutsche Team bei den Paralympics in London (29. August bis 9. September) nicht verzichten.
Die Vorbereitung der deutschen Mannschaft, die von Nicolai Zeltinger, dem Coach des besten deutschen Teams, des RSV Lahn-Dill, trainiert wird, deutet auf eine Punktlandung hin. Beim letzten Vorbereitungsturnier am Wochenende im niederländischen Papendal gelang Deutschland ein unerwarteter Sieg. In der Vorrunde verlor man nach zwei Siegen über die Türkei (74:60) und die Gastgeber (59:53) gegen Kanada, den zweifachen Paralympics-Sieger und erneut einer der Favoriten in London, knapp mit 74:80. Dann traf das Team im Finale aber erneut auf die Kanadier und gewann überraschend mit 70:55.
Schon fast ein Novum, seit Passiwan zum Nationalteam gehört: Der Trierer war nicht der Topscorer seiner Mannschaft. "Das ist international inzwischen identisch mit der Taktik in der Bundesliga", sagt der 35-Jährige. "Ich werde fast immer fast gedoppelt, wenn das nicht reicht, kommt noch einer dazu, der gegen mich verteidigt. Der Unterschied ist aber, dass meine Mitspieler die entstandenen Freiräume nutzen."
Starke Konkurrenz
Trotz der Sonderbewachung kam Passiwan immer noch auf 59 Punkte und war damit zweitbester Werfer hinter André Bienek. "Wenn wir eine Medaille holen, ist es mir egal, wenn ich nur zehn Punkte pro Spiel mache", zeigt Passiwan seine Prioriäten auf.
Zur Erinnerung: Bei den Paralympics in Peking waren es noch 19,7 - doch einen Erfolg gab es damals trotzdem nicht. "Dieser Turniersieg jetzt hat uns Selbstvertrauen gegeben, weil wir ihn in einem stark besetzten Wettbewerb errungen haben. Wir wissen jetzt, dass wir gegen jeden Gegner gewinnen können."
Das Teilnehmerfeld bei den Männern ist noch ausgeglichener als bei den Frauen. Passiwan: "Von den zwölf Ländern, die am Start sind, ist nur Südafrika chancenlos." Mit angezogener Handbremse geht nichts, eine gute Platzierung in den Gruppenspielen kann vorentscheidend sein. Japan, Kanada, Kolumbien, Großbritannien und Polen sind die Stolpersteine, die auf dem Weg liegen. "Leichte Gegner gibt es nicht mehr", sagt der Trierer, der beim Turnier in Holland sein 100. Länderspiel machte. Inzwischen sind es 103. Passiwan hat schon mal hochgerechnet: "Sollten wir ins Finale kommen, wäre das mein 111. Länderspiel. Das wäre doch mal eine schöne Schnapszahl."
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