Das Bild ihres Oberkörpers ziert dieser Tage viele Zeitungen weltweit. Der kunstvoll mit sogenannten Kinesio-Tapes gepflasterte Bauch der deutschen Beachvolleyballerin Katrin Holtwick befeuert die Diskussion über den Sinn der elastischen Klebebänder. Der TV sprach darüber mit Klaus Eder, Chef der Physiotherapeuten im deutschen Olympiateam.
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London. Es gibt sie in Blau oder Rot. Auch Farbkombinationen sind gebräuchlich. Viele Spitzenathleten haben sie schon zur Schau getragen. Tennisspielerin Serena Williams zum Beispiel. Oder Starkicker David Beckham (in Pink!). Viele dürften sich auch an Fußballer Mario Balotelli erinnern. Als sich Italiens Stürmer nach seinem Tor zum 2:0 im EM-Halbfinale 2012 gegen Deutschland das Trikot vom Leib riss, kamen drei türkise Klebestreifen auf dem Rücken zum Vorschein.
Pünktlich mit dem Beginn der Olympischen Sommerspiele in London rücken die sogenannten Kinesio-Tapes wieder in den Blickpunkt. Sportartenübergeifend. Nach Auskunft von Klaus Eder, Chef-Physiotherapeut des deutschen Olympiateams, gibt es keine Rangliste. "Der Einsatz der Tapes ist individuell sehr verschieden und hängt vom Sportler und von dem ihn behandelnden Physiotherapeuten ab."
Die Streifen sollen den Lymph- und Blutfluss fördern und Schmerzen lindern, ohne dabei die Bewegungsfreiheit einzuschränken (siehe Hintergrund). "Sie werden präventiv oder für die Rehabilitation nach einer Verletzung eingesetzt", sagt Eder, der gleichzeitig deutlich macht: "Die Tapes ersetzen keine physiotherapeutische Behandlung oder notwendige Medikation." Zudem sei auf ein korrektes Aufbringen zu achten. Eder: "Je nach Anwendungsbereich gibt es unterschiedliche Anlagetechniken, die erlernt werden müssen."
In den vergangenen Jahren haben die Pflaster einen Siegeszug im Leistungssport angetreten. Eder wurde erstmals bei der Fußball-WM 2002 mit den Streifen konfrontiert. "Sie wurden uns dort vorgestellt. Ich war anfangs skeptisch. Doch als ich selbst ein Wehwehchen hatte, ließ ich mich mit ihnen behandeln. Und es hat geholfen."
Bei den Olympischen Spielen in London wird das deutsche Team von einem in Bayern ansässigen Ausrüster mit den Tapes beliefert. Der Markt scheint zu boomen. Nach den Olympischen Spielen 2008 in Peking zog der weltweite Absatz zwischenzeitlich enorm an. Eder ist vom Nutzen der Bänder überzeugt. Gleichzeitig streitet er nicht ab, dass sie manchen Sportlern auch schlicht psychologisch helfen.
Extra
Kinesio-Tape: Entwickelt hat das Pflaster der japanische Chiropraktiker Kenzo Kase vor gut 30 Jahren. Die Streifen sind elastisch (kinesis = griechisch für Bewegung), atmungsaktiv und mit einer speziellen Maserung versehen. Sie bestehen aus einem Baumwollgewebe und einer Acrylklebebeschichtung. Die Bänder können sich wie eine zweite Haut dehnen und zusammenziehen. Ein Hersteller bietet im Internet sechs Streifen (je fünf Meter lang) zum Preis von knapp 100 Euro an. Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen zu den Kinesio-Tapes. Ihr Nutzen ist wissenschaftlich nicht wirklich bewiesen. Kritiker sagen, dass die Methode etablierten Formen des elastischen Tapens nichts voraus habe. Gleichzeitig berichten viele Sportler von erfolgreichen Anwendungen. bl
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