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In 33 Stunden über die Alpen

Der Trierer Eric Geidel will 161-Kilometer-Strecke von Österreich nach Italien ohne Schlafpause laufen

(Trier/Seefeld) Trotz mehrjähriger Lauferfahrung wäre das ein Rekord für den Trie rer: Beim Salomon-Alpen-X-100-Lauf will der Einzelhandelskaufmann Eric Geidel die Alpen in weniger als zwei Tagen zu Fuß überqueren. Zeit für Pausen bleibt dabei kaum.

26.07.2016
Benedikt Laubert
Trier/Seefeld. Gefährlich sei das für ihn nicht, sagt der Trierer Eric Geidel - doch am 5. August will er 161 Kilometer (100 Meilen) der Alpen laufend überqueren, ohne einmal die Augen zuzutun. 161 Kilometer, das ist in etwa die Strecke von Trier nach Bonn - beim Alpenlauf kommen allerdings deutliche Höhenunterschiede hinzu. Beim Salomon-Alpen-X-100-Lauf, an dem er teilnehmen will, werden unterschiedlich lange Strecken angeboten. Geidel startet im österreichischen Seefeld und hat sich damit die längste der drei angebotenen Routen ausgesucht.

Kaum Pausen


Die Veranstaltung ist ein Traillauf, also ein Langstreckenlauf, der nicht über asphaltierte Straßen führt. 47 Stunden haben die Teilnehmer Zeit, um die Strecke bis zum Ziel in Brixen (Italien) zu schaffen. Geidel hat sich vorgenommen, in ungefähr 33 Stunden am Ziel einzulaufen.
Da bleibt nicht viel Zeit für Pausen. Alle paar Stunden will er zehn bis 45 Minuten Rast machen und seinen Rucksack mit Vorräten auffüllen, je nach Bedarf. Bedächtig und klar erzählt Geidel von den verschiedenen Facetten seines Vorhabens. Nur wenn es um hohe Zahlen geht, weicht sein freundlich-entspannter Gesichtsausdruck einem stolzen Lächeln. Erfahrung hat er mit längeren Läufen; beim Madeira Island Ultratrail ist er etwa 115 Kilometer in 29 Stunden gelaufen. Wie sein Körper auf welche Dauerbelastungen reagiert, wisse er inzwischen, so Geidel. Doch die Alpenüberquerung am 5. August ist für ihn ein Rekord - sollte alles gutgehen.
Ob er sich Sorgen um seine Gesundheit mache? "Nein", sagt er, "Ich bin ja gut vorbereitet, im schlimmsten Fall packe ich es nicht. Dann akzeptiere ich es und versuche es später noch einmal." Sein Handy, andere Läufer und die Organisatoren des Laufes würden dafür sorgen, dass er Hilfe bekomme, sollte er sie brauchen.
Einen Lauf musste Geidel schon einmal abbrechen. Nach 60 Kilometer Wegstrecke auf dem Sankt Bernhard wurde er immer schwächer, weil er zu wenig Wasser getrunken hatte - und gab schließlich auf.

Kurze Trainingszeiten


Das Laufen hat Geidel erst vor sechs Jahren für sich entdeckt, als er von seiner Heimatstadt Mechernich bei Bonn nach Trier gezogen ist. Da er in Luxemburg arbeitet und nach Feierabend und der Heimfahrt kaum Zeit für Vereinssport bleibt, begann er kleine Runden zu laufen, die immer größer wurden.
Im Vergleich zur Alpenüberquerung wirkt das vorbereitende Training unverhältnismäßig kurz: Unter der Woche läuft Geidel maximal zwei Stunden, am Wochenende drei bis sechs Stunden. "Mit einem Trainingslauf über 24 Stunden würde ich meinen Körper so kurz vor dem Alpenlauf zu sehr schwächen."
Zwei Dinge treiben den 38jährigen Einzelhandelskaufmann zu seinen extremen Läufen: "Auf der Strecke sieht man die Sonne in den Bergen aufgehen, sieht die unterschiedlichsten Landschaften, die Natur dort ist wunderschön", sagt er. Es sei aber auch das Gefühl nach dem Lauf, das länger anhält: das Gefühl es geschafft und sich selbst übertroffen zu haben.