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Spochtipedia - alles, was Sport ist: Laufen mit Karte, Kompass und Köpfchen

(Trier) Stoppuhr und GPS-Gerät lassen Orientierungsläufer zu Hause. Die exotische Variante des Ausdauer- sports verspricht pure Freiheit und großes Naturerlebnis. Dossier zum Thema: Spochtipedia

15.03.2017
Holger Teusch
Trier Ein Läufer steht im Wald und weiß nicht wohin. Wenn bei einer der allwöchentlich stattfindenden Laufveranstaltungen ein Starter derart von der Strecke abkommt, haben die Organisatoren etwas falsch gemacht. Anders beim Orientierungslauf. Pausen, um zu überlegen, wie man am besten weiter läuft und welcher Weg am schnellsten zum Ziel führt, gehören bei der in Norwegen und Schweden entwickelten Ausdauersportvariante einfach mit dazu. Kondition ist ebenso für den Erfolg ausschlaggebend. Hinzu kommen psychische Faktoren.

"Orientierungslauf ist Laufen mit Köpfchen", sagt Jürgen Pfannkuchen vom Trimmelter SV, der so etwas wie der Vater des Orientierungslaufs in Trier ist. Die Disziplin sei sehr abwechslungsreich und eine Art Intervalltraining, erklärt der Diplom-Sportlehrer.
Weil der Weg zum Ziel nicht vorgegeben ist und jeder ihn sich selbst suchen soll, werden Orientierungsläufer meist einzeln in mehrminütigem Abstand losgeschickt. So wird einfaches Nachlaufen verhindert. Die Orientierungsläufer finden keine abgesperrte Laufstrecke vor, sie halten eine Landkarte in der Hand. Auf dieser sind die anzulaufenden Punkte, die sogenannten Posten, markiert. Unentbehrlich ist außerdem ein Kompass.

Nur mit diesen Hilfsmitteln müssen die Posten in der vorgegebenen Reihenfolge angelaufen werden. Jeder Kontrollpunkt ist mit rot-weißen Stoffmarkierungen gekennzeichnet und mit einer elektronischen Stempeleinheit versehen. Welcher Weg von Posten zu Posten eingeschlagen wird, bleibt jedem selbst überlassen. Mancher wählt den direkten, den kürzesten Weg: Die Karte wird mit Hilfe des Kompasses nach Norden ausgerichtet, und die Richtung zum nächsten Posten wird festgelegt. Dann geht es stur geradeaus, berghoch und -runter, durch Bäche und über Felsen.

Aber das Gelände ist meist nicht so beschaffen, dass der kürzeste auch der schnellste Weg ist. Den suchen sich die Orientierungsläufer auf der Karte heraus. "Man muss sich aufs Kartenlesen einlassen", sagt Pfannkuchen. In den speziellen Orientierungslaufkarten (siehe Extra) sind viel mehr Details eingezeichnet, als beispielsweise in Wanderkarten. Undurchdringliches Dickicht erkennt der geübte Orientierungsläufer darauf ebenso wie extreme Steigungen, die man besser umgeht, um Kraft zu sparen.

Eigentlich müsste Orientierungslauf genauso wie Trailrunning oder auch Geocaching als naturnaher Sport im Trend liegen. In Skandinavien pilgern Tausende zu teilweise mehrtägigen Veranstaltungen. Zum sogenannten O-Ringen in der schwedischen Provinz Dalarna kamen 2008 beispielsweise 25 000 Läufer. In Deutschland sind die Organisatoren dagegen über dreistellige Teilnehmerzahlen glücklich.

Obwohl Pfannkuchen seit 1993 Wettkämpfe und auch Einführungskurse anbietet, ist die Zahl der Orientierungsläufer rund um Trier sehr überschaubar. Der 72-Jährige hat Lehrgänge "aus der eigenen Garage heraus" organisiert und den Sport auch für Wanderer, Mountainbiker und Gruppen, die die Aufgaben gemeinsam bewältigen wollen, geöffnet. "Vielleicht ist der Anspruch zu hoch", überlegt Pfannkuchen, weshalb Orientierungslauf ein Nischendasein fristet.

Orientierungsläufe 2017

25. März: 25. offene Trierer Stadtmeisterschaften, Strecken von Kleinkindern bis Senioren, Wettkampfzentrum: Clubhaus des Trimmelter SV, Kohlenstraße 55, Trier, Starts 14 bis 15 Uhr, Anmeldeschluss: 19. März bei j.pfannkuchen@trimmelter-sv.de, Telefon 0651/16588
21. Oktober: Rheinland-Pfalz- und Saarland-Meisterschaft, Wettkampfzentrum: Hochschule Trier