Weltmeister, Europameister, Uefa-Cup-Sieger, Pokalsieger, fünfmal deutscher Meister: Wolfgang Kleff hat eine beeindruckende Titelsammlung. Eine seiner letzten Stationen als Aktiver war der FSV Salmrohr. Mit dem TV spricht Kleff über seinen Rivalen Sepp Maier, den legendären Büchsenwurf vom Bökelberg und die Kumpels aus Salmrohr.
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Fußball ist unser Leben: Wolfgang Kleff (zweite Reihe, Dritter von links) trällert 1973 mit der Nationalmannschaft im Chor. Foto: dpa
Herr Kleff, Sie haben als Spieler eine Menge erlebt. Welches Erlebnis hat sie am meisten geprägt?
Das war schon der Schuss vor den Bug, den ich bekommen habe, als mein Herz versagt hat. Ich hatte schon früh Herzrhythmusstörungen, habe das aber immer verschwiegen, weil ich dachte, meine Karriere ist gefährdet. Die Probleme nahmen im Lauf der Jahre zu. Im Februar 2009 war dann endgültig Schluss mit lustig. Ich hatte nur noch eine Herzleistung von 20 Prozent und bekam einen Schlaganfall. Als Folge davon ergaben sich Lähmungserscheinungen und das Sprachzentrum war auch gestört. In Marburg ist mir ein Minidefibrillator eingesetzt worden. Den Ärzten in Marburg bin ich unendlich dankbar.
Bis dahin waren Sie sporadisch sogar noch in der Liga aktiv, spielten regelmäßig für die Lotto-Elf und betrieben eine Fußballschule…
Und jetzt bin ich Rentner. Fußball spielen ist nicht mehr. Selbst als Torhüter wäre das Risiko zu groß. Die Fußballschule mache ich noch bei ausgesuchten Anlässen, wie jetzt mit der Lotto-Elf in Trier. Früher bin ich mit meiner mobilen Fußballschule im ganzen Land umhergereist.
In der Nationalmannschaft haben sie den großen Durchbruch nie geschafft. Sepp Maier war immer im Weg.
Na, na. Ich bin Rekordnationalspieler. Ich habe bei sechs Länderspielen im Tor gestanden, saß 34-mal auf der Bank und war 200-mal vor dem Fernseher dabei. Keiner hat so viele Länderspiele und es kommen immer noch welche dazu. Und hätte Maier auf seinen Hund gehört, wären es noch viele, viele mehr. Wenn der seinen Dackel nach dem besten Torwart gefragt hat, hat das kluge Tier immer "Kläff, Kläff" geantwortet.
Sie haben augenscheinlich nicht nur wegen ihrer Ähnlichkeit zu Otto Waalkes in zwei Filmen mitgespielt.
Auch, aber sicher auch deshalb, weil ich ein humorvoller Mensch bin. Und natürlich war "Otto - der Film", in dem ich dabei war, der beste aller Otto-Filme.
Sie haben mit der Borussia viele große Erfolge gefeiert, haben aber auch die Schattenseiten bei diesem Verein erlebt, dem gerade international der sprichwörtliche Bayern-Dusel fehlte. Wie 1971 beim legendären Büchsenwurf vom Bökelberg, der zur Annullierung des 7:1-Sieges gegen Inter Mailand führte.
Wir sind oft regelrecht verschaukelt worden. Der Büchsenwurf, als Roberto Boninsegna den sterbenden Schwan gemimt hat und wir letztlich ausgeschieden sind, weil die Italiener in der Uefa einfach die bessere Position hatten, war noch nicht einmal das schlimmste Erlebnis. Das Spiel kam übrigens nicht im Fernsehen, weil die ARD zu den 60 000 Mark für die Übertragung nicht noch die Mehrwertsteuer bezahlen wollte. Noch schlimmer war der holländische Schiedsrichter Leonardus van der Kroft, der uns 1976 im Europapokal der Landesmeister bei Real Madrid um den Sieg betrogen hat, weil er zwei reguläre Tore von Henning Jensen und Jürgen Wittkamp nicht anerkannt hat. Das Spiel endete 1:1 und wir waren nach dem 2:2 im Hinspiel ausgeschieden.
Was war Ihr persönliches Highlight?
Eine Niederlage, das 4:5 nach Elfmeterschießen im Europapokal der Landesmeister 1970 beim FC Everton. Ich habe wohl nie ein besseres Spiel gemacht, sogar einen Elfmeter gehalten. Weil wir aber zwei verschossen haben, hat es nicht gereicht. Meine Paraden sind noch jetzt als Zusammenschnitt bei You Tube zu sehen. Sie haben auch ein Jahr in der zweiten Liga in Salmrohr gespielt.
Sportlich war die Saison zwar nicht erfolgreich, wir sind bekanntlich abgestiegen, aber es war ein schönes Jahr. Der Verein hat mich zur 90-Jahr-Feier in wenigen Wochen eingeladen. Ich freue mich schon darauf, die alten Kumpel wieder zu treffen.
Interview: Willi Rausch Wolfgang Kleff wurde am 16. November 1946 in Schwerte geboren. Den Torwart, der wegen seiner Ähnlichkeit mit Otto Waalkes von den meisten Fans nur "Otto" genannt wurde, zog es schon früh zum Fußball-Bundesligisten Broussia Mönchengladbach, wo er anfangs nur zweiter Torwart hinter Dietmar Danner war. Sein erstes Bundesligaspiel absolvierte Kleff 1968 und debütierte 1971 in der Nationalmannschaft, wo er aber nie an Sepp Maier vorbei kam. Da er aber im 22er-Kader stand, wurde er 1972 Europmeister und 1974 Weltmeister. Mit der "Fohlen-elf vom Bökelberg" wurde er Uefa-Cup-Sieger (1973), deutscher Pokalsieger (1973) und fünf Mal deutscher Meister (1970, 1971, 1975, 1976, 1977). Eine seiner letzten Stationen war der FSV Salmrohr in dessen einziger Zweitliga-Saison (1986/87). wir
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