/dossier/default

Golfsport in der Region: Ausprobiert mit richtig Schwung (Video)

(Trier) Sport-Serie "Spochtipedia": Dem Golfsport hängt ein elitäres Image an. Das mag in Teilen noch zutreffen, doch auf den Plätzen hat sich einiges geändert. Der Golfverband zählt zu den zehn mitgliederstärksten Sport-Organisationen in der Bundesrepublik. Damit Anfänger nicht die Lust verlieren, gilt vor allem eins: Der richtige Schwung muss sitzen. Dossier zum Thema: Spochtipedia

23.08.2017
Mirko Blahak
Vor mir erstreckt sich die Driving-Range in die Eifellandschaft. Mehr als 200 Meter reicht sie in die Ferne. Die Wiese - übersät mit weißen Punkten. Golfbälle, die den Eindruck vermitteln, als habe es gehagelt. Wie weit ich wohl bei meinen ersten Golfschwüngen auf dem Übungsgelände kommen werde? Der Ehrgeiz ist groß, wie bei jedem Anfänger. Da liegt auch gleich das erste Problem.

"Der richtige Schwung ist das A und O. Er hat fast nichts mit Kraft zu tun. Viele verkrampfen bei den ersten Versuchen. Sie schlagen, statt zu schwingen", weiß Wolfdieter Gotschlich (Foto: privat), Golflehrer im Golf-Club Eifel, zu berichten.
Und so geht’s richtig : Der Abstand zum Ball sollte so sein, dass die Arme locker runterhängen. Der Rücken ist gerade. Die Schulter wird zur Seite gedreht, der Schläger nach oben genommen. Die Arme fallen runter und werden zum Ball weitergeschwungen - so weit die Theorie in Schlagworten.
Im Golfsport kommen mehrere Arten von Schlägern zum Einsatz: Hölzer, Eisen und Putter. Für richtig lange Abschläge werden sogenannte Hölzer benutzt. Sie haben den größten Schlägerkopf, der hohl und trotz seines Namens heute nicht mehr aus Holz ist, sondern aus Metall oder Leichtmetall. Für mittellange Schläge werden die Eisen ausgepackt, mit denen der Ball präziser gesetzt werden kann. "Die Eisen haben verschiedene Zahlen, sie reichen meist von Eisen 4 bis Eisen 9. Sie unterscheiden sich durch die Neigung der Schlagfläche. Das wiederum beeinflusst, wie hoch und weit der geschlagene Ball fliegen kann", erläutert Gotschlich.
Zu den Eisen gehören auch die sogenannten Wedges, die für kurze Annäherungsschläge oder Schläge aus dem Sandbunker heraus genutzt werden. Grob gesagt kann mit einem niedrigen Eisen der weiteste und flachste, mit dem Sand Wedge der kürzeste, dafür aber höchste Schlag erzielt werden.

"Ich bekomme zum Üben des Golfschwungs ein Eisen 7 in die Hand gedrückt. Mit diesem Schläger, sagt Gotschlich, fühlen sich Anfänger am wohlsten. Bei mir läuft’s so lala. Ein Luftloch hier, ein Schlag jenseits der 75-Meter-Fahne dort. Was fehlt, ist Konstanz. Damit liege ich im Schnitt.
*
"In den Schnupperkursen, die ich leite, schaffen es 70 bis 80 Prozent der männlichen Teilnehmer, nach einer Stunde Üben 100 Meter weit zu kommen", sagt Gotschlich. 200 Übungsbälle in zwei Stunden - so sieht bei einem richtigen Kurs das Anfangspensum aus. Bei mir bleibt nur Zeit für 30 Bälle.
Jedes Jahr fangen in Deutschland rund 50 000 Menschen mit dem Golfen an, sagt Gotschlich. Das Pro blem: In gleicher Zahl hören Golfer auch wieder auf. "Wer nicht am Ball bleibt, verliert Können und damit die Lust", sagt der Golflehrer. Dabei eigne sich der Sport für viele. Für Jung und Alt, für Männer und Frauen, für Dicke und Dünne. Gotschlich: "Einzige Voraussetzung: Man sollte halbwegs beweglich sein."
Trotz aller Bemühungen zur Gewinnung von Nachwuchsspielern - die Golf-Klientel ist zum großen Teil eher gesetzteren Alters. Viele sind älter als 50. Viele haben vorher andere Ballsportarten ausgeübt.
Es klingt makaber - auch wegen seiner (hohen) Altersstruktur gehört der Golfsport zu den "gefährlichsten" Sportarten weltweit. Die Zahl von Toten durch Herzinfarkte ist höher als anderswo. Demgegenüber steht, dass die Weltspitze im Golfsport derzeit richtig "jung" ist. Der aktuell Beste, Dustin Johnson aus den USA, ist 33 Jahre alt. Seine Verfolger Hideki Matsuyama und Jordan Spieth sind gerade mal 24 und 25 Jahre alt.
Anfänger, die auf Sicht dem Sport treu bleiben wollen, brauchen nicht die gesamte Schläger-Klaviatur. Laut Gotschlich reicht Einsteigern ein Set von sechs Schlägern: ein Holz, vier Eisen, ein Putter. Zu haben für rund 200 Euro.
Womit wir beim Thema Geld sind. Golfen gilt als teurer Sport. Wegen der Ausrüstung, wegen der Mitgliedsbeiträge, wegen der Nutzungsgebühren auf den Plätzen. Fakt ist: Ein billiger Sport ist Golfen nicht. Doch Gotschlich stellt einen Vergleich an: "Bei uns kostet eine Vollmitgliedschaft 1200 Euro im Jahr, das ist nicht viel mehr als in einem guten Fitnessstudio."
Man kann - wie in fast jedem Sport - für Accessoires viel Geld lassen. Beim Golfen etwa für spezielle Golfschuhe, die mehr Halt als Turnschuhe geben, oder spezielle Handschuhe, um beim Abschlag den Schläger besser "im Griff" zu haben. Anfänger brauchen sich darüber aber keine Gedanken zu machen.
Nicht abgelegt hat das Golfen bis heute eine gewisse Etikette. Doch auch Kleidervorgaben wurden vielerorts gelockert. Gotschlich: "Jeans und sogar Jogginghosen sind heute nicht mehr verpönt."

Für meine Schnupperstunde habe ich ein Poloshirt aus dem Schrank gekramt. Auf der sicheren Seite zu sein kann ja nicht schaden. Von der Driving Range geht’s weiter zum Übungs-Grün. Ein feinster Teppich auf welligem Gelände, versehen mit mehreren Löchern. Der erste Versuch. Der Ball liegt rund ein Meter vom Loch entfernt, das mit einem Durchmesser von 10,8 Zentimetern unwesentlich größer ist als beim Minigolf. Ich hole aus - und schwupps: Das rund 40 Gramm schwere Bällchen rollt viel zu weit.

Gotschlich hat’s gewusst. Wie mir geht’s allen Anfängern. Es fehlt der innere Kompass für das Rollverhalten des Balls und die notwendige Bewegung mit dem Schläger. "Die vermeintlich leichten Bälle gehen leicht daneben", nennt Gotschlich ein Golfersprichwort. Mut macht, dass auch die absoluten Profis Putts aus kurzer Distanz versemmeln.
Wer sich einmal Golfübertragungen im Fernsehen anschaut, stellt eine enorme Bandbreite von verwendeten Puttern fest. Es gibt schmale Modelle, wie man sie am ehesten vom Minigolf her kennt, bis hin zu wahren Monstren. "Bei Puttern spielt die Psyche eine große Rolle", sagt Gotschlich.

Für mich endet auf dem Übungs-Grün die Schnupperstunde. In einem richtigen Kurs wären als Nächstes die Annäherungsschläge an der Reihe. Auch hierbei würde gelten, was Gotschlich allen Schülern mit auf den Weg gibt: "Just do it" - Probier’s einfach aus!" Doch stopp - ein weitverbreitetes Vorurteil muss noch angesprochen werden. Ist Golfen überhaupt ein Sport?

Ein bisschen spazieren, ein paar Mal den Ball schlagen - Golfen wird zuweilen belächelt. "Das kommt aber immer seltener vor", sagt Gotschlich, der sich abgewöhnt hat, darauf zu reagieren. Er lässt lieber Taten sprechen: "Wer bei mir zwei Stunden lang auf der Driving Range ist, steht im Wasser."

Mehr zum Thema:
 
Warum der 80-jährige Hans Föhr aus Pluwig nicht mehr vom Schläger lassen kann.