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Harry Potters Lieblingssport in Trier? - Hoch die Besen, Donnervögel! (Video)

(Trier) Ein magischer Sport erobert die Stadt: Seit der Gründung der Thunderbirds hat auch Trier sein eigenes Quidditch-Team. Es ist die zweite Mannschaft in Rheinland-Pfalz. Dossier zum Thema: Spochtipedia

08.03.2017
Trier "Auf die Plätze, fertig, los!" geht bei diesem Spiel so: "Ready? Brooms Up!" Besen hoch? Der englische Ruf, der jede Quidditch-Partie eröffnet, darf tatsächlich für bare Münze genommen werden. Denn hier spielen sie wirklich auf Besen.

Das Spiel dürfte mindestens den Fans der Harry-Potter-Reihe ein Begriff sein. In den Romanen wie in den Filmen fliegen die Zauberschüler auf ihren Besen und jagen den Bällen nach, um möglichst viele Punkte für ihr Team zu holen. Mit ein paar kleinen Änderungen ist das Spiel aber auch für die sogenannten Muggel - Menschen ohne magische Fähigkeiten - spielbar.

Wichtigste Änderung: Geflogen wird bei den Thunderbirds natürlich nicht. Stattdessen klemmen sich die Spieler PVC-Rohre zwischen die Beine, stilisierte Besen quasi. Zum Werfen und Fangen der Bälle bleibt deshalb nur noch eine Hand frei. Auch die Tore, drei Ringe in der Mitte des Spielfeldes, sind auf einer weit niedrigeren Höhe angebracht als im magischen Original.

Die Quidditch-Weltmeisterschaft in Frankfurt im vergangenen Jahr gab den Ausschlag für die Gründung der Trierer Mannschaft. "Ich habe mir das angesehen und dachte, das sieht auf jeden Fall nach Spaß aus", sagt Hannah Wust. Die 20-jährige Studentin hat gemeinsam mit Tanja Lotzmann (27) den Grundstein für die Thunderbirds in Trier gelegt. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen in einer Facebook-Gruppe für Spieler und Fans. Gemeinsam starteten sie daraufhin einen Aufruf, um Quidditch-Begeisterte auch in der Region zu finden. "Wir hatten Glück, es sind genug Leute zusammengekommen", erzählt Wust.

19 feste Mitglieder gibt es mittlerweile. Sie sind zwischen 18 und 27 Jahre alt, Schüler, Studenten, Auszubildende, Berufstätige. Zwar sind die Frauen hier noch in der Überzahl, aber auch ein paar Männer trainieren mit. Das ist wichtig, denn nach den Regeln des International Quidditch Bundes (IQA) müssen alle Mannschaften gemischtgeschlechtlich sein.

Gegründet wurde die IQA 2007 in New York, seit einigen Jahren kümmert sich der Deutsche Quidditch Bund auch in Deutschland um den zunehmend beliebter werdenden Sport. Bundesweit sind 38 Mannschaften im Verband organisiert. Neben den Thunderbirds gibt es in Rheinland-Pfalz nur ein weiteres Team, die Binger Beasts aus Bingen. Neben dem Spaß am Spiel selbst haben die Thunderbirds deshalb ein weiteres Ziel, sagt Wust: "Wir wollen Quidditch in Rheinland-Pfalz bekannter machen."

Seinen Weg in die reale Welt fand Quidditch 2005 durch zwei Studenten eines amerikanischen Colleges. Schon 2008 veranstaltete der IQA den ersten Quidditch-World-Cup, bis 2014 fand der allerdings nur in den USA statt. Das kanadische Burnaby war der erste Austragungsort außerhalb der Vereinigten Staaten. Seitdem findet die Weltmeisterschaft alle zwei Jahre statt. Bei der WM in Frankfurt 2016 gewann mit Australien das erste Mal ein anderes Team als die amerikanische Nationalmannschaft.

Die deutsche Nationalmannschaft lief bei der Europameisterschaft im italienischen Sartena 2015 das erste Mal auf und schaffte es bis ins Viertelfinale. Bei der Weltmeisterschaft reichte es immerhin für Platz elf. Von internationalen Turnieren wagen die Thunderbirds noch nicht zu träumen. Sportliche Ziele haben sie trotzdem schon jetzt: "Ich glaube, dass wir bald in einer Liga mitspielen können", sagt der 22-jährige Felix Schömer. Tatsächlich haben sich bereits einige deutsche Quidditch-Mannschaften in Ligen organisiert.

Voraussetzung dafür ist die Vollmitgliedschaft im Verband. Die Thunderbirds sind bislang Entwicklungsmitglied. Für die Vollmitgliedschaft müsste das Team neben anderen Voraussetzungen einen jährlichen Beitrag entrichten. Wer bei den Thunderbirds mitspielen will, muss bislang aber noch keinen Mitgliedsbeitrag zahlen. "Jeder gibt, was er kann", sagt Finanzwartin Judith Greis. Ob das auf Dauer so funktioniert, wird sich zeigen. Die Ausrüstung fürs Training kostet Geld. Drei Torringe, Trikots, Besen, Bälle und Kosten für die Website: Schon am Anfang fallen einige Investitionen an.

Noch gibt es übrigens keinen Hersteller, der die Ausrüstung liefern könnte. Das meiste kommt aus dem Baumarkt. Für die Besen etwa eignen sich PVC-Rohre, mit Hula Hoops und Aluminium-Stangen imitieren die Torringe. Dazu kommen Trikots und farbige Stirnbänder, die die jeweilige Position im Spiel markieren (siehe Extra). Nach und nach wollen sie alles anschaffen. Trainiert wird trotzdem auch jetzt schon fleißig. Die Thunderbirds spielen derzeit das Fußballtor in der Sporthalle des Angela-Merici-Gymnasiums an - mit Fahrradreifen als Torringe. Mit den langsam steigenden Temperaturen kommt jetzt auch ein zweiter Trainingstermin im Freien dazu, zuletzt im Kürenzer Schlosspark.

Die Mannschaft trainiert erst seit wenigen Wochen, Erfolge können sie aber schon jetzt verzeichnen. Mit einem Trierer Geschäft für Computerspiele ist ein erster Sponsor gefunden. Zusätzlich wirbt das Team über die Online-Plattform leetchi.com um Spenden. "Pro fünf Euro werden wir einen Kilometer joggen", versprechen sie im Gegenzug. Auch sportlich setzen sie alles daran, sich möglichst schnell einen Namen zu machen und lassen sich zum Beispiel Tipps von erfahrenen Spielern anderer Mannschaften geben. Geplant sind bald auch Freundschaftsspiele gegen Teams aus Düsseldorf und Köln. "Ready?" Die Donnervögel sind bereit. Besen hoch!
Extra
(lbe) Jede Mannschaft geht mit sieben Spielern aufs Feld. Vier verschiedene Positionen gibt es: Die drei Jäger, gekennzeichnet durch weiße Stirnbänder, versuchen mit dem Quaffel, einem Volleyball, die Torringe des Gegners zu treffen. Ein Treffer bringt zehn Punkte Der Hüter (grünes Stirnband) versucht dagegen, die Torringe zu verteidigen. Zwei Treiber mit schwarzem Band versuchen, die gegnerische Mannschaft zu stören, indem sie die Spieler mit Klatschern (Dodgebälle) bewerfen. Wird ein Spieler getroffen, muss er die Torringe seiner Mannschaft kurz berühren und ist erst dann wieder im Spiel. Ab der 19. Minute ist der sogenannte Schnatz auf dem Feld, ein Tennisball, der am Hosenbund eines neutralen Spielers befestigt wird. Der Sucher (gelbes Stirnband) versucht, den Schnatz zu fangen. Gelingt ihm das, bekommt seine Mannschaft 30 Punkte, und das Spiel ist beendet. Es gewinnt die Mannschaft mit dem zu diesem Zeitpunkt höheren Punktestand.

 

Extra
(lbe) Mitmachen können bei den Thunderbirds alle ab 13 Jahren. Derzeit trainiert das Team zweimal in der Woche, dienstags um 20 Uhr in der Sporthalle des Angela-Merici-Gymnasiums. Der Einstieg ins Training ist jederzeit möglich. Weitere Informationen und alle Trainingstermine gibt es unter www.thunderbirds-trier.de oder auf der Facebook-Seite facebook.de/thunderbirdstrier.de. Das Logo ist übrigens nicht zufällig rot und gold: Das sind die Farben Gryffindors, eines der vier Häuser im fiktiven Internat Hogwarts aus der Harry-Potter-Reihe. "Und die Farben sind im Stadtwappen von Trier zu sehen", erklärt Team-Mitgründerin Hannah Wust.